Liegenschaftsfonds
Hauptstadtvermarkter unter Verkaufsdruck

Die Vermarktung landeseigener Berliner Grundstücke ist infolge der Finanzmarktkrise eingebrochen. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres konnte der Liegenschaftsfonds Berlin lediglich 90 Mio. Euro an die Landeskasse abführen, fast zwei Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum.
  • 0

BERLIN. Für das Gesamtjahr 2009 reduzierten der Finanzsenator und die Spitze des Liegenschaftsfonds die Erlöserwartung von den ursprünglich angestrebten 240 Mio. Euro auf 140 Mio. Euro.

Hintergrund der Entwicklung ist der Umstand, dass potenzielle Käufer großer Grundstücke Schwierigkeiten haben, von den Banken eine Finanzierung ihres Vorhabens zu erhalten. Dies zeigt sich daran, dass der Liegenschaftsfonds laut seinem Geschäftsführer Holger Lippmann im laufenden Jahr noch keinen einzigen Vertrag mit einem Verkaufsvolumen von mehr als einer Mio. Euro abschließen konnte. Dagegen hatten 2008 sieben Prozent aller Abschlüsse die Millionen-Euro-Grenze überschritten.

„Wir haben uns auf diese neue Situation eingestellt und den kleinteiligen Verkauf vorangetrieben“, sagt Lippmann. Der Fonds, der mit der Veräußerung nicht mehr benötigter landeseigener Immobilien betraut ist, setzt deshalb auf neue Vermarktungsinstrumente. So bietet er seit September dieses Jahres im Internet probeweise 14 Liegenschaften in einer freihändigen Vergabe zum Festpreis an. Für 26 weitere Immobilien suchte er auf Auktionen Käufer.

Bislang üblich waren sonst Bieterverfahren, bei denen sich derjenige Kaufinteressent durchsetzt, der das höchste Gebot abgegeben hat. Dieses Verfahren allerdings sei für private Interessenten in der Regel zu komplex, hat Lippmann erkannt. „Liegenschaften, die wir im Internet oder auf Auktionen anbieten, sind zuvor mehrmals erfolglos durch das Bieterverfahren gelaufen.“ Loswerden will Lippmann auf diese Weise vor allem „Cash-Fresser“, also Liegenschaften, die hohe Bewirtschaftungskosten aufweisen und keine Einnahmen generieren.

Allerdings macht sich auch für den Liegenschaftsfonds die allmähliche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bemerkbar. „Wir verspüren wieder Nachfrage nach Grundstücken zur Projektentwicklung“, sagt Lippmann. Während das durchschnittliche Beurkundungsvolumen im ersten Quartal dieses Jahres lediglich 95 000 Euro betragen hatte, erreichte es im dritten Quartal immerhin wieder 300 000 Euro.

Kommentare zu " Liegenschaftsfonds: Hauptstadtvermarkter unter Verkaufsdruck"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%