London oder Berlin? Immobilien-Investoren setzen immer mehr auf Deutschland

Gewaltige 1,4 Billionen Dollar werden Immobilienprofis in diesem Jahr für Beton und Steine ausgeben. Soviel wie nie zuvor. Neue Zahlen zeigen nun, dass Deutschland Großbritannien beim Wachstum überflügelt hat.
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Die „Käsereibe“ ging zuletzt für rund 1,4 Milliarden Euro an einen chinesischen Investor. Quelle: AFP
„Leadenhall Building“ (Mitte) in London

Die „Käsereibe“ ging zuletzt für rund 1,4 Milliarden Euro an einen chinesischen Investor.

(Foto: AFP)

DüsseldorfAuf den Immobilienmärkten geht es Schlag auf Schlag – gekauft wird, was das Zeug hält. Jede Woche wechseln Gebäude für dreistellige Millionenbeträge den Besitzer. So erwarb die Sparkassen-Tochter Deka-Immobilien vor ein paar Tagen den Londoner Bürokomplex „Cannon Place“ für rund 570 Millionen Euro. Traditionell sind Bürogebäude die größten Umsatzbringer auf dem Markt. Inzwischen werden aber auch riesige Summen in Nischenimmobilien investiert. So kaufte Bouwfonds in diesem Monat gleich 17 Parkhäuser für 250 Millionen Euro.

Der internationale Immobiliendienstleister Cushman & Wakefield hat in einer aktuellen Untersuchung gefragt, wo die Kaufwut 2017 hinführt. Die Antwort: zu einem weltweiten Umsatz von 1,4 Billionen Dollar, nochmals mehr als im Vorjahr. Die gewaltige Zahl kommt zustande, weil Versicherer und Pensionsfonds Monat für Monat Milliardenbeiträge einnehmen – und nicht wissen, wohin damit. Cushman & Wakefield stellt fest, dass die Zahl der Investoren, die nach globaler Diversifizierung streben, nochmals zugenommen hat.

Die Märkte sind heiß gelaufen, Aktien entsprechend teuer. Außerdem bringen sie Unruhe ins Portfolio, weil ihre Kurse schwanken. Gefragt ist bei vielen Investoren daher, was regelmäßige Auszahlungen abwirft. Anleihen wären das Mittel der Wahl, doch zumindest erstklassige Staatsanleihen bringen kaum noch Rendite (die er zehnjährigen Bundesanleihe bewegt sich seit Monaten nahe Null). Da kommen Immobilien als Anlageform gelegen, vor allem, wenn sie regelmäßige Mietüberschüsse erwarten lassen.

So viel Eigenheim gibt's in Ihrem Bundesland fürs Geld
Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser in Deutschland
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Wie viel Geld müssen Hauskäufer in deutschen Bundesländern für ein Eigenheim ausgeben? Eine Studie des Finanzdienstleisters Dr. Klein zeigt, dass im Mittel Saarländer nur ein Drittel so viel für die eigenen vier Wände bezahlen wie die Einwohner anderer Bundesländer. Der Durchschnittspreis reicht je nach Bundesland von 1.304 bis zu 3.133 Euro. Doch auch innerhalb der Länder herrscht eine große Preisspanne: Wer sein Haus mit einem kleineren Budget finanzieren möchte, wird in ländlichen Regionen schon für rund 500 Euro pro Quadratmeter fündig. In Metropolen wird es viel teurer; in der Spitze zahlen Hauskäufer pro Quadratmeter 14.276 Euro. Ein Überblick über die Preise von Ein- und Zweifamilienhäusern im Schlussquartal 2016 nach Bundesländern.

Quelle: www.drklein.de

Platz 16: Saarland
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Im Durchschnitt bezahlt ein Käufer im Saarland 1.304 Euro für einen Quadratmeter Hausfläche. Im bundesweiten Vergleich ist die Preisspanne im kleinsten Flächenland von Deutschland relativ gering: Für das Eigenheim zahlen Eigentümer zwischen 525 Euro und 3.669 Euro pro Quadratmeter – je nach Qualität der Wohnlage.

Platz 15: Sachsen-Anhalt
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In Sachsen-Anhalt liegt der durchschnittliche Kaufpreis für einen Quadratmeter knapp über dem des Saarlands: Hier zahlt ein Käufer im Mittel 1.391 Euro für einen Quadratmeter. In ländlichen Regionen können Käufer ein Haus schon für 503 Euro pro Quadratmeter erwerben – in größeren Städten wie in Magdeburg und Halle (Saale) müssen sie für die gleiche Größe hingegen 3.671 Euro bezahlen.

