Investmentboom
Milliarden für das Ruhrgebiet

Berater und Analysten haben die Immobilienwelt längst in so genannte A- und B-Standorte eingeteilt. Städte wie Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg oder Oberhausen kommen über den Status "B-Standort" nicht hinaus.

DUISBURG Wenn internationale Immobilieninvestoren deutsche Einzelhandels- und Wohnungspakete, Bürohäuser und Logistikflächen erwerben, so verfolgen viele der global agierenden und opportunistisch ausgerichten Anleger die immer gleiche Strategie: "Sie halten ihre frisch erworbenen Immobilien nur kurzfristig, um sie dann mit gutem Gewinn einzeln weiter zu verkaufen", erklärt Ignaz Trombello, geschäftsführender Gesellschafter des Colliers Partners Trombello Kölbel Immobilienconsulting GmbH in Düsseldorf die Vorgehensweise. Bei der Auswahl geeigneter Objekte richten die rastlosen Akquisiteure ihr Augenmerk gern auf Deutschlands prosperierende Metropolen. Doch auch langfristig orientierte Anlegergruppen, die aktuell vermehrt den Markt sondieren und deren Strategie stärker auf die Erzielung einer spezifisch immobilienbezogenen Rendite ausgerichtet ist, fühlen sich an international bekannten Standorten sicherer als in Klein- oder Mittelstädten in der Provinz.

Längst haben Berater und Analysten daher die Immobilienwelt gnadenlos in so genannte A- und B-Standorte eingeteilt. Ein Faktum, das die Städte an Rhein und Ruhr stets mit Murren zur Kenntnis nehmen. Mit mehr als fünf Millionen Einwohnern bilden sie zusammengenommen zwar den größten deutschen Ballungsraum. Auf der Landkarte internationaler Käufergruppen taucht dieser Raum jedoch nur am Rande auf, denn er zerfällt in Städte und Kreise, die autonom agieren und sich Investoren nicht einheitlich präsentieren. Städte wie Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg oder Oberhausen kommen somit über den Status "B-Standort" nicht hinaus. Aber das mag auch Vorteile haben, wie lokale Marktexperten immer wieder betonen. "Kleinere Märkte sind weniger volatil", sagt Immobilienmakler Stefan Orts, Geschäftsführer der Cubion GmbH in Mülheim an der Ruhr. Die Schwankungsbreite von Mieten und Renditen ist also geringer, "die Renditen sind vielleicht niedriger, das Risiko aber auch."

Inzwischen scheint diese Stabilität mehr Geldgeber zu begeistern als in früheren Jahren. Die Krise der offenen Fonds, die überwiegend in den A-Städten investiert sind, mag daran ihren Anteil haben. Jedenfalls lenkte der Investmentboom der vergangenen Monate auch viel frisches Kapital ins Ruhrgebiet. So hat sich im Januar dieses Jahres die Difa Deutsche Immobilien Fonds AG entschlossen, 60 Prozent an der Projektgesellschaft zu erwerben, die das 70 000 Quadratmeter große Einkaufszentrum am Limbecker Platz in Essen baut. Weitere Beteiligungspartner sind die Karstadt Immobilien AG & Co. KG in Essen sowie der Shoppingcenter-Entwickler ECE aus Hamburg. 300 Mill. Euro lässt sich die Difa ihr Ruhrgebiets-Engagement kosten. Der erste Bauabschnitt soll Anfang April 2008 fertiggestellt sein. Die Kompletteröffnung ist für 2009 geplant. Von den Erträgen der neuen Einkaufsadresse sollen die Anleger des offenen Fonds Difa-Grund profitieren. Die ertragslose Zeit bis zur Eröffnung werde "durch den günstigen Einkaufspreis kompensiert", sagt eine Sprecherin.

Am Duisburger Innenhafen konnte der Projektentwickler Kölbl Kruse den 2005 fertig gestellten Bürokomplex "Five Boats" an die Hannover Leasing verkaufen. Den Initiator geschlossener Immobilienfonds erfreute nicht nur die attraktive Wasserlage, sondern auch der langfristige Mietvertrag mit der Krankenkasse Novitas Vereinigte BKK.

Auch die Essener Innenstadterweiterung "Weststadt" gilt inzwischen als hoch bewerteter Dienstleistungsstandort. Hier erwarb die HSBC Trinkaus und Burckhardt aus Düsseldorf das ebenfalls von Kölbl Kruse entwickelte Bürogebäude "West-Side" für den Europa-Immobilien-Fonds Nr. 11.

Im Dezember 2005 hat die Frankfurter DIC-Immobiliengruppe gemeinsam mit dem Morgan Stanley Real Estate Fund (MSREF) je zur Hälfte ein Immobilienpaket der Münchener Meag übernommen. Dieses umfasst 45 Objekte, die allesamt in so genannten B-Städten liegen. Zwei der Kaufobjekte mit zusammen 12 200 Quadratmetern Büro-, Wohn- und Geschäftsflächen liegen an Essens Huyssenallee. Ein weiteres Objekt mit 3 500 Quadratmetern Fläche steht in Bochum. Auch die immobilienwirtschaftliche Neuausrichtung der Karstadt-Quelle AG hat Millionenbeträge ins Ruhrgebiet gepumpt. So erwarb die britische Private Equity Gesellschaft Dawnay Day ein komplettes Kaufhaus-Paket, darunter Häuser in Dortmund, Herne, Marl, Duisburg, Essen und Gladbeck.

Ein Sinneswandel der Bahn schließlich sorgt dafür, dass auch nach Dortmund Immobilienmillionen fließen. So wird sich der portugiesische Projektentwickler Sonae Sierra mit 270 Millionen Euro an der kompletten Umgestaltung des neuen Dortmunder Hauptbahnhofes "3do" beteiligen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%