Interview mit Karl-Heinz Heuß
Immofonds im Zwielicht

Immobilienfonds galten früher als grundsolide, lieferten den Anlegern jährlich rund vier bis fünf Prozent und glänzten gewöhnlich durch Beständigkeit. Mit den Skandalen bei Deka und DB Real Estate rückt die ganze Branche ins Rampenlicht - ungewollt. Ein Gespräch mit Karl-Heinz Heuß, Fondsmanager bei CS Euroreal.

Euro: In den vergangenen Wochen platzte mit dem Immobilienskandal und der Entlassung des Deka-Geschäftsführers Michael Koch eine Bombe. Auch die DB Real Estate, eine Tochter der Deutschen Bank, ist involviert, die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen mehr als 40 Personen. Hätte ein Immobilien-Rating so etwas verhindern können?

Heuß: Das ist schwer zu beantworten. Ich denke, auch eine Rating-Agentur hat es immer sehr schwer, vollständig hinter die Kulissen zu schauen. Mögliche kriminelle Energie kann nicht Teil einer intensiven Prüfung sein.

Euro: Kann den Anlegern durch das kriminelle Verhalten Schaden entstanden sein?

Heuß: Ich kenne die Sachverhalte nicht. Aber grundsätzlich halte ich das nicht für ausgeschlossen.

Euro: Was halten Sie, unabhängig von diesem Skandal, von den Bemühungen des Fondsverbandes BVI, eine Rating-Gruppe für Immobilienfonds aufbauen zu lassen?

Heuß: Davon halte ich sehr viel. Der offene Immobilienfonds ist an sich schon ein sehr transparentes Produkt. Die Fonds veröffentlichen viele Zahlen und Informationen, der Anleger erfährt von jedem Produkt, von jeder Immobilie, die wir kaufen, eine Menge. Und wenn wir diese Transparenz durch ein Rating-Verfahren noch vergrößern, so rennt das bei uns offene Türen ein.

Euro: Ihre Branche ertrinkt derzeit ja in neuen Anlegergeldern. 1990 bis 1999 flossen offenen Immobilienfonds 39 Milliarden zu. Allein 2002 und 2003 waren es 27 Milliarden, bis 31.7.2004 3,6 Milliarden Euro. Wie geht das weiter?

Heuß: Wir rechnen damit, dass der Mittelzufluss gegen Ende diesen Jahres und Anfang nächsten Jahres etwas weniger stark steigen wird. Mit einer besseren Entwicklung des Kapitalmarktes wird diese Trendumkehr möglicherweise eintreten. Für uns heißt das aber auch, dass wir für das Jahr 2004 nochmals mit hohen Mittelzuflüssen rechnen können.

Euro: Mittelzuflüsse scheinen Ihnen keine Probleme zu bereiten. Sie sind derzeit kräftig am Investieren. Wohin?

Heuß: Wir haben das Ziel, mit 40 Prozent in Deutschland und mit 60 Prozent im europäischen Ausland investiert zu sein. Derzeit liegen diese Quoten bei 45 und 55 Prozent. Wir werden also kurz- und mittelfristig verstärkt Immobilien im Ausland nachfragen. Wir wollen dabei aber den Büroanteil deutlich absenken. Derzeit macht er noch über 70 Prozent aus.

Euro: Sie stehen derzeit nach Performance nur auf Rang 5. Wie wird das Jahr für den CS Euroreal enden?

Heuß: Wir denken, dass wir bezüglich der Rendite in diesem Jahr die Vier vor dem Komma sehen. 2005 könnten wir noch etwas besser performen, da wir dann eine höhere Investitionsquote haben und dementsprechend einen besseren Renditebeitrag aus den Immobilieninvestitionen erzielen können.

Quelle: Euro Nr. 10 vom 01.10.2004 Seite 110

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