Investoren brüten über Plänen für Stadtteil Lehrte
In Berlins Mitte sollen neue Quartiere entstehen

Berlin treibt die Entwicklung innerstädtischer Brachflächen voran. Ende 2005 unterschrieb der Senat von Berlin einen städtebaulichen Rahmenvertrag mit dem Projektentwickler Vivico Real Estate GmbH über die künftige Nutzung des innerstädtischen Brachlandgebiets Gleisdreieck. Damit scheint eine 15 Jahre währende Hängepartie zu Ende zu gehen. Doch die Kritiker des Projektes haben ihren Widerstand noch nicht aufgegeben.

HB BERLIN. Das rund 60 Hektar (ha) große Areal, das zu zwei Dritteln im Eigentum von Vivico ist, war bis zum Fall der Mauer 1989 eine Ostberliner Enklave im Niemandsland zwischen den beiden Stadthälften. Diese in Vergessenheit geratene Wildnis haben die Einwohner von Kreuzberg als „ihr“ Eigentum für die Naherholung vereinnahmt. Die Vivico will nun auf der größten noch unbebauten Freifläche im Zentrum Berlins ein Stadtquartier errichten, das Büro- und Geschäftshäuser, Wohnungen sowie Freizeiteinrichtungen umfasst.

Vivico Real Estate ist mit über 220 Liegenschaften auf einer Fläche von 8,5 Mill. Quadratmetern (qm) eine der größten Immobiliengesellschaften in Deutschland. 57 Prozent der Flächen liegen in Berlin, so dass die Gesellschaft außerdem zu den größten Immobilieneigentümern der Hauptstadt zählt. Die Gesellschaft ging im Jahr 2001 aus der Verwertungsgesellschaft für Eisenbahnvermögen GmbH hervor. Bei ihren Grundstücken handelt es sich um nicht mehr für den Bahnbetrieb notwendige Flächen oder Gebäude zumeist in besten innerstädtischen Lagen.

Gegenspieler der Vivico ist die Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck (AG Gleisdreieck). Sie kritisiert nun, dass „nur 30 ha“ und damit die Hälfte des Areals von der Vivico dem Land Berlin als Park übereignet werden. Er mit 24 Mill. Euro finanziert werden. Das ist genau die Summe, die Investoren des Potsdamer und Leipziger Platzes in eine Stiftung gezahlt hatten, um während ihrer Baumaßnahmen die Gleisdreieck-Fläche als Lagerplatz nutzen zu können.

Vivico erwartet nun vom Senat die zügige Erteilung des Baurechts, um ihre städtebaulichen Vorstellungen auf den verbleibenden Flächen zu verwirklichen. Die AG Gleisdreieck dagegen befürchtet einen „Ausverkauf des Stadtklimas“ durch ein neues Stadtquartier und fordert unablässig einen völligen Verzicht der Vivico auf alle ihre Flächen zugunsten eines Parks. Eine Forderung, der Yorck von Pannwitz, Vivico-Niederlassungsleiter in Berlin „sehr gelassen“ entgegen sieht.

Noch eine Dimension größer ist Entwicklung des Lehrter Stadtquartiers, ein Areal von 300 ha. Es soll künftig die neue Mitte Berlins werden. Kernstück ist der neue Hauptbahnhof Berlins, ein Projekt der Bahn, das auf Plänen der US-Immobiliengesellschaft Tishman Speyer beruht. Die Amerikaner zogen sich im Jahr 2002 aus dem Projekt zurück. Am 28. Mai wird der Bahnhof dem Verkehr übergeben. Täglich werden dort mehr als 1 000 Züge fahren oder ankommen und 300 000 Menschen den Bahnhof nutzen. Noch ist von innerstädtischer Entwicklung wenig zu spüren. Gegenwärtig wird an einem Masterplan für die Nutzung des Areals gearbeitet. Die neun Eigentümer wollen auf einer Standortkonferenz im Frühjahr ihre Vorgehen beraten. Auch an diesem Projekt ist die Vivico beteiligt. Sie plant auf ihrer 30 000 qm großen Parzelle einen 150 Meter hohen Büroturm für Bahnchef Hartmut Mehdorn und weitere Bürobauten. Über die Pläne der anderen Investoren dringt wenig in die Öffentlichkeit. „Wir haben mit den Beteiligten Stillschweigen über den Stand der Gespräche zum Lehrter Stadtquartier vereinbart und werden nach internen Diskussionen die Öffentlichkeit unterrichten“, sagt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer zu diesem Projekt.

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