Kansas / USA
Dorfentwicklung mit ungeahnten Folgen

Wer Bauland billig auf den Markt wirft, verdirbt die Preise - sagt die Theorie. Dass die Grundstückspreise stattdessen regelrecht durch die Decke gehen können, hat nun eine kleine Gemeinde im US-Bundesstaat Kansas vorgemacht. Das Projekt hatte ungeahnte Folgen.

HB ELLSWORTH. Not macht erfinderisch: Vor drei Jahren wagte Ellsworth ein Experiment am lebenden Objekt. Weil immer mehr Bewohner in umliegende Großstädte zogen, griff die Verwaltung des 2 900-Seelen-Dorfes zur Gegenmaßnahme - kostenloses Bauland sollte neue Gesichter anlocken. "Die Idee ist ja im Prinzip uralt, auf diese Weise haben unsere Urahnen schon vor 150 Jahren den Mittleren Westen bevölkert", erklärt Anita Hoffhines, in Ellsworth für die Dorfentwicklung verantwortlich.

Andere Orte in Kansas hatten es bereits Ende der 1990er- Jahre erfolgreich vorgemacht: Das Dorf Marquette etwa, nur wenige Meilen südlich von Ellsworth gelegen, steigerte sich binnen weniger Jahre von 540 auf 640 Bewohner. "In Zeiten zweistellig schrumpfender Bevölkerungszahlen ist ein Plus von 20 Prozent schon sensationell", freut sich Bürgermeister Steve Piper.

Doch dieser statistische Erfolg in der skandinavisch geprägten Siedlung stellte sich schnell als Strohfeuer heraus: Die Stadtverwaltung hatte einen neuen Distrikt außerhalb des historischen Ortskerns erschlossen - den Neubürgern haftete bald ein "Billig-Stigma" an. Für die Erschließung des "kostenlosen" Baulandes wurden Anfang dieses Jahres zudem horrende Gebührenbescheide erlassen, worauf entsetzte Familien sofort wieder den Umzugswagen bestellten.

Dass in Marquette mit gezinkten Karten gespielt wurde, will Anita Hoffhines natürlich nicht offen bestätigen. "Aber dem Bürgermeister war eben der kurzfristige Erhalt der Grundschule wichtiger als die langfristige Entwicklung", sagt sie. Die Situation in Ellsworth sieht sie entspannter: Als County-Sitz ist Ellsworth eine lokale Mini-Metropole. Trotzdem macht sich die Stadtflucht vor allem der jüngeren Generation gravierend bemerkbar: "Da unser Schulsystem von der Regierung mit 6 000 Dollar pro Schüler subventioniert wird, müssen wir für vier wegziehende Schüler praktisch einen Lehrer entlassen", sagt Hoffhines.

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