Luxuslofts in Kreuzberg
Mit dem Auto in den vierten Stock

Das Kottbusser Tor entspricht dem typischen Kreuzberger Klischee: Junkees, Hochbahn, Szene, billige Mieten. Zumindest letzteres dürfte bald der Vergangenheit angehören, denn in Berlin-Kreuzberg entstehen Luxuslofts mit eingebautem Parkplatz. Wie Luxus und Komfort den Berliner Stadtteil Kreuzberg erobern.

BERLIN. Montagnachmittag, drei Uhr: Vor dem Supermarkt Kaiser?s am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg stehen zahlreiche Junkies sich die Beine in den Bauch. An ihnen vorbei passieren Autos hupend den Kreisverkehr, über ihnen scheppert alle paar Minuten die Hochbahn U1 über die Gleise. Wie jeden Tag und zu jeder Uhrzeit riecht es nach ausgeschüttetem Bier, ungewaschenen Hunden und kalter Asche. Das Kottbusser Tor ist der Ort in Kreuzberg, der vielleicht noch am ehesten dem Klischee vom alten Berliner Randalebezirk entspricht. Knapp 500 Meter von hier entfernt zeigt sich aber ein gänzlich anderes Bild. Dort können Hausbesitzer es sich bereits Anfang des kommenden Jahres gemeinsam mit ihrem Auto im eigenen Loft bequem machen und gemütlich und sicher über die Dächer Berlins blicken.

"Carlofts" heißen die Wohnungen, die im sechsten Hof der Paul-Lincke-Höfe entstehen. Auf sieben Stockwerken befinden sich elf Luxuslofts mit Flächen zwischen 224 und 540 Quadratmetern derzeit im Rohbau. Zwischen 486 000 und 1,6 Mill. Euro müssen die Käufer hinblättern, um das Auto in Zukunft direkt vor der Wohnung zu parken. Von der Reichenberger Straße, die direkt vom Kreisverkehr des Kottbusser Tors abgeht, fahren sie in den eigens dafür konzipierten Lastenaufzug und landen mitsamt Auto in ihrer Etage. Dort angekommen rollen sie aus dem Fahrstuhl und parken zwischen Terrasse und Wohnungsfenster. Einen Fahrstuhl teilen sich auf der einen Seite fünf, auf der anderen Seite des Gebäudes sechs Wohnungen. Damit sich der Verkehr im Aufzug nicht staut, weil alle Bewohner beispielsweise morgens um sechs zum Flughafen müssen, kann jeder Bewohner seine Abfahrtszeiten über einen Touchscreen einprogrammieren, für einen Monat im Voraus.

"Es geht nicht nur um Luxus, sondern vor allem um Komfort", sagt der Architekt der Carlofts, Manfred Dick. Man könne sowohl die Einkäufe leichter aus dem Auto in die Wohnung schleppen als auch das schlafende Kind. Ganz davon abgesehen, dass die Möglichkeit, vor der Haustür zu parken, das Leben für alte Menschen oder Menschen mit Handicap sehr viel bequemer mache. "Am Ende ist es das gleiche wie eine Garage vor dem Einfamilienhaus auf dem Land", sagt er. Gemeinsam mit Bauherr Johannes Kauka, Geschäftsführer der Topos Paul-Lincke-Höfe, hat Dick die Idee zum Patent angemeldet. Demnächst wollen sie gemeinsam in mehreren deutschen Städten Carlofts bauen. Konkrete Planungen gebe es für München, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg sowie für Sankt Petersburg und Dubai. In Kreuzberg sind sie eigentlich nur auf die Idee gekommen, weil eine Tiefgarage wegen des hohen Grundwasserspiegels schwierig zu verwirklichen war. Teurer sei die neue Lösung nicht, sagt Kauka. Interessenten gebe es auch für Kreuzberg genug, sagt er.

Der Stadtteil erfährt hier eine enorme Aufwertung. Die Preise steigen, was dazu führt, dass die alten Kreuzberger neuen, reichen Bewohnern weichen. Andreas Schulten vom Analysehaus Bulwien Gesa belegt das unter anderem mit der Entwicklung der Kaufpreise für Neubauten. Für einen Quadratmeter bezahlten Kreuzberger vor acht Jahren im Schnitt noch 2 147 Euro, vergangenes Jahr bereits 2 380 Euro. Die Carlofts kosten zwischen 2 700 und 4 000 Euro je Quadratmeter.

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