Investment-Boom
Nach Asien wegen der Rendite

Kein Zweifel: Der Investment-Boom auf den globalen Immobilienmärkten läuft auf vollen Touren. Beherrschendes Thema der heute zu Ende gehenden, internationalen Gewerbeimmobilien-Messe Mipim in Cannes war deshalb bereits die bange Frage, wie lange der Run des internationalen Kapitals auf die Anlageklasse Immobilie noch anhalten wird.

CANNES. „Man fürchtet das Platzen der Blase“, sagt Alistair Calvers, Direktor im Londoner Büro der New Yorker Investmentgesellschaft W. P. Carey. Denn es sei „enorm viel Kapital im Markt“, der Wettbewerb um die Objekte werde immer aggressiver – mit den üblichen Folgen für Preise und Renditen. Die Preise gehen rauf, die Renditen runter.

Tatsächlich flossen weltweit im vergangenen Jahr 475 Mrd. Dollar in gewerbliche Immobilien, ein Fünftel mehr als 2004, geht aus dem anlässlich der Mipim vorgestellte Investmentmarktreport des internationalen Immobilienberatungsunternehmens Jones Lang Lasalle (JLL). „Die Globalisierung des Immobilienanlagemarktes schreitet rapide voran“, sagt Tony Horrell, Leiter der JLL-International Capital Group und ergänzt: „Auf der Suche nach attraktiven Renditen entfernen sich zumal europäische Investoren immer weiter von ihren Heimatmärkten.“ Kein Wunder, schließlich stiegen die Preise für gewerbliche Immobilien in den EU-Ländern während der vergangenen drei Jahre kontinuierlich, gleichzeitig sank EU-weit die durchschnittliche Spitzenrendite: Allein im Jahr 2005 gab sie um 49 Basispunkte nach und erreicht aktuell gerade einmal bei 7,5 Prozent, den niedrigsten Wert seit 1990, so das Ergebnis des auf der Mipim vorgestellten Europäischen Investmentmarktreports aus der Feder der internationalen Immobilienberater von CB Richard Ellis (CBRE). „Der Renditeabschwung vollzog sich in Nord-Süd-Richtung“, sagt Jan F. Kärst, Managing Director bei W. P. Carey. Er habe längst auch Zentraleuropa erreicht.

In den EU-Beitrittsländern Polen, Tschechien oder Ungarn führte die hohe Nachfrage nach Immobilienprodukten – die sich auch in einer deutlich gestiegenen Präsenz osteuropäischer Mipim-Teilnehmer niederschlägt – bei extrem geringem Angebot zu „signifikant fallenden Renditen im Verlauf des Jahres 2005“, sagt Andreas Ridder, CBRE-Experte für Zentral- und Osteuropa. In Warschau, Prag oder Budapest seien die Renditen heute nicht mehr höher als in vielen westeuropäischen Metropolen.

Auch in Deutschland, das auf der Mipim immer noch als „hot spot“ für internationale Anleger gehandelt wurde, machen sich die Folgen des wachsenden Kapitaldrucks bemerkbar: Trotz nach wie vor schwacher Vermietungsmärkte beobachten Experten infolge der hohen internationalen Nachfrage steigende Preise und sinkende Renditen. „Dies nützt vor allem Verkäufern, allen voran den offenen Fonds“, erläutert CBRE-Investmentexperte Peter Schreppel. Denn so schließe sich allmählich die Lücke zwischen Buch- und Verkehrswerten – zuletzt eines der größten Probleme für die lange Jahre erfolgsverwöhnten Fondsgesellschaften.

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