Koalition und Makler Mieter zahlen bald keine Provision mehr

Eine gute Nachricht für Mieter. Wenn sie künftig eine Wohnung suchen, darf der Makler kein Geld mehr verlangen. Wer den Vermittler bestellt hat, soll ihn auch bezahlen. Dieses Prinzip wollen CDU und SPD festschreiben.
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Mieter dürfen sich freuen. Wer eine Wohnung sucht, soll künftig nichts mehr an den Makler zahlen. Quelle: Getty Images

Mieter dürfen sich freuen. Wer eine Wohnung sucht, soll künftig nichts mehr an den Makler zahlen.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Maklergebühren für Vermietungen werden neu geregelt. Das zeichnet sich in den Koalitionsverhandlungen ab. Ziel der Änderung ist, die Kosten für die Wohnungssuche zu senken. Bisher darf die Maklergebühr maximal zwei Monatskaltmieten plus Umsatzsteuer betragen. Ob der Vermieter oder der Mieter die Gebühr entrichten muss, ist nicht geregelt.

„Bei den Maklergebühren gilt der Grundsatz, wer bestellt – bezahlt.“ Dies bezeichnete der SPD-Abgeordnete Florian Pronold als ein Ergebnis der Koalitionsarbeitsgruppe Verkehr, Bau und Infrastruktur. Konkret geht es der SPD vor allem darum, Wohnen bezahlbar zu halten. Das heißt, die Sozialdemokraten haben vor allem Menschen im Blick, die Wohnungen suchen.

Die Mieterverbände begrüßten den Plan. „Viele Vermieter werden sich überlegen, ohne Makler zu vermieten“, reagierte Bernhard von Grünberg vom Mieterbund Nordrhein-Westfalen auf den Plan der Koalitionsrunde. Es werde zu weniger Aufträgen für Makler kommen, aber nicht zu einer Erhöhung der Mieten.

Die Interessenvertreter der Eigentümer und der Makler sind skeptischer. Die bisherige Regelung habe funktioniert, sagte Kai Warnecke vom Eigentümerverband Haus und Grund in Berlin auf Anfrage von Handelsblatt Online. Der Makler müsse oft aus einer Vielzahl von Interessenten den richtigen Mieter aussuchen. Das sei mit viel Arbeit verbunden.

Letztlich bremse dieser Vorschlag der Koalitionsarbeitsgruppe zusammen mit anderen die Investitionen in den Mietwohnungsbau. Viele private Vermieter müssten zudem wohl künftig draufzahlen, erwartet Warnecke: „Bestraft wird die große Masse der privaten Wohnungseigentümer“, also letztlich der kleine Bürger.

Bereits heute werde die Maklergebühr nur in den angespannten Wohnungsmärkten wie Köln, Bonn oder Düsseldorf vom Mieter bezahlt, ergänzte Erik Uwe Amaya von Haus & Grund Rheinland. In allen anderen Teilen des Landes sei es bereits üblich, dass der Vermieter die Maklercourtage übernimmt. Grund hierfür sei, dass die Wohnungsmärkte in Deutschland sehr unterschiedlich seien.

 

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131 Kommentare zu "Koalition und Makler: Mieter zahlen bald keine Provision mehr"

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  • Solange der Markt von alleine läuft, braucht man keine Makler? Aber was wenn der Markt mal wieder so ist - das kaum eine Wohnung zu Vermieten ist, oder ein Haus zu Verkaufen mehrere Monate oder bis zu einem Jahr dauert. Dann wollen wir doch wieder einen Makler der die kosten für die monatliche Werbung übernimmt usw. Ich glaube das gute Makler auch hohe kosten haben und nicht nur 1 Stunde am Tag arbeiten, eine Vernünftige Regelung wäre Sinnvoll, aber keine schnell Schüsse von irgendwelchen Parteibonzen. Ich würde mir gerne ein Haus auf Sylt kaufen - da kostet der Quadratmeter aber Euro. 32.000.-, liebe Politiker macht was das ich mir dort ein Haus kaufen kann. Ortsüblich bei uns sind 120,00.- Euro der Quadratmeter, das nennt man freie Marktwirtschaft Angebot und Nachfrage. Außerdem greift die Bundesregierung auch 4,5 bis 5,5 % Grunderwerbsteuer ab, alles erhöht - nach dem Sie gemerkt haben das es einen Immobilienboom gibt. Die nächste Grunderwerbsteuer Erhöhung steht vor der Tür, wenn Makler abzocken - tut es die Regierung aber auch!


