Italien
Einigung in Immobiliensteuer-Streit erleichtert Anleger

Anleger können aufatmen: Die Regierungskrise in Italien ist abgewendet. Dennoch muss das Land höhere Zinsen an Investoren Zahlen. Bei einer Anleihen-Aktion nahm der Staat sechs Milliarden Euro ein.
  • 0

FrankfurtDie Abwendung einer Regierungskrise in Italien hat unter Anlegern für Erleichterung gesorgt. Der Mailänder Aktienmarkt legte am Donnerstag zu, auch die zehnjährigen Anleihen des Landes waren gefragt. Es gebe Hoffnung, dass wieder mehr Stabilität in die Regierung einkehre, sagte ein Händler. Das Lager von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi und die Mitte-Links-Partei (PD) hatten in ihrem Streit über die Immobiliensteuer am Mittwochabend einen Kompromiss erzielt. Die umstrittene Abgabe auf den Erstwohnsitz soll zu Beginn des Jahres 2014 abgeschafft werden und an deren Stelle eine andere Steuer treten, teilte Ministerpräsident Enrico Letta mit. Mit der Einigung entledigt sich der Regierungschef eines Zankapfels, der die Zukunft der ohnehin wackeligen Koalition infrage gestellt hatte.

Die Analysten der Essener National-Bank zweifelten jedoch daran, dass die gute Stimmung anhält. Die Immobiliensteuer für die Erstwohnung werde zwar abgeschafft, doch genaue Aussagen zur Gegenfinanzierung der daraus entstehenden Deckungslücke von etwa 4,7 Milliarden Euro im laufenden Jahr fehlten noch, kritisierten die Experten.

Trotz der vorerst gelösten Regierungskrise muss Italien höhere Zinsen an Investoren zahlen. Bei der Versteigerung einer fünfjährigen Anleihe stieg der Zins von 3,22 auf 3,38 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit Juni, teilte das Finanzministerium am Donnerstag mit. Bei der Auktion einer zehnjährigen Anleihe blieb er dagegen stabil bei rund 4,5 Prozent. Insgesamt nahm der Staat sechs Milliarden Euro ein.

Die erfolgreiche Auktion italienischer Anleihen hat die Mailänder Börse am Donnerstag gestützt. Der Index zog bis auf ein Prozent an, nachdem er zuvor 0,8 Prozent höher notiert hatte. Nach den Spannungen der vergangenen Woche sei der Markt mit dem Immobiliensteuer-Kompromiss der Koalitionsparteien offenbar zufrieden, sagte Luca Jellinek von Credit Agricole. Die Renditen lägen weiterhin auf niedrigen Niveaus, ergänzte Chiara Manenti, Analystin bei Intesa Sanpaolo.

Am Sekundärmarkt drückte die Erleichterung über den Kompromiss und die erfolgreiche Auktion die Rendite zehnjähriger italienischer Staatspapiere auf 4,358 Prozent nach 4,401 Prozent im Schlussgeschäft des Vortages.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Italien: Einigung in Immobiliensteuer-Streit erleichtert Anleger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%