Interview: „Immobilien sind für Private kein professionelles Investment“

Interview
„Immobilien sind für Private kein professionelles Investment“

Viele Immobilienkäufer zahlen aktuell viel zu hohe Preise. Estavis-Chef Andreas Lewandowski verrät im Interview, wo der Kauf noch lohnt, warum die Mieten viel zu günstig sind und wie er den Börsenwert verdreifachen will.
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Herr Lewandowski, Sie gelten als einer der cleversten professionellen Immobilienkäufer des Landes. Wenn Sie privat eine Wohnung als Investment kaufen würden, wo würden sie dann zuschlagen?
Das hängt immer sehr von dem jeweiligen Objekt ab. Zwar gibt es in den Metropolen noch Chancen, Privatinvestoren müssen aber lange suchen. In Berlin werden beispielsweise schon Kaufpreise vom 25-fachen der Jahresmiete bezahlt. Ein gutes Geschäft ist das eher nicht.

Wie sieht es in den anderen Metropolen aus?
In Hamburg und München gibt es fast keine Schnäppchen mehr, auch in Frankfurt kaum noch.

Immobilien sind in Deutschland Partythema. Warum kaufen die Deutschen, ohne auf die hohen Preise zu achten?
Man sagt, wenn die Putzfrau einsteigt, sei es an der Zeit auszusteigen. Inflationsängste treiben viele Vermögende zum Immobilienkauf. Wer ein Objekt in einer Top-Lage in einer Metropole erwirbt, macht meistens nicht viel verkehrt. Das Objekt lässt sich oft zu einem ähnlichen Preis wiederverkaufen, schlimmstenfalls droht ein kleiner Verlust. Aber ein gutes Geschäft ist das nicht. Die wenigsten schaffen es die Preiszyklen zu treffen und kaufen zu teuer.

Wo gibt es denn noch Schnäppchen?
In Mittelzentren mit steigender oder zumindest konstanter Bevölkerungszahl ist der Markt noch nicht abgegrast. Empfehlenswert sind Unistädte, weil dort ein steter Bedarf an Mietwohnungen gibt. Interessant sind auch Oststädte wie Dresden, Chemnitz, Leipzig oder Magdeburg.

In Leipzig gibt es große Leerstände.
Das betrifft aber nur die unsanierten Wohnungen sowie Altbauten im Zentrum, die einzelnen West-Eigentümern gehören. Ost-Immobilien sind zum Ankauf deswegen oft interessant, da sie häufig mit Steuermitteln erst vor wenigen Jahren saniert wurden. Das ist im Westen nicht immer der Fall.

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  • Was die "Platte" angeht, muss ich dem Estavis-Typen recht geben. Bin selber in einem Plattenbau (http://goo.gl/maps/tgH1e) großgeworden, meine Eltern wohnen immer noch da und, abgesehen von der teureren Ziegelbauweise ist meine aktuelle Wohnung auch "Platte": http://goo.gl/maps/lirmq .

    Wo ist das Problem? Keller, Dachstellplatz, Balkon, 3 Zimmer, Küche, Bad, Parkplatz, Wiese usw..

    Ich seh nicht ein, dass man ein Mehr- (Viel-?)familienhaus heute immer noch wie vor 150 Jahren bauen muß, wo jeder Ziegel einzeln handgestreichelt und liebevoll auf den Mörtel gesetzt wird, mit den entsprechenden Kosten, wenn man dasselbe auch zum halben Preis mit ein paar Fertigteilen und einem Kran hochziehen kann.

    Dann gibt's auch wieder bezahlbare Mieten.

  • Jau! Und mit dem Rechnen hapert es auch; die 25fache Monatsmiete steht auch nach mehr als einem halben Tag immer noch da... *g*

  • Genau. Mindestlöhne damit die Mieten weiter steigen können! Renditemäßig ein super Gedanke. Im wahren Leben ist dies für viele Menschen die es sich so schon kaum noch leisten können nur zynisch. Der Grundgedanke (als Selbstverständlicheit formuliert), dass in allen Bereichen das Geld von Unten nach Oben geschaufelt wird, wir diese Gesellschaft irgendwann auseinanderbrechen lassen. Wenn wir nicht schon seit mindestens 10 bis 15 Jahren mitten in diesem Prozess sind. Immer steigende Renditen (in diesem Fall Mieten) sind aber nur zahlbar wenn der Durchschnittsverdiener auch vom Wirtschaftswachstum profitiert. Reallohnsteigerungen haben seit Jahren aber allenfalls die oberen 10 bis 25 Prozent dieser Gesellschaft zu verzeichnen.

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