Internationale Investoren entdecken Estland, Lettland und Litauen – Institutionelle Anleger favorisieren Einkaufszentren
Im Baltikum boomt der Immobilienmarkt

Die Feierlichkeiten zum Beitritt in die Europäische Union am 1. Mai dieses Jahres sind längst vergessen. In Riga, Tallinn und Vilnius herrscht wieder „business as usual“. Was jedoch keineswegs heißt, dass man nach den fiebrigen Beitrittsaktivitäten die Hände wieder in den Schoß gelegt hätte.

HB STOCKHOLM. Der weitere Ausbau der Infrastruktur und die umfassenden Restaurationen der mittelalterlichen Stadtkerne werden fortgesetzt. Es war eben nicht nur, wie einige befürchteten, ein kurzzeitiges Herausputzen für den großen Tag.

Überall wird gebaut, renoviert, restauriert, verputzt und gestrichen – knapp 14 Jahre nach der Unabhängigkeit der baltischen Republiken zählen die drei neuen EU-Mitglieder zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaften in der gesamten Europäischen Union. Einer der größten Nutznießer des baltischen Booms ist dabei die Baubranche: Neue Wohnanlagen entstehen in den Vororten von Riga und Tallinn, in den Zentren schießen neue Bürokomplexe und Einkaufszentren wie Pilze aus dem Boden. Der Nachholbedarf nach dem Ende der sowjetischen Besatzung ist immens.

Die Entwicklung ist nicht unbemerkt an Investoren vorbei gegangen. „Das Interesse der großen Fondsgesellschaften an Immobilien in den baltischen Staaten ist seit Mai deutlich gewachsen“, sagt Hindrek Leppsalu vom größten Immobilienmakler im gesamten Baltikum, der Ober-Haus Real Estate Gruppe in Tallinn. Es seien vor allem britische und irische Fonds, die jetzt im Baltikum investieren. „Die Iren sind vermutlich so aktiv, weil sie aus eigener Erfahrung wissen, welchen Boom eine EU-Mitgliedschaft auslösen kann“, meint Leppsalu. Einer der größten Investoren in gewerbliche Immobilien in allen drei Ländern ist der dänische Baltic Property Trust. Bei Renditen in Estland von neun bis elf Prozent bei gewerblichen Objekten und sieben bis zehn Prozent bei privaten ist es wenig erstaunlich, dass ausländische Investoren Interesse zeigen. In Lettland liegen die Renditen sogar noch ein bis zwei Prozentpunkte höher.

Aber auch von weit her kommen Anleger: Im Sommer gab das größte israelische Immobilienunternehmen, Gazit-Global, bekannt, dass man in den kommenden Jahren insgesamt 400 Millionen US-Dollar in den baltischen Staaten investieren will. Die Investitionen sollen über den finnischen Spezialisten für Einkaufszentren und Bürokomplexe, Citycon, getätigt werden, an dem Gazit-Globe 40 Prozent hält. Chaim Katzman, der Chef des israelischen Konzerns, der allein in den USA rund 300 Einkaufszentren besitzt, sagte der Zeitung „Baltic Times“, dass die Märkte in den baltischen Staaten zwar klein, dafür aber „qualitativ hochwertig“ seien.

Tatsächlich können die drei Ostseeanrainer mit einem Wachstum in diesem Jahr von fünf bis sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts rechnen. Die Löhne werden in den kommenden Jahren durchschnittlich um sieben bis zehn Prozent steigen und somit die Grundlage für ein weiteres Wachstum bei gewerblichen und privaten Immobilien bilden. Jan Wejdmark von der schwedischen Immobilienberatungsfirma Newsec sieht ebenfalls die „gute makroökonomische Entwicklung im Baltikum“ als eine der Hauptursachen, dass mehr schwedische Kunden ihre Blicke über die Ostsee werfen. „Das Hauptinteresse gilt Shoppingzentren“, sagt er und unterstreicht, dass mittelständische Unternehmen aus Schweden und Finnland die baltischen Länder als günstige Produktionsstandorte entdeckt haben. Das Lohnniveau liegt deutlich unter dem in den alten EU-Ländern. „Das schafft Nachfrage nach gewerblichen Immobilien“, weiß auch Leppsalu.

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