Kalifornien
Schnäppchen-Preise in Berkeley

Immer mehr Verkaufsschilder verschwinden: Kaliforniens Häusermarkt wacht aus der Schockstarre auf. Der Verkauf von Häusern fast jeder Preiskategorie steigt rapide. Allein im Februar wurden im Vergleich zum Vorjahr 22 Prozent mehr Häuser verkauft. Doch Experten sehen alles andere als ein Ende der Krise.

SAN FRANCISCO. Seit Monaten ist den Bewohnern der "North Hills" in Berkeley der wunderbare Blick auf San Francisco und die Bay Area verleidet. Allzu viele "For Sale"-Anschläge der Makler verschandelten die Palmen-Alleen und drückten den Immobilienwert einer der feinsten und teuersten Adressen Berkeley. Doch jetzt verschwinden immer mehr der Verkaufsschilder: Der Immobilienmarkt ist neu erwacht. Der Verkauf von Häusern fast jeder Preiskategorie steigt rapide. Allein im Februar wurden im Vergleich zum Vorjahr 22 Prozent mehr Häuser verkauft. Ein Grund dafür sind Hypothekenzinsen, die mit 4,85 Prozent ein 38-Jahres-Tief erreicht haben. Noch nie war es für die jetzige Generation so günstig, ein Haus zu finanzieren.

Kann Kalifornien, wo die große Immobilienkrise begann und am härtesten zuschlug, aufatmen? Nicht nur die Nobelpreisträger, Ärzte und Rechtsanwälte im Umfeld der University von Berkeley bleiben skeptisch. Die Häuser in ihrer Nachbarschaft, aber auch die in den viel billigeren Gegenden wie Stockton, Merced, Vallejo und in ganz Kalifornien wurden in den vergangenen Wochen geradezu verschleudert. Nach Angaben der kalifornischen Makler- und Hypothekenbanken-Verbände liegen die Häuserpreise zur Zeit im Durchschnitt rund 40 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das drückt den Wert aller Immobilien - und damit auf das eigene, für Investitionen zur Verfügung stehende Kapital der Hausbesitzer.

"Wer nur auf die Verkaufszahlen schaut, betrügt sich," sagt die Immobilienmaklerin Hedi Kennerknecht aus Fremont im Landesinneren Kaliforniens, dem Handelsblatt. "Die allermeisten Häuser, die wir vermitteln, stammen aus Bankbesitz, im Klartext: Sie sind zwangsversteigerte Häuser. Und die meisten Käufer? Das sind Geldanleger und Spekulanten, nicht Endverbraucher."

Die Krise ist noch lange nicht beendet. Kennerknecht spricht von einem "Silberstreif mit Trauerrand": "Unsere Branche erwartet den vorläufigen Tiefpunkt erst im Spätsommer und Spätherbst. Dann werden zahllose weitere Kreditnehmer auf der Strecke bleiben, die ihren Fünfjahreskredit nicht mehr bezahlen können." Ihre Erfahrungen decken sich mit denen der meisten Makler und Experten. Zwar hat der Verband der Hypothekenbanken gerade verlautbaren lassen, dass die Hypothekenanträge gerade in der letzten Märzwoche um sage und schreibe 31,4 Prozent angestiegen sind. "Allerdings wollen über 80 Prozent der Antragsteller mit dem Geld nur ihre alten Kredite zu den jetzt günstigeren Bedingungen umschichten, nicht aber neue Häuser kaufen oder gar bauen," heißt es im Kommentar des Verbandes.

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