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28.04.2008 
Immobilienmarkt

Londons Hausbesitzer spüren den Blues

von Michael Maisch

Die Kreditkrise treibt Londoner Hausbesitzern den Angstschweiß auf die Stirn: Selbst in Stadtteilen nahe der City fallen die Immobilienpreise ins Bodenlose. Im schlimmsten Fall könnte die aufziehende Krise am britischen Immobilienmarkt das ganze Land in eine Rezession stürzen.

Immobilien en masse im Angebot: Im Londoner Süden steht Schild neben Schild. Foto: ReutersLupe

Immobilien en masse im Angebot: Im Londoner Süden steht Schild neben Schild. Foto: Reuters

LONDON. Die Botschaft hört er wohl, allein ihm fehlt der Glaube. Der junge Banker schüttelt ungläubig mit dem Kopf. Ausgerechnet hier sollen die Immobilienpreise ins Bodenlose fallen? Das kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Von hier aus ist es doch nur ein halbstündiger Spaziergang über eine der Themsebrücken bis in die City – ein unschätzbarer Vorteil in der Pendlerhölle London. Richtig hübsch ist es hier zwar nicht, aber gleich um die Ecke liegt einer der schönsten Lebensmittel-Märkte der britischen Hauptstadt, der dem Viertel doch jede Menge Flair und Lebensqualität verleiht.

Willkommen auf der Borough High Street, einer der Straßen, die die aufziehende Krise am britischen Immobilienmarkt am härtesten treffen wird, wenn man den Statistikern glauben darf. Eine Krise, die das ganze Land im schlimmsten Fall in eine Rezession stürzen könnte, und die den glücklosen Premierminister Gordon Brown um seinen Job fürchten lässt.

In diesen Tagen müssen die britischen Immobilienbesitzer viele neue Wörter lernen. Eines davon heißt Nequity, ausgeschrieben negative equity, oder negatives Eigenkapital. Dahinter verbirgt sich die Furcht, dass die Preise am Immobilienmarkt so schnell fallen, dass die Häuser und Wohnungen plötzlich weniger wert sind als die Schulden, die auf ihnen lasten. In einigen Londoner Vierteln ist der Eigenkapitalpuffer bereits bedrohlich dünn geworden. Hier auf der Borough High Street müssten die Preise nur um zehn Prozent fallen, um in die gefürchtete Nequity-Zone zu rutschen, haben die Immobilienanalysten ausgerechnet.

Hier, gleich um die Ecke hat sich der junge Banker vor anderthalb Jahren eine kleine Wohnung gekauft, für rund 300 000 Pfund. Das Apartment war nicht nur zum Leben, sondern auch als Kapitalanlage gedacht, und zuerst schien auch alles gut zu gehen. Die Preise kletterten wie fast überall in London fleißig weiter. Doch das war vor Ausbruch des großen Subprime-Sturms, der längst aus den USA über den Atlantik in Richtung Großbritannien gezogen ist.

Bereits seit September vergangenen Jahres kriselt der britische Eigenheimmarkt. Im Schnitt gaben die Preise von Wohnimmobilien seither pro Monat um 0,3 Prozent nach. Im März nahm der Wertverlust mit einem Minus von 2,5 Prozent dramatische Ausmaße an. Es war der stärkste Einbruch seit Anfang der 90er-Jahre, als eine Krise am Immobilienmarkt die Insel in die vorerst letzte tiefe Rezession stürzte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hiobsbotschaften für den Premier

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