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17.04.2008 

Nach Daten von First American Core Logic, einer Researchfirma im kalifornischen Santa Ana, gehört jedes neunte zum Verkauf stehende Haus dem Gläubiger. In einigen Regionen dominieren Häuser, die in der Zwangsvollstreckung oder davon bedroht sind, den Markt. Im Großraum Las Vegas waren im März 52 Prozent aller Transaktionen solche Notverkäufe, wie der örtliche Immobilienmaklerverband erklärt.

Gleichwohl sagt Fachfrau Coshow, es sei gar nicht einfach, Grundstücke zu finden, die zwangsversteigert würden. Denn die Kreditgeber stellten längst nicht alle Objekte in die Datenbanken der Immobilienmakler ein. „Wir schätzen, dass die Hälfte der Grundstücke nicht in diesen Listen steht“, sagt Coshow. Die Banken „glauben, dass die Preise wieder steigen und warten ab“.

Das Unternehmen FIS Management Solutions aus Westminster in Colorado verkauft Häuser in der Zwangsvollstreckung über ein landesweites Maklernetz für seine Bankkunden. FIS-Präsident Chad Neel sagt, er habe eine Liste von 30 000 Maklern, die sich auf Grundstücke im Bankenbesitz spezialisiert hätten. Rund 4 000 davon hat sich sein Unternehmen ausgesucht, um mit ihnen zusammenzuarbeiten.

Einer davon ist Chuck Braniff. Er verkauft Häuser in der Zwangsvollstreckung in Flint, Michigan. Braniff hat sich bereits seit über 15 Jahren auf das Geschäft spezialisiert und Beziehungen zu Firmen wir FIS aufgebaut sowie zu den Bankmitarbeitern, welche die Zwangsvollstreckungen abwickeln. Braniff bekommt von seinen Geschäftspartnern einen stetigen Nachschub an Angeboten. Die Banken erwarten im Gegenzug von ihm, dass er sich um die Objekte kümmert, etwa Reparaturen veranlasst, wenn Diebe die Kupferleitungen aus einem Haus gerissen haben. Der Makler trägt immer eine Dose Pfefferspray bei sich, etwa um in schlechteren Wohnvierteln Hunde abzuwehren.

Maklern wie Braniff zahlen Banken oft eine Courtage von zwei Prozent. Für den Verkauf gewöhnlicher Häuser verlangen die Makler meist eine Provision von 2,5 bis drei Prozent. Braniff sagt: „Wir arbeiten uns die Hände wund, und die streichen einen Teil der Provision ein.“ Als Beschwerde will er das aber nicht verstanden haben. Der Makler hat drei Kinder auf dem College und schätzt den steten Strom der Arbeit, den die Zwangsversteigerungen ihm bescheren.

Vor kurzem besichtigte Braniff ein geräumiges Haus in einem Mittelschichten-Viertel. Fünf Monate zuvor war es für 149 000 Dollar angeboten worden. Im März schließlich fand es für 95 000 Dollar einen Käufer. „Vor ein paar Jahren war dies noch ein 175 000-Dollar-Haus“, sagt der Makler. Ein Problem ist der Verlust von Industrie-Arbeitsplätzen in Flint. Aber es gibt auch noch andere Faktoren. Wenn man in die Häuser schaue, stoße man geradezu darauf, sagt Braniff: „Drogen, Tod, Scheidung, Spielsucht.“


Der Autor ist Redakteur des Wall Street Journal. Mitarbeit: Peter Grant

Zeichen der Krise

Überschuldet

Die Immobilienkrise in den USA weitet sich aus. Im März stieg die Zahl der Anträge auf Zwangsversteigerungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 57 Prozent auf mehr als 234 000 Fälle. Nach Angaben des Marktbeobachters Realty Trac sind die Bundesstaaten Nevada, Kalifornien und Florida am stärksten betroffen. Die Investmentbank Lehman Brothers schätzt, dass in den USA in diesem und im nächsten Jahr insgesamt 2,5 Millionen Häuser unter den Hammer kommen. Laut Moody’s Economy.com übersteigt bei 8,8 Millionen Darlehensnehmern schon jetzt die Hypothek den Wert ihres Hauses.

Überschwemmt

Dadurch kommen immer mehr Immobilien auf einen ohnehin überladenen Markt, was die Preise drückt. Daher werden derzeit auch relativ wenige neue Häuser gebaut. Die Zahl der Baubeginne sank im März auf den niedrigsten Stand seit 1991. Auslöser für den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes war die Vergabe von Hypotheken an Kreditnehmer mit geringer Bonität. Diese Finanzierungen platzten massenhaft. Die Verluste der Finanzinstitute summieren sich auf über 200 Milliarden Dollar.

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