Das hofft auch der junge Banker im Stadtteil Borough, denn in einem Jahr muss er seine Hypothek umschulden. „Bis dahin sieht die Lage sicher besser aus“, meint er. „Oder es ist eh egal, weil das ganze Land bis über beide Ohren in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt.“
Zumindest die nahe Zukunft sieht wenig rosig aus. Nur ein paar Stunden vor dem Krisentreffen mit dem Finanzminister verkündete Steven Crashaw, Chef der Hypothekenbank Bradford & Bingley, dass sich die Zahlungsmoral seiner Kunden deutlich verschlechtert habe. Deshalb bleibe ihm gar nichts anderes übrig, als den Kredithahn weiter zuzudrehen.
Schlechte Stimmung
Schlüsselrolle: Der Häusermarkt spielt eine ausgesprochen wichtige Rolle für das britische Wirtschaftswachstum. Bei einer hohen Eigentumsquote sind in den vergangenen 15 Jahren die meisten Briten immer vermögender geworden, weil ihre Häuser Jahr für Jahr kräftig im Wert stiegen. Zweistellige Zuwachsraten waren keine Seltenheit. Das nutzten die meisten Haushalte, um ihre Hypothekenkredite zu erhöhen und mehr zu konsumieren – in der Erwartung, dass die Hauspreise immer weiter steigen würden. Doch diese Spirale ist unterbrochen. Seit September fallen die Preise.
Krisensignale: Volkswirte befürchten, dass die schlechte Stimmung am Immobilienmarkt schnell auf die hochverschuldeten Verbraucher durchschlagen wird, und die Konsumausgaben einbrechen. Nach einem robusten Wirtschaftswachstum von drei Prozent im vergangenen Jahr prognostiziert der Internationale Währungsfonds für 2008 nur noch eine Wachstumsrate von 1,6 Prozent für Großbritannien . Aber auch eine Rezession halten viele Analysten inzwischen nicht mehr für ausgeschlossen.
