Kräftige Zuwächse für die Branche
Die Anleger entdecken das Bausparen

„’Nen Bausparvertrag“ hat Klaus, der junge Mann in der LBS-Werbung, geschenkt bekommen. „Wie uncool“, findet dies der ebenso halbwüchsige Thomas im selben Spot. Ein Blick auf die Darlehenszinsen der Bausparverträge scheint Thomas Recht zu geben. Sie sind teils schlechter als die für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung. Und trotzdem boomt das Bauspargeschäft.

DÜSSELDORF. Die Landesbausparkassen (LBS) haben in den ersten vier Monaten dieses Jahres Bausparverträge über 11,3 Mrd. Euro abgeschlossen – ein Plus von 30,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Und wenn der Verband der privaten Bausparkassen heute seine Halbjahreszahlen bekannt gibt, wird der prozentuale Zuwachs „gut zweistellig“ sein, kündigt Verbandssprecher Stefan Jokl an.

So uncool die Darlehenskonditionen, so cool sind vielfach die Guthabenzinsen. Vier Prozent und mehr für eine vergleichbar sichere Anlage wie einen Bausparvertrag bietet der Kapitalmarkt derzeit nicht. Das haben auch die Anleger gemerkt. „Viele unserer Kunden nehmen den Bausparvertrag als Sparbuchersatz“, stellt Rüdiger Grimmert, Sprecher der BHW Bausparkasse AG, fest. Und nicht nur die Kleinsparer haben den Bausparvertrag entdeckt: „Die Bausparkassen werden sogar von Vermögensverwaltern mit Geld zugeschüttet“, beobachtet Max Herbst, Inhaber der Finanzberatung FMH. Selbst den üblicherweise langen Anlagezeitraum für Bausparverträge hebeln clevere Sparer aus. Sie zahlen nicht nur die Mindestbausparsumme sofort ein, sondern gleich die gesamte Bausparsumme. Solche Verträge sind dann schnell zuteilungsreif. Beim Tarif D (vier Prozent Guthabenzinsen) der Bausparkasse Mainz bekommt der Kunde beispielsweise dann nach rund zwei Jahren die Bausparsumme plus Zinsen ausgezahlt, verliert aber – renditezehrend – die Abschlussgebühr von 1,6 Prozent.

Die Bausparkassen haben Probleme, das Kundengeld zu höheren Zinsen anzulegen, als sie selbst gewähren. Dabei dürfen sie von Rechts wegen nur in sichere Anlagen investieren, so dass Aktieninvestments ausgeschlossen sind. Joachim Odenbach, Leiter Bauspartechnik bei der HUK Coburg Bausparkasse, bestätigt: „Derzeit bekomme ich keine 4,75 Prozent am Markt.“ Bis vor wenigen Tagen boten die Coburger aber noch Guthabenzinsen bis zu dieser Höhe.

Jetzt sind bei der HUK Coburg bestenfalls noch 4,25 Prozent zu erreichen. Bedingung: Das Geld muss mindestens sieben Jahre angelegt werden – eine Bedingung, mit der sich auch viele andere Kassen gegen Zinsjäger wehren. Die Deutsche Bank Bausparkasse signalisiert ihr Desinteresse an reinen Hochzinssparern, in dem sie die mit maximal vier Prozent Zinsen dotierten Tarife A 7 und SB 4 nur noch bis zu einer Bausparsumme von 27 500 Euro abschließt. Die Quelle Bausparkasse nimmt künftig kein Geld mehr an, wenn der Kunde die Mindestbausparsumme überzahlen will. Bis vor wenigen Tagen lockte sie ihre Kunden noch mit bis zu fünf Prozent Guthabenzins und Rückerstattung der Abschlussgebühr. Jetzt gibt es nur noch 4,75 Prozent, und die Abschlussgebühr ist futsch.

Es könnte sein, dass auch BHW die Konditionen verändert, sagt Sprecher Grimmert. Ein Sprecher der Deutschen Bank Bausparkasse wollte solche Pläne weder bestätigen noch dementieren. Wüstenrot kündigte auf Anfrage eine Niedrigzinstarifvariante für die zweite Jahreshälfte an. Der Trend ist klar: Niedrigere Guthabenzinsen lassen sich nur mit niedrigeren Darlehenszinsen verkaufen. Verbandssprecher Jokl bestätigt: „Eine ganze Reihe von Kassen hat neue Tarife beim Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht beantragt.“

Wer auf die hohen Zinsen schielt, sollte die Rechnung allerdings nicht ohne den Finanzminister machen. Zinsen auf Bausparguthaben sind steuerpflichtig – weswegen Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen „Rendite-Bausparen für Rentner“ empfiehlt. „Es gibt viele Rentner, die etwas vererben wollen oder für ihre Enkel einen Sparvertrag abschließen möchten.“ Gottschalks Überlegung: Rentner haben kein oder nur ein geringes zu versteuerndes Einkommen und bekommen deshalb oft zusätzlich Wohnungsbauprämien gutgeschrieben. Dadurch sind Renditen von mehr als als sechs Prozent nach Steuern möglich. Kommt die Arbeitnehmersparzulage noch hinzu, ist bei der Quelle Bausparkasse eine Rendite von 6,64 Prozent möglich, hat FMH errechnet. Wer die staatliche Förderung haben will, muss allerdings sieben Jahre durchhalten.

Und wenn sich zwischenzeitlich attraktivere Anlagemöglichkeiten ergeben? „Der Bausparer kann jederzeit aussteigen“, stellt Berater Herbst fest. Wenn der Zinsbonus wie die staatliche Prämie an die siebenjährige Laufzeit gekoppelt ist, hilft nur rechnen: Die neue Geldanlage muss Bonus- und gegebenenfalls Prämienverlust ausgleichen.

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