Platz 14: Thüringen
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Wer in dem Freistaat ein Haus kaufen möchte, muss eine etwas höhere Zahlungsbereitschaft mitbringen: In Thüringen kostet ein Quadratmeter Hausfläche im Schnitt 1.598 Euro. Teuer kann ein Eigenheim vor allem in den Städten Erfurt, Jena und Weimar werden. Dort kann ein Quadratmeter bis zu 4.958 Euro kosten – in anderen Gebieten Thüringens sind die eigenen vier Wände schon für 521 Euro zu haben.

Platz 13: Brandenburg
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1.685 Euro für einen Quadratmeter Hausgrundstück – soviel haben Käufer im letzten Quartal 2016 in Brandenburg durchschnittlich für ihr Eigenheim bezahlt. Großstädte wie Potsdam vergrößern die Preisspanne. Diese liegt im östlichen Bundesland zwischen 505 und 5.088 Euro pro Quadratmeter.

Platz 12: Rheinland-Pfalz
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Hauskäufer in Rheinland-Pfalz haben im vergangenen Jahr für einen Quadratmeter Ein- oder Zweifamilienhaus im Mittel 1.739 Euro bezahlt. Abhängig davon, ob sich Käufer für ein Eigentum in den bevölkerungsreichen Städten Mainz, Koblenz, Trier oder für ländliche Regionen entschieden haben, schwankten die Preise zwischen 510 und 5.213 Euro pro Quadratmeter.

Platz 11: Niedersachsen
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Wer sich im vergangenen Jahr in Niedersachen den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen wollte, musste dafür durchschnittlich 1.760 Euro bezahlen. Käufer mit einem schmaleren Budget wurden bereits für 510 Euro pro Quadratmeter fündig – andere waren hingegen bereit, 5.800 Euro zu bezahlen.

Das Problem: Die weltweite Nachfrage nach Immobilien übersteige das Angebot, stellen die Cushman-Experten fest. Außerdem beobachten sie, dass der Fokus vieler Investoren auch in diesem Jahr auf den Immobilienhochburgen liegt. „Hiermit wird versucht, Risiken zu umgehen und Liquidität und Langlebigkeit in den Portfolios aufzubauen.“

Deutschland zählte bereits im vergangenen Jahr zu den drei wichtigsten Investitionszielen ausländischer Käufer. Sie erwarben hierzulande Gebäude für 27 Milliarden Dollar. Mehr Geld aus dem Ausland zogen lediglich die USA mit 63 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 31 Milliarden Dollar an. Für die starke Stellung Großbritanniens steht vor allem London, wo nicht nur deutsche Fonds seit Jahren gerne kaufen. London zieht vor allem asiatisches Geld an, häufig von Staatsfonds. Anfang des Jahres ging die sogenannte „Käsereibe“ – offizieller Name: „Leadenhall Building“ – für rund 1,4 Milliarden Euro an einen chinesischen Investor.

In Europa, dem mittleren Osten und Afrika erwartet Cushman in diesem Jahr rund 307 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei der Löwenanteil auf Westeuropa liegt.

Deutschland mit seiner guten Konjunktur muss sich vor Großbritannien nicht verstecken. Einer Studie der Wirtschaftsberatung PwC zufolge betrug das gesamte Immobilienhandelsvolumen in Deutschland im vergangenen Jahr 60,2 Milliarden Euro, in Großbritannien lag es bei 59,9 Milliarden Euro. Insbesondere im zweiten Halbjahr übertrumpften die Investments in Deutschland die im Vereinigten Königreich: Auf 34,2 Milliarden zu 26,8 Milliarden Euro bilanziert der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate den Gewerbeimmobilienumsatz der beiden Länder.

Die Ladenhüter unter den Luxusimmobilien
Park City, Utah
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Vor etlichen Jahren hat Don Greenwood dieses schmucke Chalet in Park City bereits 20 Minuten, nachdem er es zum ersten Mal gesehen hatte, gekauft. Jetzt, wo Greenwood und seine Frau mit 80 Jahren nach San Diego ziehen, gestaltet sich der Verkauf deutlich schwieriger. Über anderthalb Jahre steht das Haus im Bundesstaat Utah bereits zum Verkauf – mittlerweile für 10,9 Millionen Dollar.

Außergewöhnliche Architektur
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Im Innern besticht das Haus mit einer Mischung aus exklusiver und moderner Architektur, gepaart mit dem luxuriös-rustikalen Charme eines Chalets in den Schweizer Alpen. Das Haus ist mit 820 Quadratmetern Wohnfläche recht weitläufig gestaltet und besteht aus mehreren Wohnebenen.

