Infrastrukturinvestitionen
Stabile Erträge gesucht

Die öffentliche Hand ist mit dem Ausbau und der Instandhaltung von Autobahnen und Straßen finanziell überfordert. Doch bald soll in Deutschland möglich werden, was in anderen Ländern bereits üblich ist: die Beteiligung privater Kapitalanleger an öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen. Für institutionelle Investoren eine interessante Anlagealternative.

MÜNCHEN. „Jede Staumeldung ist doch eine kostenlose Werbebotschaft für privatwirtschaftliche Infrastrukturinvestitionen“, sagt Bernward Kulle, Sprecher der Geschäftsführung der Essener Hochtief PPP Solutions. Er bringt damit auf den Punkt, was Autofahrer auf Deutschlands Straßen täglich aufs Neue erfahren: Die öffentliche Hand ist mit dem notwendigen Ausbau und der Instandhaltung von Autobahnen und Straßen finanziell überfordert.

Auf 150 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030 beziffert das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton in einer aktuellen Studie die Kosten für den erforderlichen Aus- und Neubau hiesiger Verkehrswege. „Ich sehe nicht, wie das Geld für die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen aufgebracht werden sollte“, sagt Ralf Nagel, seit Juli dieses Jahres Senator für Wirtschaft und Häfen in Bremen und bis Ende 2005 fünf Jahre lang Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Die Konsequenz steht für ihn fest: „Wir müssen stärker zu einer Nutzerfinanzierung kommen.“ Alles, was zudem dabei helfe, Geld für die notwendigen Investitionen zu sammeln, sei grundsätzlich zu begrüßen, „auch Infrastrukturfonds“.

Mit der geplanten Novellierung des Investmentgesetzes soll in Deutschland möglich werden, was in anderen Ländern bereits üblich ist: die Beteiligung privater Kapitalanleger an öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen. Für institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen eine offenbar interessante Anlagealternative, wie auf der am Mittwoch in München zu Ende gegangenen Gewerbeimmobilienmesse Expo Real zu hören war. „Infrastrukturinvestments bieten langfristig stabile Erträge, und genau das mögen wir“, sagte Johan van der Ende, Chefstratege und Experte für strukturierte Investments bei PGGM, zweitgrößte Pensionskasse der Niederlande. Rund 300 Mill. Euro Fondsgelder hat PGGM bereits in Infrastrukturprojekte investiert, mittelfristig sollen es zehn Mal so viel sein.

Rund eine Mrd. Euro und damit die Hälfte des Gesamtvolumens ihres europäischen Infrastrukturfonds für professionelle Anleger hat die Deutsche Bank-Tochter Rreef bereits investiert. „Wir konzentrieren uns auf wirtschaftliche Infrastrukturprojekte, also Straßen, Flug- und Seehäfen, Elektrizität, Wasser, Gas“, erläuterte John McCarthy, Geschäftsführer von Rreef Infrastructure, das Anlagekonzept auf der Münchener Expo Real. Mit sozialer Infrastruktur – also Krankenhäusern, Schulen oder Pflegeheimen – beschäftigen sich die Londoner Fondsmanager nicht: „Harte Arbeit, geringer Ertrag“, umschreibt McCarthy kurz und bündig die Ausschlusskriterien. Aberdeen Property Investors hingegen schließt Investitionen in Pflegeheime keineswegs aus. Dafür setzt man bei der schwedischen Anlagegesellschaft für internationale institutionelle Kunden beim Thema Infrastruktur auf indirekte Investments: „Wir wollen im kommenden Jahr einen Infrastruktur-Dachfonds auflegen“, erläuterte der für Strategie verantwortliche Aberdeen-Manager Alessandro Bronda in München das Konzept.

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