Kreditlinie für notleidende Immobilienfirmen
Spanien: Hilfsprogramm für Immobilienbranche

Die spanische Regierung will weitere Megapleiten wie die der größten Immobilienfirma Martinsa Fadesa im August verhindern. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat ein Hilfspaket für angeschlagene Immobilienfirmen und Bauträger verkündet, die angesichts stark einbrechender Wohnungsverkäufe und der Kreditklemme ihre hohen Schulden nicht mehr finanzieren können. Ökonomen kritisieren die Stützungsaktion.

MADRID. Zunächst drei Mrd. Euro - und Option auf Erweiterung - will Zapatero für eine neue Kreditlinie für notleidende Immobilienfirmen und Bauträger bereitstellen, um diesen die Refinanzierung ihrer Bankkredite zu ermöglichen. Um an die Staatskredite heranzukommen, die das staatliche Kreditinstitut ICO verteilen wird, müssen die Firmen allerdings ihre unverkauften Wohnungen zur Miete stellen.

Das ist eine Kehrtwende in der Haltung der spanischen Regierung gegenüber der Immobilienkrise. Vor dem Konkurs von Martinsa Fadesa hatte das ICO dem hochverschuldeten Unternehmen noch eine Kredithilfe von 150 Mill. Euro verweigert, mit der ein Zusammenbruch hätte verhindert werden können. Entsprechend stark wurde der Plan, moribunde Firmen jetzt doch mit Staatsgeldern am Leben zu erhalten, von vielen Ökonomen kritisiert. Vertreter des Immobiliensektors zeigten sich hingegen begeistert. Die Maßnahme würde den bisher praktisch inexistenten spanischen Mietmarkt beleben, meint ein Sprecher des größten spanischen Immobilienbewerters Tinsa.

Die Spanier haben eine ausgeprägte Käufermentalität, Umfragen zufolge kommt eine Wohnung zur Miete nur etwa für zehn Prozent der Spanier in Frage. Doch das Eigenheim ist angesichts der gestiegenen Zinsen und der Zurückhaltung der Banken bei der Hypothekenvergabe für viele unerschwinglich geworden.

Wenn die Maßnahme der Regierung Wirkung zeigt, was Experten kaum bezweifeln, dürfte sie auch den Preisrückgang auf dem Wohnungskaufmarkt verlangsamen. Zuletzt waren die Wohnungspreise Tinsa zufolge im August um 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen, nach 3,8 Prozent im Juli.

Als weitere Maßnahme will die Regierung börsennotierte Immobilienfonds steuerlich begünstigen, die ebenfalls den klammen Unternehmen Liquidität verschaffen sollen. Diese Strategie halten Experten allerdings für wenig sinnvoll, da solche Fonds derzeit Schwierigkeiten haben dürften, Geldmittel aufzutun. Wie gering das Vertrauen in die Bau- und Immobilienbranche ist, zeigte die Tatsache, dass die Kurse der großen Unternehmen des Sektors nach Verkündung des Hilfspakets nicht stiegen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%