  • Demnächst wird man
    viele Anzeigen finden, die etwa
    so lauten:

    Sie suchen eine Wohnung?
    Ein kundiger Makler hilft Ihnen,
    die passende zu finden.

    Tel. 0xx/845094

    Wer zahlt? Mit Sicherheit der Mieter

  • @simplex: die von Ihnen beschriebene Vorgehensweise ist genau diejenige, die das Maklergewerbe in Verruch bringen. Selbst als Makler würde ich dazu tendieren, dass bei deratigen Massenbesichtigungen ein Provisionsanspruch an den Makler generell entfällt.

    Dies war in meinem Bericht jedoch nicht mein Anliegen. Mein Anliegen und Unverständnis ist und war, dass der Politik nichts anderes einfällt, um Mietinteressenten zu entlasten, denn dies ist das Hauptargument der angedachten Gesetzesänderung. Die Annahmepflicht einer Mietkautionsversicherung, die monatlich durchschnittlich ca. Euro 10,- kostet und den Mietinteressenten von einer Kautionszahlung von meist 3 Monatsnettomieten befreien würde, wäre ein vernünftiges Instrument zur Kostensenkung.

    Eine GENERELLE Gesetzesänderung auf alle Gebiete zu veranlassen schadet letztendlich allen Beteiligten (auch dem Makler in seiner Vertragsfreiheit, vor allem den sozial schwächeren und den Investoren) und wird darüber hinaus noch so manche Komune belasten.

  • "Das Problem ist, das nun jeder der 80 Mio. Bürger denkt, dass er persönlich eine billige, gut ausgestattete Wohnung in ruhiger lage im Zentrum seiner Stadt bekommt."
    Wenn in Zukunft ein Makler von demjenigen bezaht wird, der ihn beauftragt hat, dann denken alle Bürger Deutschlands daß sie eine nette Wohnung in Innenstadtlage zu Spottpreis ergattern werden?
    Das ist völlig wirr - das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ein "Problem" kann ich schon gar nicht erkennen - das haben wohl nur gewisse Leute deren Geschäftsmodell Abzocke (und nicht die seriöse Vermittlung) ist.

  • Nicht nur NSA liest mit, auch die Staatsanwaltschaft.

  • Du bist Theoretiker, oder? Von der Praxis keine Ahnung?
    "von der Steuer absetzen"?
    Was glaubst du, heisst das? Und wer trägt am Ende die Mindersteuereinnahmen?

  • Mit einer Wohnung sind Pflichten verbunden, ober nun "professionell" ist oder nicht, spielt keine Rolle. Das muss man vor der Investition wissen.
    Aber: Mit Eigentum gibts auch Rechte.Und ich hoffe, es wird Kläger geben, die diese Grundrechte prüfen lassen, wenn die Gesetze der großen Koalition umgesetzt sind.

  • Das Problem ist, das nun jeder der 80 Mio. Bürger denkt, dass er persönlich eine billige, gut ausgestattete Wohnung in ruhiger lage im Zentrum seiner Stadt bekommt.
    Und wird bitter enttäuscht sein...
    Dann fordert die nächsten gesetzlichen Regularien, und wird bitter enttäuscht sein, da nach wie vor v. a. die Leute diese Wohnungen bekommen, die die entsprechende Bonität haben.
    Und selbst wenn alle dieselbe gute Bonität hätten, könnten nicht alle 80 Mio. Bürger in Innenstädten leben, da diese begrenzt groß sind.
    Alles eine Illusion diese Reguklierungswut.

  • @ Oekonom

    In 5 Jahren haben Sie weniger privat vermietete Wohnungen auf dem Markt und mehr Netzwerk-getriebene Vermietungen. Man wird auch gerichtlich prüfen müssen ob man für das Auswerten der zugesandten Bewerbungen nicht wie bei Ausschreibungen Aufwandsentschädigungen von den nicht zum Zuge gekommenen Suchenden verlangen kann.
    Sehe ich dann keine 50€ Zahlungseingang auf dem Konto fällt der Suchende sofort unter den Tisch. Will er einen individuellen Besichtigungstermin muss er eben die anfallenden Kosten übernehmen. Entweder werden die Auswertungskosten vorher auf den Einzelnen umgelegt oder später auf die Mieter.

    Der nun enger werdende Markt wird da einiges regeln. 1985 fand man in der DDR so gut wie keine neu vermietenden Wohnungseigentümer mehr. Nur noch Wohnungsverkäufer. Und Leute die solange in der elterlichen Wohnung hockten bis ihnen ihre staatlichen 15qm zugewiesen werden konnten.

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