Leben in Schrottimmobilien: „Wer hat Angst vor Ratten?“

Leben in Schrottimmobilien
„Wer hat Angst vor Ratten?“

Kein Strom, keine Toilette – wer in einer solchen Wohnung lebt, ist ganz unten angekommen. Schrottimmobilien sind in vielen deutschen Städten ein drängendes Problem. Als Mieter werden oft Zuwanderer ausgebeutet.

DuisburgDie Männer sitzen in dicken Jacken dicht an dicht auf dem Sofa, ihre Hände stecken in den Seitentaschen. Es zieht durch die Balkontür. Nicht ein isoliertes Glasfenster, nur ein heruntergelassener Rollladen ist da, um die Winterkälte notdürftig vor dem Eindringen ins Wohnzimmer abzuhalten. Die Zentralheizung streikt seit Monaten. Lediglich ein Gasheizer hält die Wohnung für zwölf Leute warm. Jetzt, nach Einbruch der Kälte, müssen sich die Bewohner sprichwörtlich warm anziehen.

So sieht es aus bei einem Ortstermin in einem Gebäude in Duisburg-Laar, das die Stadtverwaltung als Problem-Immobilie bezeichnet. Andere würden es abrissreif nennen. Die Liste an Mängeln in vielen Schrottimmobilien Duisburgs ist lang: Kaputte Briefkästen, fehlende Fenster, Schimmel an den Wänden, defekte Elektrik. „Hinzu kommt ein häufig sehr hoher Grad an Vermüllung und in der Folge Schädlingsbefall“, heißt es in einem Schreiben der Stadt.

Doch nicht nur das: Der Duisburger Norden ist in den vergangenen Monaten wegen Kriminalität, Gewalt und angeblich entstehenden rechtsfreien Räumen in Verruf gekommen. Auch über die vermeintlichen Verursacher dieser Probleme wird seitdem wild diskutiert: die kriminellen Clans, die kurdisch-libanesischen Großfamilien.

Auch in der Friedrich-Ebert-Straße, im Stadtteil Duisburg-Rheinhausen, gibt es solche Schrottimmobilien. Der Straßenzug ist für seine Problemhäuser bekannt. Doch sind hier wirklich „Clans“ zu Hause?

Kronleuchter erfüllen das Wohnzimmer mit hellem Licht. Die fünfjährige Zainab im rosa Schlafanzug schiebt den rollbaren Gasheizer über das Laminat. Sie stützt sich auf die Gasflasche und schaut, was sich im Fernsehen tut. Währenddessen wird für die Erwachsenen auf dem Sofa ein Tablett mit einem Kännchen Schwarztee und kleinen Gläsern gereicht. In dieser Wohnung eröffnet sich auch ein Blick auf diejenigen, deren Schicksale hinter Schlagzeilen über kriminelle libanesische Clans und „No-Go-Areas“ zurückgeblieben sind.

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