Keine Spur von Krise
München: Ein Markt der Sonderklasse

Wohnen bleibt in München ein teures Vergnügen, denn die Immobilienpreise steigen weiter. Knapp sind in der bayerischen Hauptstadt dabei wie eh und je Mietwohnungen. Doch auch Käufer haben es nicht unbedingt leichter. Dass München kaum einen Hauch von Krise spürt, hat nicht zuletzt mit der Attraktivität der Stadt und der robusten Wirtschaft zu tun.

MÜNCHEN. Ein "Luxus-Loft mit begrünter Dachterrasse am Viktualienmarkt" bietet die Online-Plattform Immobilienscout in diesen Tagen an. Das Objekt verfügt über fünf Zimmer, eine Wohnfläche von 365 Quadratmetern, die Dachfenster lassen sich durch elektrische Jalousien bedienen und das Duschen wird dem künftigen Bewohner durch seitliche Massagebrausen versüßt. Bei der Miete dürften die meisten allerdings schlucken: 8 900 Euro im Monat kalt verlangt der Vermieter - zuzüglich 760 Euro monatliche Nebenkosten.

Käufer haben es nicht unbedingt leichter, wie der Blick auf den Eigentumsmarkt zeigt: Trotz Wirtschaftskrise werden in der teuersten deutschen Wohnstadt für Liebhaberstücke immer noch Liebhaberpreise gezahlt. Für eine Dachgeschoss-Wohnung in Bogenhausen mit 390 Quadratmetern Wohnflächen verlangt der Anbieter immerhin 3,9 Mio. Euro. Und anders als im bayerischen Umland oder in anderen deutschen Metropolen sind die Preise für Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und Eigenheime in München 2008 sogar weiter gestiegen. Laut einer aktuellen Studie der Hypovereinsbank (HVB) hält die Nachfrage nach innerstädtischen Luxuswohnungen unverändert an. Die kaufkräftige und oftmals internationale Klientel sei bereit, für ein schickes Heim an der Isar Quadratmeterpreise von 7 000 Euro und mehr zu zahlen.

"Der Münchner Wohnungsmarkt zählt seit Jahren zu den stabilsten und renditestärksten deutschen Wohnungsmärkten", erklärt Robert Anzenberger, Vorstand des Immobiliendienstleisters Planet Home, Maklertochter der HVB. Selbst in der derzeitigen Wirtschaftslage sei dies nicht anders geworden, die Nachfrage sei unverändert hoch. "Begehrt sind und bleiben natürlich Lagen in Bogenhausen und rund um den Englischen Garten", sagt Anzenberger. Aber auch zentrumsnahe Neubeugebiete wie etwa Ackermannbogen und Hirschgarten steigen offenbar in der Käufergunst und holen gegenüber den etablierten Kauflagen auf. "Diese Gebiete überzeugen mit einem großen Angebot an Eigentumswohnungen und Eigenheimen", so Anzenberger.

Dass München kaum einen Hauch von Krise spürt, hat nicht zuletzt mit der Attraktivität der Stadt, der robusten Wirtschaft sowie dem anhaltenden Bevölkerungswachstum zu tun. Zwar ist auch hier mit einem Beschäftigtenabbau zu rechnen. Doch bisher liegt die Arbeitslosenquote mit rund sechs Prozent unter dem Schnitt anderer deutscher Großstädte. So spüren neben Maklerunternehmen derzeit nur Münchens Bauträger, dass die Nachfrage nach Wohnraum verhaltener und das Vermarktungsgeschäft zäher wird. Ob Inflationsängste das Kaufinteresse und den Absatz der Bauträger auf breiter Front beflügeln werden, lässt sich laut HVB-Studie derzeit nur schwer einschätzen.

Knapp sind in München wie eh und je Mietwohnungen - eine Folge der unverändert hohen Grundstückskosten. Zwar handelt es sich nach Angaben des Marktforschungsinstituts Bulwien Gesa bei 48 Prozent aller Projektentwicklungen in München um Wohnungsbauvorhaben. Doch die Pipeline leert sich. Nach Informationen des bayerischen IVD-Landesverbandes wurde in München bereits 2007 der historische Tiefstand erreicht, bei Wohnungsbaugenehmigungen wie bei Baufertigstellungen. Der Trend setzte sich 2008 weiter fort. "Engpässe bei der Wohnraumversorgung gelten angesichts der ständig wachsenden Zahl der Privathaushalte als programmiert", sagt IVD-Bayern-Geschäftsführer Stephan Kippes.

Nach Prognosen des Forschungsinstitutes Empirica werden in der Region München bis zum Jahr 2025 etwa 265 000 Wohnungen fehlen. Den Preis für den Mangel zahlen die Mieter, allen voran in der Landeshauptstadt München. In den acht bayerischen Großstädten kletterten die Mieten zwischen dem Herbst 2007 und dem Herbst 2008 um fünf Prozent auf durchschnittlich 7,70 Euro, so das IVD-Institut. In München lag der Preisanstieg im gleichen Zeitraum bei 8,3 Prozent.

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