Italien
Immobilienpreise zeigen noch nicht nach oben

Abwarten heißt die Devise der Immobilienmakler auf beiden Seiten der zukünftigen Brücke über der Meerenge von Messina. „Noch steht ja nicht einmal das Datum für den Baubeginn fest“, gibt Demetrio Assummo zu bedenken, der ein Maklerbüro der Gruppe Italiacase in Reggio Calabria leitet. Daher hat sich bisher zumindest auf dem Festland noch nicht viel an den Immobilienpreisen getan.

HB MAILAND.Während die Politik schon jubelt und die Verantwortlichen des Brückenprojekts in ihrer offiziellen Vorstellung von einem „positiven Effekt für den Immobilienmarkt“ sprechen, sehen die Menschen in der Region dem Mammutprojekt mit einer gehörigen Portion Skepsis entgegen. Auch Assummos Kollege auf der anderen Seite der Meerenge ist sich noch nicht sicher: „Wir wissen noch nicht, ob die Brücke wirklich gebaut wird“, stellt Gaetano Bucco von Tecnocasa im Zentrum der sizilianischen Stadt Messina fest. Der Ort soll in Zukunft das Bindeglied zum Festland sein. Dennoch erkennt Bucco schon leichte Bewegungen auf dem Markt: „In den Zonen im Nordosten der Stadt, in deren unmittelbarer Nähe die Brücke gebaut werden soll, gehen die Preise jetzt schon runter“, erklärt er. So stünden die Neubauten still und die Preise für gebrauchte Häuser seien im ersten Halbjahr um drei Prozent gefallen. Vor allem die kleinen ein- bis zweistöckigen Fischerhäuser am Wasser würden im Schatten des riesigen Brückenpfeiler liegen, erklärt Bucco den Wertverfall. Anderen Gebäudebesitzern droht die Enteignung. „Wer will da jetzt investieren?“, fragt er. Anders sehe die Lage für die Zufahrtstraßen am Meer entlang aus, die in Zukunft in komfortabler Distanz einen Blick auf die Hängebrücke bieten. „Dort wird schon jetzt viel gebaut“, stellt Bucco fest.

Auch Giovanni Gagliani Caputo von der Dachorganisation der Immobilien- und Hausbesitzerverbände Confedilizia in Rom setzt noch nicht hundertprozentig auf den Bau der Brücke. „Noch gibt es zu viele Unsicherheiten, als dass sich das Projekt schon wirklich auf die Immobilienpreise auswirken könnte“, erklärt er und weist auf die politischen Widerstände hin. Wenn die Brücke tatsächlich gebaut wird, rechnet auch Caputo mit unterschiedlichen Marktreaktionen: Die Häuser in direkter Nähe werden an Wert verlieren. Immobilien auf Sizilien würden hingegen im Wert steigern. „Denn die sind dank der Brücke leichter zu erreichen.“

Etwas anders sieht die Lage bei den Mieten aus. Während die Italiener mehrheitlich in Wohneigentum leben, werden in der Bauphase Mietwohnungen gebraucht, um die erwarteten 40 000 Arbeiter unterzubringen. Weil aber deshalb viele vorübergehende Unterkünfte gebaut würden, rechnet Caputo nicht damit, dass sich der Immobilienmarkt nachhaltig verändert.

Dabei könnten sowohl Messina wie auch Reggio Calabria, die beiden vom Brückenbau am stärksten betroffenen Gemeinden, einen Anstoß für ihren Immobilienmarkt gut gebrauchen. Denn während im Rest Italiens die Gebäudepreise oft zweistellig steigen – allen voran die von Wohnimmobilien –, bildet der strukturschwache Süden mal wieder das Schlusslicht. Messina und Reggio Calabria machen da keine Ausnahme.

Der Sizilianer Bucca geht davon aus, dass der Markt auch während der langjährigen Bauarbeiten nicht wirklich von dem Projekt profitiert, weil sich Bewohner durch sie eher gestört fühlten. „Wenn die Brücke aber einmal fertig ist, dann wird das dem Markt hier schon helfen“, ist er überzeugt – und stimmt darin mit seinem Kollegen aus Kalabrien überein. „Wenn die Brücke wirklich gebaut wird, ist das auf jeden Fall positiv“, sagt auch Assummo. An dem angepeilten Datum für die Fertigstellung im Jahr 2012 meldet er indes erhebliche Zweifel an: „Wahrscheinlich fangen sie erst 2012 an zu bauen.“ kk

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