Leerstehende Botschaftsgebäude
Ich hätte da noch ein Häuschen in Bonn

Zehn Jahre nach dem Umzug von Bonn nach Berlin stehen noch immer viele alte Botschaftsgebäude in der ehemaligen Bundeshauptstadt zum Verkauf. Interessenten gibt es genug. Wären da nicht die Verkäufer. Warum sich die Kommunikation mit den Besitzern manchmal schwierig gestaltet - und Interessenten einen langen Atem haben müssen.

BONN. Der Mann mit der Glatze hat den wohl besten Überblick über den Markt. In seinen Händen hält er einen dicken Aktenordner. Er enthält "die Liste", wie er sagt.

Fester Händedruck, perfekt sitzender Anzug, kein Blabla - das ist der 38-jährige Wieland Münch. Die Liste - das ist sein gut gehüteter Schatz. Darin finden sich Geschichten über Könige, über Menschen, die im Haus Golf spielen konnten, über solche, die ihr Heim mit üblem Schimmelbefall zurücklassen, und über Staaten, die einfach vergessen, dass ihnen etwas gehört. "Manchmal schlägt man sich vor den Kopf, was da abgeht", sagt Wieland Münch.

Er ist Geschäftsführer von Limbach Immobilien in Bonn. Einer seiner Jobs ist es, Botschaftsgebäude zu verkaufen. Was noch zu haben ist, findet sich in seiner Liste. Es ist ein spezieller Job.

Wir schreiben das Jahr 2009. Zehn Jahre nach dem Umzug der Regierung nach Berlin arbeiten Bonner Immobilien-Makler noch immer im Verborgenen daran, die überflüssig gewordenen Prachtbauten aus dem Besitz fremder Staaten an private Investoren zu vermitteln.

Rund 150 Länder waren einst am Rhein vertreten. Neben Botschaften müssen seit dem Regierungsumzug auch Residenzen und zahlreiche Konsular- und Verwaltungsgebäude verkauft werden. Die Suche nach Investoren ist noch immer nicht abgeschlossen. Laut Bonner Stadtverwaltung stehen 31 dieser Immobilien leer, viele davon in Top-Lagen mit Rheinblick. An mangelnder Nachfrage liegt es nicht. Reiche Bürger und große Unternehmen gibt es genug.

Das Problem sind die Verkäufer. "Würden die Staaten mit ihren Preisvorstellungen auf ein realistisches Niveau heruntergehen, wären die Gebäude ratzfatz verkauft", sagt Makler Münch.

Beim Botschaften-Verscherbeln muss man am Ball bleiben und gleichzeitig einen langen Atem haben. Vier Jahre lang hat es etwa bei der thailändischen Botschaft gedauert mit ihrem 2 000 Quadratmeter großen Grundstück. Sogar sechs Jahre waren es im Falle Perus.

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