Istanbuler Banken- und Büroviertel
Wettlauf um das höchste Gebäude

Der Bauboom in der Türkei ist ungebrochen. Überall wachsen Bürotürme in die Höhe, einer höher als der andere. Von der Immobilienkrise ist im Istanbuler Banken- und Büroviertel Levent nichts zu spüren. Kein Wunder, denn für die nächsten 15 Jahre rechnen die Volkswirte mit fünf bis sechs Prozent Wachstum.

ISTANBUL. In Levent werden die höchsten Büromieten im ganzen Land gezahlt: 30 bis 40 Dollar pro Quadratmeter – kaum weniger als in Frankfurt. Tendenz: steigend. Denn es gibt – anders als in Frankfurt – praktisch keine Leerstände. Die wenigen noch freien Baugrundstücke gehen zu Rekordpreisen weg: die türkische Zorlu-Gruppe ersteigerte in Levent ein knapp 97 000 Quadratmeter großes Areal für 800 Mill. Dollar, der Immobilieninvestor Sama Dubai, der zur Dubai Holding gehört, ließ sich 46 000 Quadratmeter sogar 705 Mill. kosten.

Nicht nur Petro-Dollar aus den Emiraten fließen in den Immobilienmarkt am Bosporus, auch Investoren aus dem Westen greifen zu. In einer Umfrage von Pricewaterhouse-Coopers schnitt in diesem Jahr Istanbul gleich hinter Moskau als zweitattraktivster Immobilienmarkt ab. „Russland und die Türkei werden als ‚Indien Europas' betrachtet, sie stehen beim Wachstum ganz oben“, sagt John Forbes, Immobilienchef bei Pricewaterhouse-Coopers in London. Die ausländischen Direktinvestitionen im türkischen Immobilienmarkt beliefen sich in den beiden vergangenen Jahren auf fast sechs Mrd. Dollar.

Der Immobilienboom spiegelt die guten makroökonomischen Rahmenbedingungen wider. Seit 2002 verzeichnete das türkische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein durchschnittliches Wachstum von sieben Prozent p.a. Für die kommenden 15 Jahre rechnen die Volkswirte mit durchschnittlich fünf bis sechs Prozent Wachstum. Bei Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung erfüllt die Türkei bereits jetzt die Vorgaben des EU-Stabilitätspakts. Neben der guten Konjunktur sind es vor allem demografische Trends, die den Immobilienmarkt begünstigen. 53 Prozent der knapp 71 Millionen Türken sind jünger als 30 Jahre, ein Drittel der Bevölkerung ist sogar weniger als 19 Jahre alt. Pro Jahr braucht die Türkei mindestens eine halbe Million neue Wohnungen, kalkulieren die Analysten von Rreef, der Immobilien-Investmenttochter der Deutschen Bank.

Hasan Rahvali, Chef des Baukonzerns Agaoglu, schätzt den Bedarf sogar weitaus höher ein: „Jedes Jahr haben wir 680 000 Eheschließungen und 80 000 Scheidungen“, rechnet er vor. „Einschließlich des Ersatzbedarfs für alte Wohnungen ergibt sich eine Nachfrage nach rund einer Million neuer Einheiten pro Jahr.“ Für Nachfrage sorgt daneben der auch in der Türkei zu beobachtende Trend weg von der Großfamilie: Noch leben 4,5 Personen in einem Haushalt. Bis 2025, so prognostizieren die Demografen, werden es 3,8 Menschen sein.

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