Kaum Angebot
Hochwertige Wohnimmobilien sind schwer zu finden

Institutionelle Investoren suchen wieder verstärkt nach Häusern und Wohnungen. Doch viele Angebote erfüllen nicht die hohen Ansprüche. Der Grund: Das Risikobewusstsein der Investoren ist extrem gestiegen. Nachgefragt werden nur noch Objekte in guten Lagen, die an solvente Mieter vermietet sind.
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MÜNCHEN. Es kommt wieder Bewegung in den Markt für Wohnimmobilien: Im ersten Halbjahr 2010 wechselten Wohnungen im Wert von 2,3 Mrd. Euro den Besitzer, so eine Analyse des Immobilienberatungsunternehmens BNP Paribas Real Estate. Das sind immerhin 36 Prozent mehr als im schwachen Jahr 2009. Bis zu Jahresende, so die Experten des Immobilienberaters Jones Lang Lasalle, werde das Transaktionsvolumen auf vier Mrd. Euro steigen.

Insbesondere Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke sind auf den Markt zurückgekehrt: "Neben vermögenden Privatinvestoren und Family Offices setzen insbesondere institutionelle Anleger auf Wohnimmobilien", sagt Wolfgang Egger, Vorstandsvorsitzender der börsennotierten Patrizia Immobilien.

Die Profianleger schätzten vor allem die stabilen Erträge, die Wohnimmobilien bieten, meint Peter Brock, Geschäftsführer des Wohnungsinvestors Grainger Deutschland, Eigentümer von mehr als 7 000 Mietwohnungen im Rhein-Main-Gebiet. Die Tochter des börsennotierten britischen Wohnungsunternehmens plant die Auflage eines Fonds für institutionelle Wohnungsinvestoren: "In einem ersten Schritt wollen wir ein Volumen von 100 bis 125 Millionen Euro platzieren, 20 Prozent davon investieren wir selbst", sagt Brock. Insgesamt wurden 2009 und 2010 acht reine Wohnimmobilienfonds mit einem Zielvolumen von 3,7 Mrd. Euro aufgelegt.

Doch mag das Interesse der Investoren an Wohnimmobilien auch groß sein - sie sind überaus wählerisch: "Versicherungen und Altersversorger suchen Wohnungen im oberen Qualitätssegment", sagt Christian Schulz-Wulkow, Wohnimmobilienexperte bei Ernst & Young. Der Grund: Das Risikobewusstsein der Investoren sei extrem gestiegen, erklärt Patrizia-Researchleiter Marcus Cieleback. Nachgefragt seien deshalb nur an solvente Mieter vermietete Objekte in guten Lagen, deren Einnahmen absolut sicher seien.

Neugebaute Wohnungen, die Versicherer oder Pensionskassen am liebsten kaufen würden, gibt es aber kaum: Die Zahl der Wohnungsfertigstellungen zwischen 2007 und 2009 macht gerade ein Prozent des gesamten Wohnungsbestandes aus. Damit ist Deutschland mit weitem Abstand das Schlusslicht in Europa, wie der Europäische Wohnungsmarktbericht der Patrizia zeigt, der am Dienstag auf der Immobilienmesse Expo Real in München vorgestellt wurde.

Drittklassige Wohnimmobilien der Finanzinvestoren sind kaum gefragt

Was schließlich zu kaufen wäre, das verschmähen die Institutionellen: Wohnungen aus den Beständen jener internationaler Finanzinvestoren, die insbesondere in den Jahren 2004 bis 2008 auf Einkaufstour gingen. Das seien häufig drittklassige Immobilien in schwierigen Lagen und wirtschaftlich schwachen Regionen, vergleichsweise teuer gekauft und noch dazu hoch fremdfinanziert, sagt Grainger-Geschäftsführer Peter Brock. "Genau das aber wollen Investoren nicht."

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