Low-Cost-Unterkunft
Vom Billigflieger ins Billighotel

Budgethotels funktionieren nach dem Prinzip von Billig-Airlines: Die Grundausstattung wie Bett und Bad ist inklusive, sämtliche Zusatzleistungen wie Fernsehen oder Internet kosten extra. Das lukrative Geschäftsmodell schürt das Interesse institutioneller Investoren. Es birgt allerdings auch Risiken.
  • 0



BERLIN. Wer sich im ersten Easyhotel Deutschlands einmieten will, darf keine Platzangst haben. Gerade mal knapp zehn Quadratmeter (qm) groß sind die Zimmer im neuen Billighotel, das Anfang 2010 in Berlin-Mitte die ersten Gäste empfangen wird.

"Wir schaffen ein konkurrenzlos günstiges Angebot durch Verzicht auf alles, was verzichtbar ist", sagt Peter Sauter, Chef des Investors NDC und gleichzeitig Gesellschafter der Igen Hotels GmbH, die sich von der Fluggesellschaft Easyjet die Rechte an der Marke Easyhotel für Deutschland sicherte. Was das bedeutet, formuliert Sauter so: "Bett und Bad - das war?s." Der Preis für ein Doppelzimmer ohne Frühstück beginnt bei 20,10 Euro, reicht aber je nach Auslastung und Buchungszeitpunkt bis zu 80 Euro. Wie bei den Billigfluglinien kosten sämtliche Zusatzleistungen wie Fernsehen oder Internet extra.



"Deutschland hat einen riesigen Nachholbedarf an Budgethotels", ist Achim Marowsky, Geschäftsführer der Igen Hotels, überzeugt. Tatsächlich profitieren nach Ansicht von Christoph Bürkel, Hotelexperte bei Ernst & Young Real Estate (E&Y), "Budgethotels von der momentanen wirtschaftlichen Situation und davon, dass in diesem Segment noch kein breites Markenangebot besteht".

Neben Easyhotel expandieren auch andere Betreiber, so etwa Motel One sowie die B & B Hotels GmbH, wobei allein Letztere in diesem Jahr in Deutschland 15 Häuser eröffnet. Dabei kommt ihnen zugute, dass sie auch auf schwierigen Grundstücken Platz finden. Das Berliner Easyhotel zum Beispiel bringt auf einem lediglich 470 qm großen Grundstück 125 Zimmer unter. Und auch Bestandsobjekte kommen für die Billigherbergen in Frage. "Der Kauf bestehender Gebäude", bestätigt Mark Thompson, Geschäftsführer der B & B Hotels, "bietet eine gute Möglichkeit, in attraktive Innenstadtlagen zu kommen."

Der Erfolg der Idee schürt das Interesse institutioneller Investoren. So erwarb das Hamburger Emissionshaus Lloyd Fonds kürzlich mehrere Häuser von Motel One. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Dr. Lübke bestätigt den Trend: 71 Prozent der aktiven Hotelinvestoren planen den Kauf von Zwei-Sterne-Häusern; in der Vergangenheit lag der Schwerpunkt auf Vier-Sterne-Häusern.

Als lohnendes Investitionsobjekt gelten Budgethotels schon deshalb, weil Betreiber wie Motel One oder B & B im Ruf stehen, bonitätsstark zu sein und damit ein geringes Ausfallrisiko zu haben. Zudem schließen sie meist langfristige Pachtverträge ab. "Das Produkt kommt auch für offene Fonds in Frage", sagt deshalb Ursula Kriegl, Leiterin Jones Lang Lasalle Hotels Deutschland. Noch in diesem Jahr, prophezeit Alexander Trobitz, Hotelexperte bei Dr. Lübke, werde es erste Ankäufe von Budgethotels durch offene Fonds geben.

Doch es gibt Risiken: "Wenn ein Pächter wegbricht, kann es schwierig sein, einen Nachfolger zu finden", sagt Kriegl. Christoph Bürkel weist zudem auf die fehlende Flexibilität der Budgethotels hin: Ein Vier-Sterne-Haus könne qualitativ nach oben oder unten ausweichen; die Bandbreite für Budgethotels sei viel geringer. Er warnt daher vor Euphorie: "Ich würde nicht davon ausgehen, dass wir in den nächsten Jahren ein unbegrenztes Wachstum in diesem Segment haben werden."

Kommentare zu " Low-Cost-Unterkunft: Vom Billigflieger ins Billighotel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%