Holzdielen, Geweihe und Bruchsteine
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Das Haus der Greenwoods strahlt Gemütlichkeit und Wärme aus und ist das ideale Feriendomizil für diejenigen, die gerne in Park City und Umgebung Ski fahren, und nebenbei über das nötige Kleingeld verfügen.

Old Saybrook, Connecticut
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Dieses traumhafte Anwesen im US-Bundesstaat Connecticut gehörte einmal Oscar-Preisträgerin Katharine Hepburn und liegt direkt am Strand. Auch dieses Haus findet seit längerer Zeit keinen Käufer. 11,8 Millionen Dollar soll das 777 Quadratmeter große Haus kosten, welches auf einem riesigen Parkgrundstück steht.

Alt trifft neu
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Auch von innen besticht das Haus mit einer exklusiven Architektur. Offenes Mauerwerk trifft auf weißes Holz im Landhausstil – ein Mix zum Wohlfühlen. Trotzdem möchte bislang niemand dieses Haus kaufen. Sechs Schlafzimmer und sieben Bäder hat die Villa zu bieten, zu der auch noch ein Strandhaus gehört.

Blick aufs Meer
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Wer möchte nicht so aufwachen? Vom Schlafzimmer blickt man direkt aufs Meer. Allein dieser Ausblick würde wohl so manchem genügen, um dieses Haus kaufen zu wollen. Eigentümer Frank Sciame baute 2015 ein Strandhaus auf das Grundstück, welches ebenfalls zu verkaufen ist.

Strandhaus
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Dieses Strandhaus wurde, wie bereits erwähnt, im Jahr 2015 errichtet und sucht ebenfalls einen Käufer. Ursprünglich bezahlte der Eigentümer sechs Millionen Dollar für das gesamte Grundstück und unterteilte es anschließend in drei kleinere Grundstücke. Auf einem steht die große Hepburn-Villa, auf einem weiteren Grundstück besagtes Strandhaus. Dieses möchte der Eigentümer für 5,8 Millionen US-Dollar verkaufen – bislang vergeblich.

Berlin und Brandenburg sind laut Cushman & Wakefield mit einem Volumen von 10,3 Milliarden Dollar der größte regionale Investmentmarkt. Vor allem Berlin ist gefragt. Der Büromarkt dort hat neben dem in München die niedrigsten Leerstände in Deutschland. Auf dem Wohnungsmarkt der Hauptstadt werden Spitzenpreise bezahlt, weil die Investoren weitere Mietsteigerungen erwarten, nachdem Berlin bereits in den vergangenen Jahren die Metropole mit den stärksten Mieterhöhungen war.

Yvo Postleb, Deutschlandchef von Cushman & Wakefield, ist überzeugt: „Deutschland ist der führende Immobilienmarkt Europas, insbesondere die Hauptstadtregion Berlin liegt weiterhin im Fokus internationaler Investoren. Cushman & Wakefield sieht hier deshalb weiteres Wachstumspotenzial; auch wenn der Objektmangel in Berlin das Geschäft für die Käufer erschwert.“ Objektmangel ist für die großen Maklerhäuser das Stichwort: Vor allem im vergangenen Jahr klagten sie, sie könnten viel mehr verkaufen, wenn sie nur Verkäufer fänden. In diesem Jahr hat sich das zumindest etwas gebessert. In keinem ersten Quartal wurde auf dem Gewerbeimmobilienmarkt mehr umgesetzt als im vergangenen.

In den fünf wichtigsten deutschen Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München zählte das Analysehaus CBRE im ersten Quartal Kaufverträge über 15,8 Milliarden Euro – Wohnungsportfolios eingerechnet. Das ist ein sattes Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und wieder spielten Ausländer eine wichtige Rolle: Sie schätzen die wirtschaftliche und politische Stabilität Deutschlands. Viele Verkäufer sind frühere Investoren, die nun Gewinne mitnehmen können.

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2 Kommentare zu "London oder Berlin?: Immobilien-Investoren setzen immer mehr auf Deutschland"

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  • Der Brite hat mit dem Brexit alles richtig gemacht.
    Die Blase der Immobilien wird wieder kleiner.
    Eine Blase als "Wachstum" zu bezeichnen...naja

  • Darauf kann sich Deutschland etwas einbilden...in Zukunft die höchsten Immobilien- und damit auch Mietpreise in der EU zu haben....bravo!
    Die Lebenhaltungskosten steigen und steigen...das Leben für den Deutschen wird mit dieser EURO-EU Politik immer mehr zum Luxus bzw. dann zum Überlebenskampf!

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