„Massive Probleme“: Mieterbund-Chef warnt vor Wohnungsnot in Großstädten

„Massive Probleme“
Mieterbund-Chef warnt vor Wohnungsnot in Großstädten

Groß-und Universitätsstädte steuerten „auf eine mittlere Katastrophe zu“, weil bezahlbarer Wohnraum fehle, warnt Franz-Georg Rips. Der Chef des Deutsche Mieterbundes fordert von der Politik schnell neue Wohnkonzepte.

MünchenDie Explosion der Mieten in vielen Städten birgt zunehmend sozialen Sprengstoff, nun schlägt auch der Deutsche Mieterbund Alarm. Angesichts steigender Mieten und Energiepreise hat Mieterbund-Präsident Franz-Georg Rips vor dramatischen Zuständen auf dem Wohnungsmarkt gewarnt.

Schon heute hätten viele Menschen "massive Probleme, eine bezahlbare Wohnung zu finden", sagte Rips dem Magazin "Focus" laut Vorabmeldung vom Sonntag. "Dieser Trend wird sich weiter verschärfen." Auch die SPD ist alarmiert. In Hamburg, Berlin und Freiburg demonstrierten am Samstag Tausende Menschen gegen hohe Mieten.

Rips zufolge steuern Groß- und Universitätsstädte, in denen es bereits jetzt an preiswerten Wohnungen fehle, "auf eine mittlere Katastrophe zu". Die Verteuerung der Wohnkosten treffe nicht nur Einkommensschwache, Rentner und Studenten. "Auch normal- und sogar viele gutverdienende Haushalte können das nötige Geld kaum noch aufbringen."

Bestimmte Bevölkerungsschichten hätten aufgrund der stark gestiegenen Mieten kaum noch Chancen, in den Zentren der Großstädte zu leben, gab Rips zu bedenken. Noch seien die Städte relativ gut durchmischt. "Das ist ein Ausdruck für die stabile soziale Lage der Gesellschaft", sagte der Mieterbundpräsident. Doch drohten die Verhältnisse jetzt zu kippen. "Der soziale Frieden hängt ganz wesentlich davon ab, dass alle Schichten die Möglichkeiten haben, in allen Gebieten Deutschlands zu leben. Wenn das nicht mehr der Fall ist, brechen unruhige Zeiten an", warnte Rips.

Ein großes Problem sei die wachsende Altersarmut. "Wenn die Menschen künftig weniger Rente bekommen, aber immer höhere Wohnkosten zahlen müssen, dann ist das ein brandgefährlicher Zustand", sagte Rips. "Niemand sollte die soziale Sprengkraft unterschätzen".

An die Politiker appellierte der Mieterbund-Chef, schleunigst neue Wohnkonzepte zu entwickeln. "Schon bei der Bundestagswahl 2013 wird es - neben der Energiefrage - auf die Wohnungsfrage ankommen."

Die SPD hat die Problematik offenbar erkannt. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte am Samstag auf dem Landesparteitag der niedersächsischen SPD in Wolfsburg, er wolle sich für günstigeren Wohnraum in den deutschen Großstädten einsetzen. Viele Studenten, Auszubildende, aber auch junge Familien und alleinerziehende Frauen könnten sich in München, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf keinen Wohnraum mehr in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leisten, kritisierte Steinbrück. Er riet seiner Partei, sich mit Blick auf ein Regierungsprogramm mit dieser Frage zu befassen. Der Anteil der Mietausgaben müsse deutlich reduziert werden, auch "durch eine Wiederbelebung dessen, was wir mal sozialen Wohnungsbau genannt haben", sagte Steinbrück.

Massive Kritik übte Rips an Verkäufen kommunaler Wohnungsbestände. "Immer mehr ausländische Investoren, die das schnelle Geld machen wollen, stürzen sich auf den deutschen Wohnungsmarkt." Dabei habe sich bereits gezeigt, welche Risiken ein Verkauf öffentlicher Wohnungen an Immobilienfirmen berge: Entweder vernachlässige der neue Eigentümer aus Kostengründen die Instandhaltung oder es gebe Luxussanierungen.

Aus Protest gegen hohe Mieten und die Verdrängung von Mietern aus ihren Stadtteilen gingen am Samstag mehrere tausend Menschen in drei Großstädten auf die Straße. In Hamburg demonstrierten nach Veranstalterangaben 4000 Menschen, in Berlin mehr als 1000. In Freiburg beteiligten sich 500 Demonstranten an den Protesten.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
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