Leuchttürme
Zwischen Himmel und Wasser

Jahrhundertelang haben Leuchttürme die Seeleute von gefährlichen Klippen fern gehalten und sicher in fremde Häfen geleitet. Viele von ihnen tun das auch heute noch; allerdings hat ihre Bedeutung abgenommen. Während die meisten Seemänner auf elektronische Navigationssysteme vertrauen, erfüllen die Türme mittlerweile ganz andere Funktionen.

WESTERLAND. Im Spätsommer ist es 30 Meter über dem Wasser besonders schön. Der weite Blick, die raue See, glutrot der Horizont am frühen Abend. Auf dem Leuchtturm Roter Sand, sechs Seemeilen nordöstlich der Insel Wangerooge, scheint die Zeit zwischen Himmel und Wasser stillzustehen. Doch die große Zeit der Leuchtfeuer ist lange vorbei.

Heute haben die Türme ganz andere Funktionen. Als historische Symbole der Schifffahrt, Gegenstand alter Geschichten, Postkartenmotive, als romantische Ausflugsziele oder Immobilien für Liebhaber. Groß ist der Markt nicht, aber fein. 1,3 Mill. Euro kostet etwa der Leuchtturm Marienleuchte auf der Insel Fehmarn. Über 400 Quadratmeter Wohnfläche, 13 Zimmer, dazu ein riesiges Grundstück mit eigenem Strandabschnitt. Allerdings sind die zum Turm gehörenden Gebäude renovierungsbedürftig. Die Interessenten schreckt das nicht. Laut Maklerbüro ist die Nachfrage groß. Eine Bremer Investorengruppe will das Grundstück mitsamt Turm in eine Art Kunstmuseum umbauen.

In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Leuchttürme an Nord- und Ostsee stillgelegt worden. Ein Teil davon wurde abgerissen, die anderen privatisiert. Insgesamt stehen noch 106 Leuchtfeuer an den deutschen Küsten, 86 davon sind in Betrieb. Einer davon ist Westerheversand. Bierkennern und Fernsehjunkies ist er aus der Jever-Werbung bekannt. Er gilt als einer der schönsten Leuchttürme in Deutschland.

Zu den Ausrangierten gehört Roter Sand. Der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verwaltete Leuchtturm ist ähnlich bekannt wie der heimliche Star aus der Jever-Werbung. Wie andere stillgelegte Leuchttürme wird auch er heute für touristische Zwecke genutzt. Ein mitunter lohnendes Geschäft für Investoren. Denn Kurzurlaube im Leuchtturm werden immer beliebter.

Wer auf Roter Sand nächtigen möchte, muss Monate im Voraus buchen. Die Nachfrage sei riesig und würde weiter kräftig steigen, heißt es bei BIS Bremerhaven Touristik. Der rot-weiß-schwarz gestreifte Turm gehört zu den beliebtesten Herbergen. Das Besondere an ihm: Er liegt mitten im Meer. Die Touristen müssen im Boot anreisen. Über eine schmale Leiter erreichen die Leuchtturmwärter auf Zeit die Räume im Inneren des Turmes. 457 Euro kostet die Übernachtung pro Person. Für zwei Nächte werden 547 Euro fällig. Komfortabel ist die Unterkunft nicht, eher ursprünglich und karg.

Andernorts bekommen die Übernachtungsgäste vom beschwerlichen Leben, das die Wärter auf den Türmen einst führten, weit weniger mit. Einige der privatisierten Türme sind mittlerweile in kleine Wellness-Oasen umgebaut. Der alte Lotsenturm auf Usedom etwa hat einen eingebauten Whirlpool. Frühstück bekommen die Gäste gebracht. Aus Investorensicht gibt es allerdings einen Haken: Der Großteil der deutschen Leuchttürme steht unter Denkmalschutz. Um- und Anbauten sind meist nach den strengen Bauvorschriften nur in begrenztem Umfang möglich - wenn überhaupt.

In den kommenden Jahren werden weitere Leuchtfeuer erlöschen. Der Markt für die Türme wird wachsen - und trotzdem fein bleiben.

Historische Leuchtsignale

Die Ursprünge
Wann es die ersten Leuchtfeuer gegeben hat, ist bei Historikern umstritten. Im östlichen Mittelmeer wurde aber bereits Jahrhunderte vor Christi reger Seehandel betrieben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dort relativ früh Leuchtfeuer als Navigationshilfen eingesetzt wurden, ist groß. Der Koloss von Rhodos und Pharos von Alexandria sind als antike Feuer überliefert, die um 300 v. Chr. entstanden. Unklar ist, ob der Koloss tatsächlich als Leuchtfeuer diente.

Deutsche Feuer
Die ersten bekannteren Feuer in Deutschland errichteten die Hansestädte Lübeck und Wismar im 13. Jahrhundert nahe Travemünde. 1299 wurde Hamburg die Nordseeinsel Neuwerk zugeschlagen, um dort ein Leuchtfeuer zu errichten. 1310 wurde das Signal fertiggestellt - und steht noch heute.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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