Londoner Immobilienmarkt
Düstere Stimmung in der City

Selten drehten sich so viele Baukräne über der Londoner City, und noch nie wurden so viele neue Hochhäuser geplant. Doch das ist eine Scheinblüte: Nach einem langen Boom sind die Bewertungen für Büroimmobilien in der Finanzmetropole empfindlich gefallen. Viele Experten rechnen damit, dass es noch ein gutes Stück weiter abwärts geht.

LONDON / DÜSSELDORF. Sie erwarten auch, dass die Mieten bald zu sinken beginnen. Zur gleichen Zeit bahnt sich bei Wohnimmobilien der tiefste Einbruch seit gut 15 Jahren an. All das wird den britischen Banken noch große Probleme bereiten.

„Die Korrektur der Immobilienpreise hat im Februar an Tempo verloren“, sagt Angela Sheahan, Marktforscherin bei dem führenden Institut IPD. „Der britische Markt für Gewerbeimmobilien bleibt aber in seiner schnellsten und härtesten Korrektur seit der Rezession der frühen Neunzigerjahre“. Der durchschnittliche Kapitalwert sank im Februar um 1,5 Prozent, nachdem er im Januar um zwei Prozent und im Dezember um 4,2 Prozent geschrumpft war.

„London ist ein Markt, der zurzeit stark leidet“, bestätigt Bärbel Schomberg, Chefin von Degi, einem Anbieter offener Immobilienfonds. Es gebe erste Notverkäufe, die meist ohne große Auktion im Verborgenen stattfänden, sagt ihr Kollege Malcolm Morgan.

Spekulative Immobilienprojekte, bei denen es zu Baubeginn noch keine Mieter gibt, haben es immer schwerer, Bankkredite zu bekommen. Marktkenner berichten, dass der Markt für die Finanzierung solcher Vorhaben ausgetrocknet sei. Noch vor wenigen Monaten sei es kein Problem gewesen, dafür bis zu 80 Prozent Fremdkapital zu finden. Eine ähnliche Tendenz erleben private Bauherren: Viele Banken erhöhen die Hypothekenzinsen oder ziehen attraktive Angebote vom Markt zurück.

Die britischen Banken sind mit gutem Grund vorsichtig geworden. Nach einer Schätzung des Forschungsinstituts Capital Economics drohen ihnen durch die Immobilienkrise Verluste von fünf bis sieben Mrd. Pfund (6,3 bis 8,9 Mrd. Euro) innerhalb von zwei Jahren. Sie haben fast 200 Mrd. Pfund in Immobilienfinanzierungen gesteckt. Das sind 11,5 Prozent aller ausstehenden Bankschulden – höher war der Anteil noch nie. Capital Economics geht davon aus, dass der Kapitalwert der Immobilien im Falle einer Rezession in Großbritannien um 40 Prozent sinken könnte. Die meisten Volkswirte erwarten aber nicht, dass es so weit kommt.

Gerade die Schärfe der Korrektur werten manche Experten andererseits als gutes Zeichen. Die schnelle Korrektur der Bewertungen spreche dafür, dass der Abschwung rasch vorübergehe, sagt Stephen Hester, Chef der führenden Immobilienfirma British Land. Die Aktienkurse börsennotierter Immobilienfonds (REIT) seien in Großbritannien so stark gefallen wie sonst nirgends – um 42 Prozent gegenüber dem Höchststand 2007. Einen langfristigen strukturellen Wandel auf dem Londoner Büromarkt kann Hester nicht erkennen. Die Nachfrage bleibe robust, und schon 2009 werde die Beschäftigung in der Finanzbranche wieder steigen, sagt er voraus.

Wolfhard Leichnitz, Chef der deutschen Immobilienfirma IVG, mag derzeit trotzdem noch nicht wieder einsteigen. „Wir denken nicht daran, in London zu investieren“, sagte er. IVG hält hier sechs Prozent ihres Immobilienvermögens von fünf Mrd. Euro. Zugeschlagen hat hingegen Hansainvest. Die deutsche Fondsgesellschaft erwarb für 136 Mill. Pfund das Bürogebäude One London Wall von den Projektentwicklern Hammerson und Kajima. Das sei eine hochwertige Immobilie, die langfristig deutlich unter Marktniveau vermietet sei, sagte Geschäftsführer Nicholas Brinckmann. „Wir glauben, dass es bei Büroflächen in London zu einer Überkorrektur kommt, die kurzzeitig sehr gute Kaufgelegenheiten mit sich bringen wird“, sagt Julian Stocks, Leiter Capital Markets bei Jones Lang LaSalle.

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