Kulturprojekt
Elbphilharmonie: Streit über Baukosten

Eine riesige gläserne Welle soll einmal das Dach der künftigen Hamburger Wahrzeichens Elbphilharmonie überspannen. Doch im Moment schlägt eher der Streit zwischen der Stadt Hamburg und dem Baukonzern Hochtief Wellen. Im Frühjahr sickerte erstmals durch, dass das imposante neue Gebäude die Stadt teurer wird als geplant.

HAMBURG. Ursprünglich waren für den imageträchtigen Bau 241,3 Mio. Euro kalkuliert. Die Stadt sollte davon 149,8 Mio. Euro übernehmen. Dritter Geldgeber neben Stadt und Spendern ist die "Projektgesellschaft Adamanta", die unter der Leitung von Hochtief Construction die vom Architektenbüro Herzog & de Meuron entworfene Philharmonie baut. Die Finanzierung liegt bei der Commerz Leasing. Im Frühjahr wurde bekannt, dass das ehrgeizige Kulturprojekt die Stadt teurer wird als geplant. Die Ursachen: Änderungswünsche der Stadt, Planverzögerungen durch die Architekten, Baubehinderungen und die in den vergangenen zweieinhalb Jahren um 20 bis 25 Prozent gestiegenen Rohstoffkosten.

Die Spekulationen über die Größe des Finanzierungsloches schießen ins Kraut, Summen von 100 bis 250 Mio. Euro schwirren durch die Stadt. Am häufigsten werden 140 Mio. Euro genannt. "Keine dieser Zahlen ist bisher bestätigt worden", betont Susanne Frischling aus der Kulturbehörde. "Die Zahl kommt nicht von Hochtief und ist falsch", erklärt Bernd Pütter, Pressesprecher des Essener Baukonzerns. Derzeit verhandeln die städtische Projekt-Realisierungsgesellschaft Rege und der Bauträger Hochtief, wer die Mehrkosten übernehmen muss. Laut Karl Olaf Petters von Rege sind die Gespräche "schwierig, aber konstruktiv". Das Ende ist offen. Deshalb habe der Senat, sagt Bürgermeister Ole von Beust (CDU), bisher darauf verzichtet, eine feste Summe in den Haushalt einzustellen. Stattdessen wurden im Rathaus personelle Entscheidungen getroffen: Mitte September musste Rege-Geschäftsführer Hartmut Wegener seinen Schreibtisch räumen, spätestens im Dezember soll ihm Heribert Leutner nachfolgen, noch Hamburger Niederlassungsleiter der Frankonia Eurobau.

Die Bauarbeiten am Konzertgebäude liegen ein halbes bis ein Jahr hinter dem Plan. Kommen durch das Desaster auch andere Projekte im neuen Quartier ins Wanken? Jürgen Bruns-Berentelg, Chef der Entwicklungsgesellschaft Hafen-City Hamburg verneint das. Was er allerdings nicht sagt: Für weitere "Leuchtturm-Projekte" wie etwa das geplante Science Center steht die Finanzierung noch nicht. Das von Rem Kohlhaas entworfene Gebäude soll nun statt 14 000 rund 23 000 Quadratmeter Bruttogesamtfläche haben, damit in der ersten Reihe am Wasser auch Büroflächen angeboten werden können. "Zur Realisierung ist das Überseequartier-Konsortium verpflichtet", gibt Bruns-Berentelg den Schwarzen Peter weiter. Neben dem Konsortium als Hauptinvestor sollen wie bei der Elbphilharmonie Spender und die Stadt das Projekt retten. Andere öffentliche Vorhaben wie U-Bahn- und Grundschulbau sind laut Bruns-Berentelg "gesichert". Er betont, dass aus der Stadtkasse gerade 14 Mio. Euro für den Traditionsschiffshafen und 30 Mill. Euro für das Maritime Museum in der HafenCity geflossen sind.

Die Beteiligten in den Hamburger Behörden sind davon überzeugt, dass das imageträchtige Bauprojekt vollendet wird, denn eine Bauruine kann sich die Stadt noch weniger leisten als weitere finanzielle Zuschüsse. Letztendlich laufe es darauf hinaus, dass sich Hochtief und die Stadt die zusätzlichen Baukosten teilen, sagen sie. Nur in welchem Verhältnis dies sein wird, will niemand spekulieren.

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