IVG Kerngeschäft soll kapitalmarktfähig werden

Im Sommer 2013 kämpfte die IVG noch mit der Insolvenz – jetzt will der Immobilienkonzern sein Kerngeschäft an den Kapitalmarkt bringen. Rund drei Millarden Euro ist das Haupt-Portfolio der Bonner wert.
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Nach der Insolvenz ist der Immobilienkonzern IVG wieder auf Erfolgskurs. Quelle: dpa
Krise überwunden

Nach der Insolvenz ist der Immobilienkonzern IVG wieder auf Erfolgskurs.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer neue IVG-Chef Dietmar Binkowska ändert die Strategie des Bonner Immobilienkonzerns. Ein drei Milliarden Euro schweres Kern-Portfolio rund um den Büro- und Geschäftskomplex „Squaire“ am Frankfurter Flughafen soll bis zum kommenden Jahr wieder reif für den Kapitalmarkt gemacht werden, wie der ehemalige Banker am Donnerstag auf der Hauptversammlung ankündigte. Sein im März abgelöster Vorgänger Ralf Jung hatte zuvor vergeblich versucht, den „Squaire“ zu verkaufen. 120 Büroimmobilien – für Binkowska die „Filetstücke“ der IVG – sollen nun in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Sie hätten „deutliches Wertsteigerungspotenzial“, sagte Binkowska den Aktionären.

Die Ausgliederung eröffne der IVG „ein breites Spektrum an Handlungsoptionen“, sagte der ehemalige Chef der staatlichen NRW-Bank. Dazu gehörten die Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital, sagte ein Sprecher. Auch ein Börsengang sei nicht ausgeschlossen. Der Rest des Immobilienbestandes, den die IVG selbst und nicht für andere Investoren hält, soll verkauft werden. Sein Wert wird mit rund 500 Millionen Euro veranschlagt. Im Ausland soll nur der Bestand in Finnland übrigbleiben, die Immobilien in Frankreich, Polen und Ungarn stehen ebenfalls zum Verkauf.

Warum es in Deutschland (fast) keine Blase gibt
Hype ja, Blase nein
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In Deutschland gibt es keine Immobilienblase. Zu diesem klaren Ergebnis kommen die Analysten der Commerzbank. Wer auf die Immobilienkaufpreise vor seiner Haustür schaut, möchte den Experten womöglich widersprechen. Die Experten nennen für ihr Urteil mehrere Gründe...

Quelle: Commerzbank Economic Research

„Es gibt Übertreibungen“
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Zunächst räumen die Experten allerdings ein, dass es am deutschen Immobilienmarkt heiß her geht. Sie sprechen von „Übertreibungen“ in Großstädten wie Frankfurt am Main. So seien die Kaufpreise in der Bankenstadt um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Bundesweit seien die Preise in den ersten beiden Quartalen 2015 jeweils um drei Prozent gestiegen.

Die Mieten steigen mit
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Das erste Argument: Die Mieten steigen mit. Die Experten räumen ein, dass die Preise für Wohneigentum in Deutschland seit Jahren merklich ansteigen. Doch da Mieten ebenfalls steigen, sei die Schere zwischen Kaufpreis und Miete kleiner als im historischen Durchschnitt. Zum Jahrtausendwechsel sei die Differenz sogar noch größer gewesen als heute. Die Kaufpreise seien den Mieten in den vergangenen Jahren also nicht davongerannt.

Großstädte sind Ausnahmefall
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Anders sei dies allerdings in den Großstädten. In fünf deutschen Metropolen (München, Berlin, Hamburg, Frankfurt am Main und Köln) seien die Kaufpreise den Mieten davongerannt. Das Preis-Mieten-Verhältnis habe in den vergangenen vier Jahren um 16 Prozent angezogen. Die Analysten werten dies als „markanten“ Anstieg.

Die Löhne steigen mit
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Weiteres Argument gegen eine Preisblase am deutschen Immobilienmarkt: Die Nettolöhne steigen genauso schnell wie die Immobilienpreise. Seit 2012 haben sich die Häuserpreise im Einklang mit den Löhnen entwickelt. Aber auch hier gibt es wieder eine Einschränkung: Das gelte nicht für die Großstädte. Dort seien seit Mitte 2011 die Häuserpreise über 20 Prozent mehr als das verfügbare Einkommen gestiegen.

Kein Boom bei Kreditanträgen
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Die Analysten der Commerzbank argumentieren weiter: Die Wohnungsbaukredite legen nur langsam zu. Sie seien in den ersten zwei Quartalen 2015 „nur“ um drei Prozent gestiegen, was hinsichtlich der niedrigen Zinsen niedrig sei. Es gebe auch keine Anzeichen, dass sich Privatpersonen übermäßig verschulden, um eine Immobilie zu kaufen. Das Verhältnis zwischen Krediten und Löhnen sei nämlich noch immer vergleichsweise niedrig.

Kein Bauboom
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Ebenfalls sei von einem Bauboom, der oft ein Indiz für eine Immobilienblase ist, noch nichts zu sehen. Die Investitionen in den Wohnungsbau seien zwar seit 2011 gestiegen, sind nach Angaben der Bank aber mit einem Plus von sechs Prozent noch relativ niedrig.

Es war die erste Hauptversammlung nach der Entlassung der IVG aus der Insolvenz. Unter anderem die explodierenden Kosten für den „Squaire“ hatten sie 2013 mit mehr als vier Milliarden Euro Schulden in die Pleite rutschen lassen. Die Altaktionäre des früheren MDax-Konzerns verloren ihren Einsatz, heute gehört die IVG ihren früheren Gläubigern, zumeist Hedgefonds. Finanzvorstand Rolf Glessing stellte den Aktionären für das laufende Jahr 2015 ein „solides positives Ergebnis“ in Aussicht.

  • rtr
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