Investoren sind enttäuscht
SPD sperrt sich gegen Reits mit Mietwohnungen

Wohnimmobilien werden nach dem Willen der SPD nicht in das Konzept der neuen Immobilienaktiengesellschaften (Real Estate Investment Trusts, Reits) einbezogen.

HB BERLIN/FRANKFURT. „Wohnimmobilien sollten nicht Bestandteil von Reits sein“, sagte der stellvertretende finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Florian Pronold, dem Handelsblatt. In der SPD habe man mehrheitlich kein Interesse daran, „den Wohnungsmarkt noch stärker den Kapitalverwertungsinteressen auszusetzen“, sagte er nach einem Treffen von Finanzpolitikern mit Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), der für eine Einbeziehung der Wohnungen plädiert. In keinem anderen Bereich seien soziale Interessen und Finanzfragen so eng verwoben wie bei Wohnimmobilien. Beispielsweise könnten durch Mietsteigerungen die Sozialhilfekosten der Kommunen steigen. Roland Schäfer, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, unterstützte diese Haltung: Reits seien „nicht die Rettung der Kommunalfinanzen“.

Reits als steuerbegünstigte Gesellschaftsform sollen 2007 eingeführt werden. Sie ermöglichen den vor allem ausländischen Finanzinvestoren, die den Kommunen Immobilien abkaufen, die Weiterverwertung der Gebäude. In den USA und Frankreich wurden dieses Konzept bereits vor Jahren erfolgreich eingeführt.

Investoren zeigten sich enttäuscht von der deutschen Entwicklung. „Ohne die Mietwohnungen aus ehemals gemeinnützigen kommunalen Gesellschaften wäre der deutsche Reit ein Torso“, sagte Matthias Moser, Deutschlandchef der Investorengruppe Fortress. Allein diese Gruppe könne eine Marktkapitalisierung von über 100 Mrd. Euro erreichen, das seien 80 Prozent des geschätzten Gesamtvolumens der Reits, sagte Moser, dessen Haus der Stadt Dresden Wohnungsbestände abkaufte.

Das Mieterschutzargument greift angesichts von Börsengängen deutscher Immobilienportfolien im Ausland nach Ansicht von Experten zu kurz. „Es gibt im Kapitalmarkt schon länger keine nationale Kuschelecke mehr“, sagte Rechtsanwalt Hans Volckens, einer der Väter der deutschen Reit-Gesetzgebung. Steinbrück bekam gestern die Unterstützung der Opposition. „Das von SPD-Linken gezeichnete Horrorszenario ist völlig aus der Luft gegriffen“, wettert der stellvertretende FDP-Fraktionschef Carl-Ludwig Thiele.

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