Konsumklima und Case-Shiller-Index
Miserable US-Daten schüren Angst vor neuer Krise

Die Krise auf dem US-Immobilienmarkt gilt als Mutter aller Krisen im Finanzsystem. Nun ist der Index für die Häuserpreise erneut im freien Fall. Und auch das Konsumklima liegt am Boden. Vorboten für neue Gefahren?
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DüsseldorfDie US-Konjunktur muss schwere Schläge wegstecken: Zwei wichtige Orientierungsmarken für den Zustand der amerikanischen Wirtschaft sind unerwartet stark eingebrochen: So herrscht am amerikanischen Häusermarkt tiefste Depression. Der Case-Shiller-Index, der die Hauspreise in 20 amerikanischen Städten misst, fiel im März im Vergleich zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf ein Achtjahrestief von 138,16 Punkte. Es ist der stärkste Rückgang seit Ende 2009. Der Index fiel sogar noch schlechter aus als von Experten im Vorfeld erwartet worden war. Von Bloomberg befragte Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang um 3,4 Prozent prognostiziert.

Und auch das Konsumklima in den USA hat unerwartet stark eingetrübt. Der Index für das Verbrauchervertrauen sank auf 60,8 von 66,0 Punkten im April, wie das Forschungsinstitut Conference Board am Dienstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 66,5 Punkte gerechnet. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Bereits im Februar war der Case-Shiller-Index auf 139,27 Punkte gefallen und lag damit nur noch hauchdünn über dem Krisentief bei 139,26 Punkten im April 2009. In den vergangenen Wochen hatten auch andere Immobilienmarkt-Indikatoren signalisiert, dass sich die Lage in den USA wieder verschlechtert.

Insgesamt lagen die Preise im März in 19 von 20 Metropolen niedriger als im Vorjahr. In Minneapolis brachen die Preise gar um zehn Prozent ein. Lediglich in der Hauptstadt Washington D.C. stiegen die Preise im Vergleich zu März 2010 um 1,1 Prozent und gegenüber Februar dieses Jahres sogar um mehr als vier Prozent.

Die immer noch hohe Zahl von Zwangsversteigerungen, ein schwierigerer Zugang zu Hypotheken und eine schwache Nachfrage verhindern eine Erholung des Immobilienmarktes, auch wenn andere Bereiche der Wirtschaft
langsam wieder in Schwung kommen.

Hoffnung auf Besserung haben Analysten zurzeit nicht: „Die Abwärtsspirale hält an, und es ist keine Entspannung in Sicht“, sagte der Index-Verantwortliche David Blitzer. „Es würde mich nicht überraschen, wenn die Preise das ganze Jahr und vielleicht sogar bis ins nächste Jahr weiter fallen“, sagte auch Paul Dales, Volkswirt bei Capital Economics, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Finanzmärkte zeigten sich weitgehend unbeeindruckt von den schwachen Daten. An der Wall Street startete der Dow Jones mit einem Zuwachs von knapp einem Prozent auf 12.560 Punkte in den Handelstag, in Frankfurt verteidigte der Dax sein Kursplus von zwei Prozent auf gut 7.300 Punkte. Analysten zufolge überlagerte die Hoffnung auf ein baldiges Hilfspaket für Griechenland die negativen Daten vom US-Immobilienmarkt.

Der US-Dollar reagierte ebenfalls kaum auf den Hauspreisindex. Allerdings war die US-Währung im Vergleich zum Euro am Vormittag wegen der Griechenland-Fantasie auf ein Dreimonatstief gefallen. Für einen Euro mussten wieder mehr als 1,44 Dollar bezahlt werden.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

Kommentare zu " Konsumklima und Case-Shiller-Index: Miserable US-Daten schüren Angst vor neuer Krise"

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  • Eine wichtig Frage ist nicht beantwortet. Was ist beim Case-Shiller-Index der Wert 100? Für alle seriösen Leser: der Index heisst in Wirklichkeit Composite 20, die Indexbasis ist Januar 2000. (Quelle Wikipedia.org -> Case-Shiller-Index)
    Fazit: 38 % Aufschlag in 11 Jahren entspricht ca. 3% p.a.
    Somit ist die Preisübertreibung der letzten Jahren fast wieder verschwunden, doch der Preis ist nicht wirklich im Keller.

  • Das kommt eben davon, wenn man außer sinnloskonsum auf Pump und Verschwendung von Energiestoffen nichts im kopf hat. Die konsummöglichkeiten werden weiter sinken, Bernanke wird weitere Billiarden für die Wallstreet drucken. wer sich einbildet, an der wallstreet den wohlstand erspekulieren zu können, der liegt nun einmal falsch. die nächste -schwere- Rezession steht für die Schuldenmacher nun bevor, und damit auch für deutschland. denn nun wird es zum erstenmal so sein, daß die US-Amerikaner aus purem geldmangel den Konsum beschneiden müssen, das bedeutet Rückgang der deutschen Exporte. wir werden bestenfalls Stagflation bekommen in den nächsten Jahren.

  • Allein schon die Überschrift wieder.. aber naja die Presse halt.

    Das Verbrauchervertrauen ist kein verlässlicher Indikator, da dieser sehr schwankungsanfällig ist.
    Interessanter ist jedoch die Tatsache, das sich am Immobilienmarkt nicht mal ansatzweise eine Stabilisierung abzeichnet.

    Der Schlüssel zur Lösung der Immobilienkrise sind die Hauspreise. Eine Stabilisierung bzw. anziehen der Hauspreise ist auf lange Sicht jedoch sehr unwahrscheinlich, da nach wie vor ein massiver Überhang an zwangsversteigerten Immobilien auf dem Markt bzw. in der Pipeline steckt.
    Desweiteren ist die Kreditvergabe an bonitätsschwache Kunden sehr restriktiv geworden, was grundsätzlich zu begrüßen ist.

    Es ist nicht mal ansatzweise davon auszugehen, das sich der Immobilienmarkt erholt, zumal die US-Regierung hier auch nach wie vor untätig zuschaut.

    - Was ist mit der Reform von Fannie und Freddie??

    - Strengere Regeln für die Hypothekenvergabe??

    Hier passiert nichts, nicht mal ansatzweise!

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