Interview zur Mietpreisbremse
„An Populismus grenzende Betriebsamkeit“

Die Mietpreisbremse soll Wohnraum bezahlbar machen. Der Immobilienprofi Manfred Binsfeld erklärt, warum die Ziele der Regierung unrealistisch sind und das neue Gesetz sogar für steigende Mieten sorgen könnte.
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Herr Binsfeld, der Gesetzesentwurf zur Mietpreisbremse liegt vor. Lösen die Pläne die Probleme auf dem Wohnungsmarkt?
Die Mietpreisbremse ist höchstwahrscheinlich nicht geeignet, die Probleme auf dem Wohnungsmarkt zu lösen. Sie wirkt eher in die andere Richtung, da sie den Wohnungsmangel – das eigentliche Problem – nicht beseitigt, sondern den Wohnungsneubau dämpfen wird und somit mittelfristig Mietsteigerungen herbeiführt.

SPD-Politiker sprechen von „exzessiven Mietsteigerungen“ in den Metropolen. Musste die Politik nicht aktiv werden?
Ob die Mietsteigerungen exzessiv sind und wie repräsentativ diese sind, ist durchaus umstritten. Beträchtliche Mietsteigerungen gibt es allenfalls in den attraktiven Metropolen und beliebten Universitätsstädten und auch dort nur in den angesagten Stadtteilen. Grundsätzlich darf man auch nicht vergessen, dass der Immobilienmarkt einen starken Zyklus hat. So sind die Mieten in Deutschland zwischen 1990 und 2005 real gesunken. Ein Teil der jetzigen Entwicklung ist deshalb ein Nachholeffekt.

In den Großstädten fällt dieser Nachholeffekt aber ziemlich kräftig aus.
Den jetzigen Ungleichgewichten in den Metropolen und Universitätsstädten hätte die Politik viel früher begegnen müssen, beispielsweise mit einer zeitgemäßen und ordnungspolitisch passenden Wohnungsbauförderung.

Sorgen die Pläne für Entlastung?
Mit den geplanten Maßnahmen kommt man den Mietern auf den ersten Blick entgegen. Das eigentliche Problem des Wohnungsmangels wird damit aber nicht behoben. Im Gegenteil: Die jetzigen Pläne führen eher zu Mietanpassungen von Bestandswohnungen, die zuvor aufgrund der zu erwartenden Mieterhöhungen bei Wiedervermietungen unterlassen wurden. Dazu kommen zahlreiche Ausweichreaktionen auf Vermieterseite, verstärkte Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen sowie geringere Investitionen in Sanierung und Modernisierung.

Wie beurteilen sie die zentrale Regel, dass bei einem Mieterwechsel die neue Miete in den Metropolen künftig maximal zehn Prozent über dem ortsüblichen Niveau liegen darf?
Es ist schwer zu quantifizieren, welche Folgen eine Mietpreisbremse bei zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete haben wird. Generell aber hat jede Deckelung eine preisdämpfende Funktion. Andererseits könnte es auch zu kurzfristigen Vorzieheffekten bei der Erhöhung der Mieten kommen. Vermieter könnten die Gelegenheit nutzen wollen, die Miete noch mal kräftig zu erhöhen, ehe sie künftig mit geringeren Mietsteigerungen zufrieden sein müssen.

Der Bundesjustizminister rechnet die einer Entlastung der Mieter um genau 854,2 Millionen Euro pro Jahr. Ist das realistisch?
Das ist eine sehr einfache Kalkulation auf der Basis von Annahmen, die nicht sonderlich realistisch sind. Insofern ist die Zahl reines Wunschdenken.

Kommentare zu " Interview zur Mietpreisbremse: „An Populismus grenzende Betriebsamkeit“"

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  • @ DomestosKakerlakis

    Die Alternative zum Vermieten ist immer der Verkauf an Selbstnutzer. Das ist eine Option die zumindest ich in Betracht ziehe wenn die Rendite absehbar nicht mehr in Relation zu Risiko und Aufwand stehen.

    Die angebliche "Sicherheit des Betongoldes" ist das Ergebnis permanenter Gehirnwäsche der Banken die gerne langfristige Schuldner haben. Wer tatsächlich alle Aufwände der Vermietung mit einrechnet wird nur in einigen Ballungsgebieten oder Steuersparkonstellationen noch langfristige akzeptable Renditen mit privater Vermietung erzielen.

  • @ DomestosKakerlakis

    Wer glauben Sie fährt 100 oder mehr Kilometer nur weil ein Interessent sich mal die Wohnung anschauen will? Die Rate der Interessenten die einen vereinbarten Besichtigungstermin rechtzeitig absagen liegt unter 50%.

    Alle Vermieter die bisher weiter entfernte Objekte hielten müssen nun ganz neu kalkulieren. Wenn sie finanzierten oft auch noch zusammen mit der Bank.

    Auch deshalb weil ohne Maklerkosten die Umzugsbereitschaft bei Mietern steigen wird.
    Ein Paar das nach einem Monat wieder auszieht weil man die Folgen des "Zusammenziehens" unterschätzt hat mag die Ausnahme sein. Aber sowas kommt vor und wird zukünftig den Vermieter belasten.

    Wohnungsbesichtigungen. Übergabe und Abnahme sind immer 3 Pflichttermine. Gerade ältere Personen oder Vermieterinnen werden selten die Aufgaben des Maklers übernehmen.
    Dann muss man halt überlegen wie man 2 Monatsmieten auf ein Mietverhältnis aufschlägt und ob man weiter vermieten will und kann wenn die Rendite sinkt.

    Irgendwann findet man Goldmünzen vielleicht interessanter als vermietbare Wohnungen. Das war 1984 in der DDR so und ist 2014 in Venezuela nicht anders.

  • Interessante Einstellung: bei den Wänden streichen gilt, daß die Mieter dies nach eigenen Wünschen gestalten sollen / dürfen (das können diese ja auch, wenn sie die Wände bei Auszug wieder in den ursprünglichen Zustand vesetzen), bei der Küche aber, da wo es Geld kostet, zählen die Gestaltungswünsche plötzlich nicht mehr. Nun das mit den Gestaltungs-wünschen ist mein Argument bei Mietinteressenten. Danke schon mal dafür.
    Achja, ich muss mir keine Sorgen machen, daß ich meine Wohnung nicht vermietet bekomme und ich mach mir auch keine Sorgen, daß ICH den Makler bezahle. Die Wohnung gibt es nur über Makler, beauftragen werden diese die Mieter.Ich kann es mir leisten die Wohnung auch leer stehen zu lassen. Haben viele Leute, die eine Wohnung suchen, auch die Zeit?
    Eigentum verpflichtet, aber nicht zu allem. Ich habe Eigentum, andere dicke Autos und fahren mehrmals im Jahr in Urlaub.

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