Leere Börse: Nachmieter verzweifelt gesucht

Leere Börse
Nachmieter verzweifelt gesucht

Commerz Real sucht nach dem Auszug der Deutschen Börse in Hausen nach neuen Mietern – vergeblich. Hunderten Anlegern drohen Verluste.
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Düsseldorf, FrankfurtEtwas stimmt nicht mit der elektronischen Anzeige in der neuen Börsenstraße im Frankfurter Stadtteil Hausen. „Besucherparkplätze belegt“, zeigt sie an, dabei sind fast alle frei. Der große, silberfarbene Büroklotz mit der Hausnummer 1 am Ende der neuen Börsenstraße ist verlassen. Zwei Umzugswagen stehen vor dem Eingang, die Fahrer frühstücken in der Frankfurter Wintersonne; ansonsten ist niemand zu sehen. Die Mieter haben sich Ende vergangenen Jahres davongemacht.

Mittlerweile sitzen Reto Francioni, der Chef der Deutschen Börse, und seine Mitarbeiter im „Cube“. Die neue, futuristische Zentrale des Handelsbetreibers steht im Frankfurter Vorort Eschborn. Dort ist die Aussicht ähnlich trostlos wie in Hausen, dafür sieht es finanziell deutlich rosiger aus. Etwa 60 Millionen Euro spart die Deutsche Börse an Gewerbesteuer – pro Jahr. Ein gewichtiges Argument für Eschborn und gegen Frankfurt.

Zurück bleiben 46000 Quadratmeter Bürofläche, ungenutzt – und Hunderte Anleger, die ihr Geld in den von der Commerzbank-Tochter Commerz Real 1999 aufgelegten, geschlossenen Immobilienfonds CFB 130 gesteckt hatten. Ende März, wenn der Mietvertrag endet und die Deutsche Börse ihre Zahlungen einstellt, steht der Fonds ohne Einnahmen da. Dass bald ein solventer Nachmieter gefunden wird, glaubt niemand. Frankfurt habe sich nicht gerade ins Zeug gelegt, Hausen auf Vordermann zu bringen, heißt es in Kreisen. „Das ist kein 1a-Standort“, sagt ein Commerz-Real-Sprecher. Vor 2012 werde kein neuer Mieter einziehen. Und so gibt’s auch keine Miete.

„Das ist kein 1a-Standort“

Ein großes Problem bei der Suche nach neuen Bewohnern: Die Fläche ist nicht gerade zum Spottpreis zu haben. Bis zu 20 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter verlange Commerz Real, sagen Makler; zwei Euro mehr, als die Deutsche Börse zuletzt gezahlt hat. Ein stolzer Preis für Hausen. Das klappe nur, wenn ein Nutzer kommt, der kurzfristig eine große zusammenhängende Fläche braucht, sagt Oliver Barth, Vermietungsexperte bei BNP Paribas Real Estate in Frankfurt. Interessant könnte Hausen für Verwaltungsabteilungen von Banken oder Versicherungen sein; die brauchen viel Platz, aber keinen schicken Standort. Ob sie die geforderte Miete zahlen, ist allerdings fraglich. Das Gebäude für kleinere Mieter aufzuteilen, ergibt keinen Sinn: Die Umbaukosten wären zu hoch, und kleinere Flächen sind an vergleichbaren Standorten günstiger zu haben.

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  • ...alles bereits bekannt, aber wer hilft den Anlegern, die wahrscheinlich Ihr Geld und ggf. noch mehr als Vollverlust hinnehmen sollen!? Hier hat doch die Commerzbank, ähnlich dem PMI, mehr als unverantwortlich gehandelt, den Kleinanlger mit Argumenten geködert, die in keinster Weise der Wahrheit entsprechen, z. B. sicher, als Rentenvorsorge, ohne Risiko, langfristig usw.! Hier besteht doch Handlungsbedarf, schnellstens, denn Fristen müssen eingehaltenwerden, wer hilft den "Betrogenen"!?

    Hier kann doch nur auf Rückabwicklung der Anlage gedrungen werden, oder!?

  • Alles interessant, aber wie kann man als geschädigter Anleger sein Geld retten, hier ist doch wohl seitens der Coba mehr als unkorrekt "verkauft" worden, oder!?

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