„Kein Desaster“
US-Experten fürchten Preiseinbruch

Fallende Preise für ihre Immobilien sind US-Amerikaner nicht mehr gewohnt – zueltzt geschah dies vor weit mehr als einem Jahrzehnt. Bislang galten Häuser als sichere und krisenfeste Anlagemöglichkeit, doch im Zuge der Subprime-Krise erzwingt die Realität ein Umdenken.

NEW YORK. Zum ersten Mal seit 16 Jahren wird der durchschnittliche Preis einer US-Immobilie in diesem Jahr fallen. Das amerikanische Prognose-Institut Global Insight geht davon aus, dass die laufende Korrektur erst im Jahr 2009 ihren Tiefpunkt erreichen wird und die Hauspreise bis dahin inflationsbereinigt um rund zehn Prozent sinken könnten.

Die aktuelle Prognose deckt sich mit der Einschätzung vieler Top-Ökonomen: Es sei zweifellos möglich, dass die US-Hauspreise weiter fallen und „kritische Werte unterschreiten“, hatte Dennis Snower, Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, unlängst gewarnt. Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs halten in ihrer jüngsten Einschätzung sogar einen Preisrutsch von stellenweise bis zu 30 Prozent für möglich. Auch Lehman Brothers Economics sieht ein „gewaltiges Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“, das den Druck auf die Preise verstärke.

Für die meisten Menschen sei die Korrektur nach Jahren des Häuser-Booms „kein Desaster“, sagte Global-Insight-Ökonom Nigel Gault der „New York Times“: „Aber es ist Anlass genug, um sich einzuschränken.“ Die Auswirkungen sinkender Hauspreise auf den Konsum verstärken damit die Sorge vor einem Konjunktureinbruch in den USA. Sie wird bisher in erster Linie damit in Verbindung gebracht, dass sich die Hypothekenzinsen vieler Hausbesitzer in den kommenden Monaten deutlich verteuern. Sollten jetzt aber auch noch die Immobilienpreise ins Rutschen kommen, fallen die Kalkulationen vieler Amerikaner wie Kartenhäuser in sich zusammen. Sie haben die US-Wirtschaft in den vergangenen Jahren mit immer neuen Konsumrekorden am Laufen gehalten, indem sie hohe Kredite auf ihren Immobilienbesitz aufnahmen. Schließlich waren Hypotheken billig, und Häuser galten vielerorts als absolut sicherer Anlagetipp. Diese Ansicht vertraten bekannte Ökonomen bis hin zu Ex-Notenbankchef Alan Greenspan. Einen landesweiten Preisverfall hielten sie für nahezu ausgeschlossen.

Zwar weist der sogenannte „Case-Shiller“-Index, dem Ökonomen die höchste Qualität zusprechen, einen Rückgang der US-Immobilienpreise im Jahr 1991 aus. Doch der Hauspreis-Index der US-Regierung ist seit Beginn der Statistiken 1975 noch nie gefallen. Auch ein Index des staatlich unterstützten Hypothekenfinanzierers Freddie Mac, der Daten schon seit 1950 ausweist, kennt keinen einzigen Preisverfall auf Jahressicht. Diese Serie wird laut Global Insight im laufenden Jahr beendet. Zwar werde der Rückgang 2007 mit ein bis zwei Prozent noch bescheiden ausfallen. Für die Jahre 2008 und 2009 erwartet das Forschungsinstitut aber eine Fortsetzung des Negativtrends. Die Hauspreise könnten in (einstigen) Boom-Regionen wie Kalifornien inflationsbereinigt um etwa 20 Prozent zurückgehen, schreibt Global Insight.

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