Istanbul
Erdogan lässt Luxus-Hochhäuser abreißen

Pool, Fitnesscenter und Blick auf den Bosporus: Finanzstarke Anwohner sollten Wohnungen in drei edlen Hochhäusern in Istanbul kaufen. Doch die Bauten sollen nun wieder abgerissen werden – angeordnet von einem Gericht.
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IstanbulIstanbul ist bekannt für seine unvergleichliche Architektur und historische Kulisse, deren Highlight der Ausblick auf den Bosporus und die Hagia Sophia ist. Doch mitten in der Skyline stehen nun drei Luxus-Hochhäuser, die nach Ansicht der Regierung und der Justiz die Postkarten-Idylle stören.

Das Bauprojekt Onalti Dokuz in Istanbul lockt mit Penthouse-Wohnungen, einem Swimmingpool, einem Fitness- und Shoppingcenter sowie Serviceleistungen wie Babysitting und Autovermietung. Auf der Webseite wirbt der Bauherr mit einem „atemberaubenden Blick“ über Istanbul. All das ist jedoch offenbar zu viel des Guten: Das oberste Gericht der Türkei soll einen Beschluss des Verwaltungsgerichts aus dem Jahr 2013 bestätigt haben, wonach die Häuser wieder abgerissen werden müssen. Das berichten türkische Medien. Begründung: Die Wolkenkratzer im Stadtteil Zeytinburnu verschandelten die historische Skyline der Stadt.

Auch Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, von seinen Kritikern gerne als Möchtegern-Bürgermeister von Istanbul tituliert, soll sich schon mehrfach abfällig über Bauten dieser Art in vielen Teilen der Stadt geäußert haben. Laut des britischen „Guardian“ soll er von den Vorgängen allerdings nichts gewusst haben. Ertugrul Günay, ehemaliger Kultusminister der Türkei, ist skeptisch und glaubt nicht, dass Erdogan so ahnungslos ist wie er vorgibt: „Hochhäuser können nur mit seiner Zustimmung gebaut werden“, wird er im „Guardian“ zitiert.

Erdogan soll im Nachgang seinen Freund Mesut Toprak, Bauherr der Projekts, gebeten haben, „den Türmen einen Haarschnitt zu verpassen“ – erfolglos. Es soll der letzte Kontakt zwischen den beiden gewesen sein: „Ich dachte, die würden aufhören, aber sie haben nichts dergleichen getan. Mein Herz ist gebrochen, ich spreche nicht mehr mit ihm“, wird Erdogan zitiert.

Der „Guardian“ berichtet weiterhin, dass es beim Verkauf des Baulandes zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll. So sei das Gelände zunächst als Gewerbebauland für Gebäude mit maximal fünf Stockwerken verkauft worden. Kurz nach dem Eigentumsübergang habe die Stadtverwaltung den Flächennutzungsplan geändert. Dadurch habe sich der Wert des Grundstücks verzehnfacht.

Und nun? Jedes der drei Hochhäuser könnte um 37 Stockwerke zurückgebaut werden, was jedoch einem Abriss gleichkäme.

Unklar ist noch, wer all das bezahlt. Laut „Guardian“ soll zitiert Richter Cihat Gökdemir vorgeschlagen haben, die Entschädigungszahlungen auf die Stadträte zu verteilen, die das Bauvorhaben genehmigt haben. „Sonst werde ich sie wegen Verschwendung öffentlicher Mittel anklagen“, wird Gökdemir zitiert.

Victor Fritzen
Victor Fritzen
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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  • Mein Herz ist gebrochen, ich spreche nicht mehr mit ihm“, wird Erdogan zitiert.
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    Sein Herz ist gebrochen - ach Gottchen!

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