London leidet Rubelkrise an der Themse

Geht es nach der englischen Presse, kaufen gerade 150.000 reiche Russen wie wild Schmuck und Immobilien – aus Panik, ihre Rubel könnten bald nichts mehr wert sein. Doch die Wirklichkeit sieht wohl etwas anders aus.
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Stadt an der Themse: In London kaufen reiche Russen gerne Immobilien. Quelle: ap

Stadt an der Themse: In London kaufen reiche Russen gerne Immobilien.

(Foto: ap)

LondonKaum war der Rubel abgestürzt, gingen erste Berichte von „Panikkäufen“ der reichen Russen um die Welt. „Reiche stürzen sich auf Londoner Immobilien“, lautete eine Schlagzeile. „Ich habe gegenwärtig ein halbes Dutzend russische Klienten, die dringend Immobilien im Londoner Zentrum suchen und über 20 Millionen Pfund bezahlen“, behauptete der Makler Gary Beauchamp gegenüber dem „Daily Telegraph.“ Denn in London, Welthauptstadt der Milliardäre, werden wenige so neugierig beäugt wie die Russen, schon weil sie augenfälliger mit dem Geld um sich werfen als alle anderen.

Die „Daily Mail“ berichtete von Russen, die angeblich in die Londoner Bond Street rasten und die Auslagen der Juweliergeschäfte leer kauften, um ihre letzten Rubel in Juwelen, Diamanten oder teuren Uhren anzulegen. „Leute, die Geld haben, aber nicht in der Oligarchen-Liga sind, kaufen solche Objekte anstelle von Immobilien“, berichtete Giles Hannah von Christie’s International Real Estate. Russen, die momentan alles tun, um Rubel zu investieren, so lange die noch etwas wert sind? Die jetzt panisch Häuser und Schmuck aufkaufen?

So dramatisch wie die englische Presse es darstellt, ist die Lage nicht. Denn dass sich reiche Russen für Immobilien in London interessieren, ist nicht neu. Tatsächlich haben Russen den Londoner Immobilienmarkt schon länger als Wertanlage benutzt, um hier angesichts sich zusammenbrauender Krisen Geld in Sicherheit zu bringen. Schon 2013 wurde jede fünfte Londoner Immobilie im Preissegment über 20 Millionen Pfund an einen Russen verkauft.

Der Trend verstärkte sich, als die Sanktionen gegen Russland einsetzten: Der Immobilienvermittler Knight Frank konnte eine Zunahme von Verkäufen im „Super Prime“ Sektor an Russen über die gesamte zweite Jahreshälfte 2014 beobachten. „Sie agierten proaktiv vor dem Hintergrund wirtschaftlicher und politischer Instabilität“, sagt Katya Zenkovich, die bei Knight Frank russische Kunden betreut. In anderen Worten: Die wenigsten Russen auf der Suche nach Luxusimmobilien dürften jetzt erst tätig geworden sein. Im Gegenteil: „Diejenigen, die ihre Suche nach Immobilien begonnen haben, halten an ihren Plänen fest“, glaubt Zenkovich.

Was steckt also hinter dem vorgetäuschten Hype auf Immobilien durch die englische Presse? Es könnte eine PR-Masche der Makler sein, die mit ihren Visionen von Heerscharen superreicher Russen, die sich um Londoner Edelimmobilien zanken, ihr Geschäft schönreden wollen. Denn so rosig läuft es im Immobiliensektor zuletzt gar nicht mehr.

„Kollaps des russischen Interesses“
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6 Kommentare zu "London leidet: Rubelkrise an der Themse "

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  • Und die Russen, die unter der Matratze ein paar Goldrubel aus der Zarenzeit gehortet hatten, haben GAR NIX verloren. Papierwährungen sind bloß Schönwetterwährungen, aber nichts für stürmische Zeiten.
    Aber das glauben ja auch einige HB-Redakteure hier nicht. ;-)

  • Ja, die LETZTE HOFFNUNG der BoE sind sozusagen die reichen Russen, damit ihnen die Monster-Immobubble nicht um die Ohren fliegt. ;-)

  • "... Alisher Usmanov und ... Roman Abramovich sollen zusammen in 24 Stunden .. 800 Millionen Pfund oder umgerechnet eine Milliarde Euro verloren ... berichtete die „Daily Mail“. ..."

    Gähnn ... Bill Gates verlor 2001 in vier Wochen 7,2 Milliarden Dollar...

  • Meist wird am lautesten geklappert, wenn das Geschäft flau wird.

    Die aktuelle Lage ist global gekennzeichnet von Unsicherheit über das Verhalten der Ölproduzenten.

    Nach den großen Verlusten der alten Ölindustrie wegen der Frackingmode - ihre alten Investitionen waren auf höheren Energiepreisen kalkuliert - folgte nun die ein weiterer dramatischer Verlust auch bei den Frackern infolge des Saudi-Dumping.

    Alles ist also geprägt von realen Verlusten, während Börsen und Anleihemärkte so tun, als wäre alles in Ordnung. Das Gegenteil ist der Fall.

  • >> Die Nachfrage geht zurück, weil Immobilien bereits zu teuer sind. >>

    Nicht nur die Immobilien sind zu teuer, auch die Ölpreise fallen weiterhin.....das trifft natürlich auch die Firmen im Off-Shore - Geschäft der Bohrinseln.

    Der Rubel sitzt auch bei den einheimischen Briten nicht mehr so locker !

    Fallende Ölpreise....weniger Geld in der Tasche.....bedeutet weniger Kaufkraft ===> die Preise fallen !

    Die Marktwirtschaft scheint noch zu funktionieren !


  • "Was steckt also hinter dem vorgetäuschten Hype auf Immobilien durch die englische Presse? Es könnte eine PR-Masche der Makler sein, die mit ihren Visionen von Heerscharen superreicher Russen, die sich um Londoner Edelimmobilien zanken, ihr Geschäft schönreden wollen. Denn so rosig läuft es im Immobiliensektor zuletzt gar nicht mehr."

    Interessante These - weiter so! Wäre schön wenn das Handelsblatt statt irgendwelche von PResse-Agenturen ventilierten Hypes durchzureichen/wiederzukäuen mehr Eigenintelligenz wie in diesem Artikel bringen würde, die Hypes und vermeintliche Massenmeinung intelligent hinterfragen und so wirklichen Mehrwert bringen.

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