Kommentar
Halbherzige Bekenntnisse zur Transparenz

Eigentlich hatte die Immobilienfondsbranche mehr Offenheit gelobt, als ihr vor gut einem Jahr das Wasser bis zum Halse stand. Doch über die Transparenzbekenntnisse sollten sich Anleger keine Illusionen machen.

"Über den Preis wurde zwischen den Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart.“ So oder so ähnlich formulierte Sätze zieren mit schöner Regelmäßigkeit Pressemitteilungen der Käufer und Verkäufer von Immobilien – auch die Verlautbarungen offener Immobilienfonds. Zuletzt gesehen in dieser Woche in einer Mitteilung der Union Investment Real Estate (UIRE) zum sehr gewinnträchtigen Verkauf des Projekts Bishopsgate in London durch den Fonds Uni-Immo, früher Difa Nr. 1.

Hatte die Immobilienfondsbranche nicht Offenheit gelobt, als ihr vor gut einem Jahr das Wasser bis zum Halse stand? Die Transparenz hat seitdem tatsächlich zugenommen. Allerdings hat der Branchenverband BVI damals seine Mitglieder weder verpflichtet noch ihnen empfohlen, Transaktionspreise zu publizieren. Und das neue Investmentgesetz sieht eine Veröffentlichungspflicht ebenso wenig vor.

Der Geschäftsbericht des UIRE-Fonds zum 31. März 2006, ein jüngerer liegt noch nicht vor, zeigt Willen zur Transparenz. Darin werden Verkaufspreise und Verkehrswerte genannt. Der Anleger kann sehen, mit welchen Objekten sein Vermögen vermehrt wurde. Nun hat die UIRE zwei Jahre Zeit, den Bishopsgate-Käufer Arab Investment (AI) zur Entbindung von der Schweigepflicht zu überreden. Weil erst jetzt Geld geflossen ist, wird der Verkauf sowieso erst im Geschäftsbericht 2007/2008 dokumentiert. Ob sich dann noch jemand für den Preis interessiert?

Anleger sollten sich über Transparenzbekenntnisse in der Immobilienbranche keine Illusionen machen. Freiwillig wird fast nur über Positives informiert. UIRE würde sich gerne für das gute Geschäft öffentlich auf die Schulter klopfen lassen. AI hätte sich womöglich nach Offenlegung der Zahlen kopfschüttelnden Marktteilnehmern gegenüber gesehen. Dass der Deal in London stattfand – angeblich einer der transparentesten Immobilienmärkte der Welt – interessiert AI sicher nicht.

Auch so mancher Private-Equity-Fonds hat kein Interesse daran, dass seine Kunden den Wahnsinnspreis erfahren, den er nach einem Bietergefecht für teils leer stehende deutsche Bürogebäude mit deren Geld bezahlt hat.

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