Lohnende Geldanlage
Parkhäuser sind ein Saisongeschäft

Parkplätze in der Innenstadt sind heiß begehrt und werden ständig knapper. Umso lukrativer wird das Geschäft mit den Abstellplätzen. Dennoch haben viele Investoren Parkhäuser noch nicht als lohnende Geldanlage erkannt. Ein Fehler, meinen Anlagestrategen.

MÜNCHEN. Alles ganz simpel: Erst mit dem Auto hinein in die gläserne Kabine. Dann aussteigen, Knopf drücken – und schon verschwindet der Wagen vollautomatisch unter der Erde, wo er in ein Fach des riesigen, unterirdischen Autoregals einsortiert wird. Die größte automatische Tiefgarage Deutschlands steht in der Donnersbergerstraße in München und erfreut sich bei den Kunden großer Beliebtheit: „Eineinhalb Jahre nach der Inbetriebnahme sind wir zu 95 Prozent ausgelastet“, sagt Ulrich Schönemann, Projektleiter im Baureferat der Stadt München. Kein Wunder: Mit rund 70 Euro Miete im Monat ist der Stellplatz für Münchener Verhältnisse relativ günstig und der Komfort hoch. Ein Recht auf einen Parkplatz hat ohnehin nur, wer im Umkreis von 400 Metern zur Tiefgarage wohnt.

Parkplätze in der Innenstadt sind heiß begehrt und werden ständig knapper. Denn in vielen Großstädten wie New York werden Parkflächen von Investoren aufgekauft und zu Wohnraum, Hotels oder Einzelhandelsflächen umgebaut. Für die verbleibenden Betreiber bedeutet das: Das Geschäft mit dem Parkraum wird immer lukrativer. Weltweit steigen deshalb die Parkgebühren, ermittelten die Immobilienberater von Colliers International.

Spitzenreiter ist demnach London, wo Autofahrer für einen Parkplatz in der Innenstadt oder im West End pro Monat fast 900 Euro zahlen müssen. Ein Jahr zuvor waren es noch knapp 660 Euro – das bedeutet eine Steigerung von mehr als einem Drittel. Davon sind deutsche Innenstädte noch weit entfernt, doch mit 230 Euro monatlich liegt etwa München noch immer vor einigen US-Städten wie Philadelphia. In Frankfurt zahlen Parker im Schnitt 190 Euro im Monat. Und obwohl die Betreiber die Preise fast laufend erhöhen, reißt die Nachfrage nicht ab. Damit versprechen Parkhäuser eine bessere Rendite als so manche Büro- oder Einzelhandelsimmobilie.

Dennoch haben viele Investoren Parkhäuser noch nicht als lohnende Geldanlage erkannt. Ein Fehler, meinen Anlagestrategen. Anfang des Jahres verkaufte etwa der Großinvestor Investcorp den größten europäischen Parkraumbewirtschafter Apcoa an das französische Unternehmen Eurazeo für 885 Mill. Euro einschließlich Schulden. In nur drei Jahren habe man damit sein Investment mehr als verzehnfacht, hieß es bei Investcorp. Auch Eurazeos Aktienkurs hat sich in dieser Zeit sehr ordentlich entwickelt: Im Vergleich zu 2002 notieren Papiere des Unternehmens heute fast doppelt so hoch.

Die neue Tochter Apcoa besitzt 725 000 Stellplätze, davon allein 220 000 in Deutschland. Viele der rund 3 300 Standorte liegen an Flughäfen, Krankenhäusern und Einkaufszentren. Damit erfüllt das Portfolio der Stuttgarter Firma ein wichtiges Kriterium für die Rentabilität seiner Stellplätze: den guten Lage-Mix. Mit einem Parkhaus am Fußballstadion etwa lässt sich auf Dauer nicht das große Geld verdienen, selbst wenn die Preise oft happig erscheinen, sagt Jürgen Muth von der Geschäftsleitung der Allianz Arena München Stadion GmbH. „Wir haben für 60 Mill. Euro eine Parkgarage mit 11 000 Stellplätzen gebaut, aber im Stadion laufen nur etwa 40 Veranstaltungen pro Jahr", erklärte Muth auf einer Konferenz des Seminaranbieters Bernd Heuer Dialog. Bei Parkgebühren von zehn Euro am Tag sei das Haus kein Renditebringer, sondern ein Dienst für die Fans.

Wer in das Geschäft mit Parkimmobilien einsteigen will, sollte sich zunächst über die Besonderheiten der Branche informieren. Ein großer Unterschied zu den klassischen Immobilien sind die saisonalen Unterschiede, sagt Josef Solnier, Niederlassungsleiter Süd bei Apcoa Autoparking: Im Sommer sind die Langzeitparkplätze am Flughafen viel stärker ausgelastet als im Winter, weil die meisten Urlauber zwischen Juni und September in die Ferien fliegen. Innenstadtparkplätze werden dagegen vor allem im Winter benötigt, auch weil man bei Schmuddelwetter lieber mit dem Auto in die Stadt fährt – und sich auf die lange Suche nach einem der wenigen freien Parkplätze begibt.

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