Kapstadts Waterfront: Scheichs stoßen Prestigeimmobilie ab

Kapstadts Waterfront
Scheichs stoßen Prestigeimmobilie ab

Klangvolle Namen wie Harrods und Harvey Nichols wurden erwartet. Doch leider vergeblich. Nun trennen sich die Staatsholding Dubai World und London & Regional von Kapstadts Waterfront - für eine Milliarde Euro.
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KapstadtSie ist die populärste Touristenattraktion Südafrikas: Mehr als 20 Millionen Menschen besuchen jedes Jahr die Victoria & Albert Waterfront in Kapstadt, das einstige Werft- und Hafenviertel der Stadt. Entsprechend groß waren die Erwartungen der beiden Eigentümer, Dubai World und London & Regional (L&R), als sie Ende 2006 in das Einkaufs- und Vergnügungsviertel zwischen Tafelberg und Atlantikküste investierten. Nun aber trennte sich das Konsortium von dem Prestigeobjekt: Für 9,7 Milliarden Rand – eine Milliarde Euro – wurde es an das börsennotierte südafrikanische Immobilienunternehmen Growthpoint Properties und den staatlichen Pensionsfonds Public Investment Corporation (PIC) verkauft.

Vor nicht einmal fünf Jahren hatte die Staatsholding des Emirats am Persischen Golf gemeinsam mit L&R, einem der größten privaten Immobilienunternehmen Europas im Besitz der britischen Brüder Ian und Richard Livingstone, einen 75-Prozent-Anteil an der V&A Waterfront erworben. Dafür zahlten die Partner sieben Milliarden Rand (damals 750 Millionen Euro) an den Verkäufer, das staatliche südafrikanische Transportunternehmen Transnet. 50,1 Prozent wurden seitdem von L&R kontrolliert, 25 Prozent lagen bei Dubai World; die restlichen 25 Prozent befanden sich in den Händen schwarzer Partner aus Südafrika – ganz so, wie es die Gesetze am Kap ausländischen Investoren zur Auflage machen.

Vergebliches Warten auf das Kaufhaus Harrods

Doch mit ihren Plänen blieben die ausländischen Eigentümer hinter den Erwartungen zurück. Auf die versprochenen klangvollen Einzelhandelsnamen wie die Luxuskaufhäuser Harrods und Harvey Nichols wartete man am Kap ebenso vergeblich wie auf einen weiteren Ausbau des erst zu 65 Prozent entwickelten Geländes. In den vergangenen fünf Jahren wurden wenig mehr als zehn Prozent der noch verfügbaren 250 000 Quadratmeter Fläche entwickelt. Überraschend kam die Transaktion aber vor allem deshalb nicht, weil Dubai World im Zuge der Finanzkrise rund 40 Milliarden Dollar Schulden angehäuft hatte – und seit längerem unter Verkaufsdruck steht.

Am Kap wird der Deal durchweg begrüßt: Zum einen, weil sich das Prestigeprojekt wieder vollständig in südafrikanischer Hand befindet. Zum zweiten, weil die Transaktion dem stark abgekühlten Immobilienmarkt des Landes neue Impulse verleihen könnte. Spüren dürfte das zunächst der Kapstädter Markt, wo bereits eine Reihe neuer Projekte für Auftrieb sorgen: der „Green Point-Park“ etwa, ein Landschaftsgarten mit attraktiven Wasserflächen gleich neben dem 450 Millionen Euro teuren WM-Stadion. Er hat vor allem den Wert der auch bei Deutschen beliebten Küstenapartments von Mouille Point gesteigert. Seit letztem Juni führt zudem ein „Fan Walk“ vom Hauptbahnhof direkt zum Stadion. An der Route sind ebenfalls teure Lofts entstanden. Auch das gleich nebenan gelegene hippe Einkaufs- und Freizeitparadies „Cape Quarter“ wurde noch einmal erweitert.

Trotz dieser Lichtblicke befindet sich der südafrikanische Immobilienmarkt noch immer in einer mittlerweile drei Jahre dauernden Flaute. Nach jüngst veröffentlichten Zahlen müssen 80 Prozent der Immobilienverkäufer ihren Verkaufspreis zum Teil drastisch reduzieren. Noch immer steigt auch die Zahl von Notverkäufen in Versteigerungen. „Die Verkäufer haben sich oft übernommen, finden aber keinen Käufer, weil sich der Gesamtmarkt noch immer in der Rezession befindet“ erklärt Rael Levitt, Chef der auf Hausauktionen spezialisierten Alliance Group.

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