Kaution
Clevere Modelle für Mieter

Trotz Mietpreisbremse bleibt der Wohnungswechsel mit hohem finanziellen Aufwand verbunden. Deshalb lohnt es sich, bei der Kaution auf angemessene Zinsen zu achten – oder zu günstigen Konditionen einen Bürgen zu finden.
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Kaum ist die Mietpreisbremse gestartet, gibt es erste Verstöße. Zum Beispiel in Berlin, der Stadt, die die neuen Regeln bereits seit Juni eingeführt hat. Pressagenturen berichten von Wohnungsangeboten, bei denen die Mieten teils um fast 50 Prozent über dem örtlichen Mietspiegel liegen. Laut Mietpreisbremse dürfte die Differenz aber bei maximal zehn Prozent liegen.

„Wir haben leider feststellen müssen, dass die Mietpreisbremse überhaupt nicht berücksichtigt wurde“, sagt Geschäftsführer Reiner Wild vom Berliner Mieterverein. Jede dritte Berliner Wohnung würde zu teuer angeboten. „Ich kann meinen Mitgliedern nicht empfehlen, sich an die Mietpreisbremse zu halten“, erklärt Carsten Brückner, der Vorsitzende des Berliner Eigentümervereins Haus und Grund. Das gelte so lange, bis klar sei, ob die Regelung verfassungsgemäß ist.

Wer also eine Wohnung sucht und nicht direkt gegen den neuen Vermieter vorgehen möchte, den dürfte die Mietpreisbremse, die seit Juli auch in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und bald auch in Bayern gilt, kaum helfen.

Umso schmerzlicher ist deshalb, dass die Kaution, die Mieter als Sicherheit bei ihren Vermietern hinterlegen müssen, häufig auf niedrig verzinsten Mietkautionskonten landen. Dabei geht es um keine geringe Summe, denn in der Regel verlangen Vermieter die gesetzlich zulässige Höchstsumme von drei Bruttomonatsmieten. „Die Zinssätze liegen weit hinter den besten Konditionen von Tages- oder Festgeldkonten“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung, der den Markt für Handelsblatt Online untersuchte. Der derzeit beste Anbieter für Mietkautionskonten, die DKB, offeriert einen Zins von 0,1 Prozent. Bei einer Kaution von 3.000 Euro summieren sich die Zinserträge für den Mietern innerhalb von fünf Jahren auf 15 Euro.

Aber Vorsicht bei vielen Angeboten: Es gibt zwar keine Negativzinsen aber manchmal negative Ergebnisse. Denn einige Anbieter verlangen Gebühren für die Kontoeinrichtung. Bei der HypoVereinsbank werden bei einem Zins von 0,01 Prozent für Beträge bis zu 2.500 Euro immerhin 30 Euro fällig. Im ersten Jahr beträgt das Minus der Mieter bei einer Kaution von 2.000 Euro fast diese 30 Euro.

Mietkautionskonten sind trotzdem erste Wahl für den Mieter, weil der Vermieter die Kaution getrennt von seinem Vermögen anlegen muss. So ist das Kautionskonto im Falle einer Insolvenz geschützt. Der Mieter hat ein Recht darauf, beim Auszug ohne Reklamationen den vollen Betrag plus Zinsen einzustreichen. Beinahe absurd: Bei positiven Zinserträgen und sehr langen Wohnzeiten kann theoretisch sogar der Fiskus beim Auszug profitieren. Die Erträge sind für Mieter voll steuerpflichtig.

Mieter die nicht so viel Eigenkapital auf einem unrentablen Konto binden möchten, können ihre Kaution auch verbürgen oder versichern lassen. Wenn der Vermieter mitmacht, bürgen dann Banken oder Versicherer gegen einen jährlichen Beitrag oder Zins für den Kautionsgeber. Der Vermieter erhält einen Beleg von dem Bürgen, dass er für die Kaution haftet. Im Streitfall kann er sich direkt an die Bank oder den Versicherer wenden.


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