Luxushotel Plaza
New Yorker Legende im Notverkauf

Vom gefragtesten Luxushotel der USA zum Spekulationsobjekt: Das New Yorker Plaza steht einmal mehr zum Verkauf. Den einzigen Interessenten wollen die New Yorker nicht. Dem Noch-Eigentümer läuft indessen die Zeit davon.
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New YorkMan muss ja nicht gleich das ganze Hotel nehmen: Seit Anfang vergangener Woche steht die luxuriöse Vier-Zimmerwohnung im zweiten Stock des Plaza-Gebäudes in New York zum Verkauf. Die früheren Gemächer für Staatsbesucher waren wie so viele andere Gästezimmer in der wechselvollen Geschichte des Nobelhotels aus dem Gesamtbau herausgeschnitten und in eine Eigentumswohnung umgewandelt worden.

Der stolze Preis von 49,5 Millionen Dollar sichert dem Käufer jetzt unter der Adresse 768 Fifth Avenue einen Wohnsitz an einer der elegantesten Straßen New Yorks. Verkäufer ist der frühere Versicherungsmogul Barry Kaye aus Florida.

2009, nach dem Finanzmarkt-Crash, hatte er das Filetstück aus dem Hotel für 13,6 Millionen Dollar herausgeschnitten, kurz bevor sein Versicherungsimperium spektakulär den Bach hinunter ging. Jetzt möchte er das Appartement  für den Ruhestand liquidieren, oder vielleicht nur für Anwälte, die ihn aus Klagen verprellter Anleger heraushauen sollen.

Auf jeden Fall wären 49 Millionen Dollar eine nette Rendite für fünf Jahre Wartezeit und mit Sicherheit besser als die der Anleger in seinen riskanten Lebensversicherungskonstruktionen. Ihr markiger Werbespruch „You buy, you die, it pays“, kurz „kaufen, sterben, kassieren“. Viele Anleger stehen vor den Trümmern ihrer Altersversorgung und erste Klagen vor Gericht laufen.

Die Gemäuer des 1907 eröffneten Plaza-Hotels sind voll von skurrilen Geschichten der Großen, der Reichen, der Mächtigen und Möchte-Gern-Mächtigen der Welt. Es ist immer noch der elegante Fünf-Sterne-Magnet im Herzen von Manhattan, kurz gesagt, das Plaza IST New York. 800 Dollar sind schnell erreicht, wenn man eine Nacht hier verbringen will. Eine Nobelsuite mit 400 qm, in dem Hotel, das schon die Vanderbilts, die Beatles, die Monroe und unzählige Staatsgäste beheimatet hat, ist schon ab 30.000 Dollar zu haben. Pro Nacht, versteht sich.

Die Straße vor dem Plaza war nicht immer die feinste Adresse in York. 1971 verdiente sie sich den zweifelhaften Ruf, einem Hotelgast namens Franz-Josef Strauß aus München zum Verhängnis zu werden. Strauß, damals Mitglied des Parlaments, wollte sich angeblich um kurz vor drei Uhr morgens nur mal kurz die Beine vertreten und wurde von drei Prostituierten ausgeraubt. Das politische Bonn grinste hinter vorgehaltener Hand. Der damalige SPD-Geschäftsführer Hans-Jürgen Wischnewski wird mit dem spöttischen Satz zitiert: „Strauß mag zwar ein Nationalist sein, aber Rassist ist er keiner“. Zwei der Prostituierten sollen Farbige gewesen sein.

Doch statt New Yorker Großstadt-Geschichten, hier wurden unter anderem Szenen für „Der große Gatsby“ gedreht, gibt es seit geraumer Zeit nur noch unschöne Querelen. Derzeit wird die Nobelabsteige wie Sauerbier angeboten. Es gibt nur ein Problem: Die Interessenten, die es angeblich haben wollen, will New York nicht. Aber der Eigner, der indische Magnat Subrata Roy, muss verkaufen. Roy, Gründer und Chef der indischen Sahara Group, muss eine Kaution von umgerechnet drei Milliarden Dollar aufbringen, um aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Dort sitzt er seit März. Der Vorwurf lautet auf Anlagebetrug von mehr als drei Milliarden Dollar, die er vorwiegend Kleinanlegern abgenommen haben soll.

Die Lösung aller Probleme mit einem Schlag wäre der Paketverkauf dreier Hotels, darunter das Plaza in New York und das legendäre Grosvenor House in London, für 2,2 Milliarden Dollar. Das wäre auch nötig, denn ihm läuft die Zeit weg. Eine erste Frist des Gerichts in Neu Delhi, die Kaution zu zahlen, ist am 14. August abgelaufen. Mit der Bemerkung, dies sei das letzte Mal, bekam Roy dann noch einmal 15 Arbeitstage zugesprochen, in denen er aus einem provisorischen Büro im Tihar Gefängnis heraus mit potenziellen Käufern verhandeln kann. Er, seine Anwälte und Verhandlungspartner bekommen Fax, Internet, Computer und Smartphone zur Verfügung gestellt, müssen diese allerdings laut Gerichtsbeschluss selbst bezahlen.

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