Interview Deutsche-Annington-Chef
„Abo-Geschäft mit dem Angebot Wohnen“

Deutschlands größter Wohnungskonzern Deutsche Annington ist heißester Kandidat auf Dax-Aufstieg. Manchen Analysten geht das angesichts der Debatte über eine mögliche Immobilienblase in Deutschland zu schnell.
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FrankfurtDeutschlands größter Wohnungskonzern Deutsche Annington nimmt Kurs auf einen Milliardengewinn. Dank der Übernahme der Rivalen Gagfah und Süddeutsche Wohnen soll in zwei Jahren ein operatives Ergebnis von etwa 800 Millionen Euro zu Buche stehen - weitere Einkaufstouren und Mietsteigerungen im Tagesgeschäft noch gar nicht berücksichtigt. „Die über eine halbe Milliarde Euro, die wir dieses Jahr erwarten, wollen wir weiter steigern. Die Firma ist so gebaut, dass sie auch ohne Zukäufe wächst“, sagte Vorstandschef Rolf Buch in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Der Turbo ist nicht das entscheidende, sondern man muss einen guten Motor haben.“

Der Konzern, der ab September unter dem neuen Namen „Vonovia“ auftritt und derzeit heißester Kandidat für einen Aufstieg in den deutschen Aktienleitindex Dax ist, könne mit seinen 370.000 Wohnungen immer mehr Größeneffekte ausspielen. „Mit unserer deutschlandweiten Plattform sind wir dafür gut aufgestellt“, sagte Buch. Der frühere Bertelsmann-Manager hat das Ruder bei Annington im April 2013 übernommen und den Immobilienkonzern, bei dem damals noch der Finanzinvestor Terra Firma das Sagen hatte, drei Monate später an die Börse geführt. Terra Firma ist inzwischen ausgestiegen.

Das Wachstum von Annington war in den vergangenen zwei Jahren dank mehrerer Kapitalerhöhungen rasant, der Börsenwert ist von 3,7 auf fast zwölf Milliarden Euro geklettert: Erst verleibte sich der Konzern die Wohnungsportfolios von Vitus und Dewag ein, dann folgte die Übernahme der Konkurrentin Gagfah und die Expansion Richtung Süden mit dem Kauf der Süddeutschen Wohnen (SüDeWo), der ehemaligen Wohnungstochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Manchen Analysten geht das angesichts der Debatte über eine mögliche Immobilienblase in Deutschland zu schnell. Sie haben die Annington-Aktie deshalb auf „Halten“ gesetzt und wollen erst einmal Integrationserfolge sehen. Buch betonte, der Konzern habe stets geliefert, das Wachstum sei nachhaltig. Annington bietet vergleichsweise günstige Wohnungen zu Mietpreisen von gut fünf Euro je Quadratmeter an. "Wohnimmobilien unserer Kategorie sind ein extrem stabiles Investment." Zukäufe seien für ihn kein Selbstzweck, er schaue sich aber alle Portfolios mit mehr als 1.000 Wohnungen an. „Letztlich haben wir da auch ein bisschen Glück gehabt. Die SüDeWo zum Beispiel hatten wir seit 2012 auf dem Radar. Jetzt hat es geklappt.“

Der 50-Jährige zieht gerne Parallelen zu seiner früheren Tätigkeit in der Medienbranche: „Das Wohnimmobiliengeschäft ist im Grunde nichts anderes als ein Abo-Geschäft mit dem Angebot Wohnen: Wir möchten, dass unsere Kunden viele Jahre bei uns bleiben.“ Deshalb werden ihnen immer mehr Dienstleistungen aus einer Hand angeboten - neben der Wohnung etwa den Fernsehanschluss oder Handwerkerleistungen, vom Thema altersgerechtes Wohnen ganz zu schweigen. Als Buch quasi als Neuling in die Immobilienbranche kam, habe er sich über die mangelnde Kunden- beziehungsweise Mieterorientierung gewundert. „Die Immobilienbranche ist eine sehr junge Industrie: Man kann noch viel erfinden.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mir ist die Immobilienblase egal, ich wohne zur Miete.

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