Kiel
Eine Stadt soll schöner werden

Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel will seine Innenstadt attraktiver machen - und das ist längst überfällig. Die Folgen der Vernachlässigung: Gesunkene Mietpreise und schwächelnde Nachfrage im Einzelhandel. Ein Facelift soll der Stadt wieder auf die Beine helfen.
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KIEL. Torsten Albig twittert: "Bin Oberbürgermeister von Kiel, der tollsten Stadt des Nordens!" ließ er nach gewonnener Wahl im März dieses Jahres über das Internettagebuch Twitter verbreiten. Völlig überraschend hatte der Sprecher des damaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück das Kieler Rathaus für die SPD zurückerobert. Auch das mag sein überschwängliches Lob für die Ostseestadt erklären. Inzwischen dürfte Kiel-Enthusiast Albig im kommunalpolitischen Alltag angekommen sein. Und dort steht ziemlich weit oben auf der Prioritätenliste die Aufwertung der Kieler Altstadt.

Einig ist man sich, dass vor allem die Holstenstraße, die beliebteste Einkaufsmeile der Stadt, ein Facelifting braucht: Neben kaufkräftigen Bewohnern des Kieler Umlands kommen jährlich immerhin rund 17 Millionen Tagestouristen hierher. "Mit der städtebaulichen Umsetzung des Wandels in Richtung Einzelhandel und Dienstleistung tut sich die Stadt aber schwer", analysiert Günter Rudloff, Geschäftsführer der Comfort Beratungsgesellschaft. Er kritisiert die Vernachlässigung der Innenstadt. "Dadurch verliert Kiel an Attraktivität." Die Folge: Nachfrage und Mietpreise im Einzelhandel sinken.

Deshalb läuft für die Holstenstraße ein öffentliches Werkstattverfahren, das in ein städtisches Rahmenkonzept für die gesamte Innenstadt führen soll. Der radikalste Plan kommt bislang vom Einzelhandelsprojektentwickler ECE. Er will die Altstadt mittels Einkaufszentrum, Philharmonie, Hotel und Kongresszentrum wiederbeleben und mit der bislang unentwickelten Wasserseite verbinden. Das Münchner Unternehmen Gedo möchte dagegen in der Mitte der Holstenstraße eine Rathausgalerie bauen. Ausgang des Verfahrens: offen.

Die Immobilienwirtschaft drückt aufs Tempo: "Investoren haben in den vergangenen drei Jahren Kiel als lukrativen Immobilienmarkt entdeckt", erklärt Michael Meincke, Geschäftsführer der Beratungsfirma Leo Johnson & Partner in Hamburg. "Deshalb ist es für die Entwicklung des Gesamtmarktes jetzt wichtig, Neubau- und Modernisierungsprojekte zu realisieren. Das sind entscheidende Impulse."

Rund um den Hauptbahnhof drehen sich bereits die Baukräne. Hier werden Geschäftshäuser revitalisiert und neu errichtet. Der Büromarkt gilt als stabil mit geringem Leerstand und wenig Volatilität. Der Leerstand wird auf etwa drei Prozent geschätzt. Der von der Stadt in Auftrag gegebene Büromarktbericht weist 1,4 Mio. Quadratmeter (qm) Nutzfläche für Büros aus. Seit 2006 sind insgesamt 35 000 qm Fläche neu gebaut worden.

Und auch der Kieler Wohnungsmarkt habe großes Potenzial, analysiert Bernd Hollstein, Verkaufsleiter beim Immobilienmakler Hans Schütt: "Allerdings sind Mieter und Käufer von Wohnimmobilien anspruchsvoller geworden", erzählt Hollstein.

Während hochwertige Objekte in sehr guter Lage stark nachgefragt würden, sei Wohnraum in einfacher Lage mit einfacher Ausstattung nur schwer zu vermarkten. Seine Kundschaft frage vermehrt nach Neubauwohnungen mit Wasserblick auf dem Westufer der Kieler Förde, während am Ostufer die Nachfrage verhalten sei. Bereits zur Hälfte fertiggestellt sind die "Fördeterrassen" in Kiel-Holtenau. Direkt an der Kieler Förde gelegen, entstehen hier 41 erdwärmegespeiste Wohneinheiten für den gehobenen Anspruch. Kosten: um die 3 100 Euro/qm. Bei diesem Preisniveau allerdings ist die Schmerzgrenze der meisten Käufer erreicht, sagt Bettina Seidenfad vom Makler Engel & Völkers. Mehr als 300 000 Euro seien für die Wenigsten finanzierbar. Für große Objekte in ländlicher Umgebung seien auch deshalb nur noch schwer Käufer zu finden. "Die Menschen in der Region suchen vermehrt im Stadtgebiet und konzentrieren sich auf kleinere Objekte."

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