Mehrjährige Abwärtsspirale erwartet
US-Häuserpreise schmieren ab

Im US-Immobiliensektor kündigt sich eine gefährliche Abwärtsspirale an. Die Hauspreise kommen in vielen Regionen ins Rutschen, der Angebotsüberhang weitet sich aus. Potenzielle Käufer halten sich zurück aus Angst, ihr Geld zu verlieren. Die jüngsten Zahlen aus der Branche verdeutlichen die Misere.

NEW YORK. Experten sehen auf absehbare Zeit kein Entkommen aus der Spirale. Der Immobiliensektor stehe "in der Mitte eines bedeutenden, mehrjährigen Abschwungs", schreibt die Ratingagentur Fitch in einer aktuellen Studie.

Die jüngsten Zahlen aus der Branche verdeutlichen die Misere. Zu Wochenbeginn wurden die Finanzmärkte von einem mehr als dreiprozentigen Rückgang der US-Hauspreise im zweiten Quartal überrascht. Das letzte derart deutliche Minus datiert aus dem Jahr 1987. Die Zahl der erteilten Baugenehmigungen fiel auf den niedrigsten Stand seit 1996.

Der renommierte Ökonom und Yale-Professor Robert Shiller geht davon aus, dass die Krise eine ernste Konjunkturgefahr für die USA darstellt. Shiller wurde nach der Jahrtausendwende zu einer Berühmtheit seiner Zunft, weil er das Platzen der Spekulationsblasen am Immobilien- und Aktienmarkt prophezeit hatte. Zwei Punkte sprechen laut Shiller auch diesmal für eine länger anhaltende Korrektur: Die bis ins Irrationale gestiegenen Häuserpreise in den USA und der nun schwindende Optimismus der Spekulanten, dass die Preise weiter steigen könnten. Das Problem sei "fundamental" und auch nicht durch Zinssenkungen zu lösen, schreibt Shiller in einem Beitrag für die "New York Times".

Die Aktienkurse der von der Immobilienkrise direkt betroffenen Firmen zeigen an, dass die Marktteilnehmer Anfang 2007 noch auf ein rasches Ende der Flaute gesetzt hatten. Diese Hoffnung hat sich inzwischen verflüchtigt: Große US-Baufirmen wie KB Home, Beazer Homes, D.R. Horton oder Hovnanian Enterprises haben an den Börsen ein Vier-Jahres-Tief erreicht; auch börsennotierte Immobilienfonds sind in der Anlegergunst massiv gefallen. Die Ratingagentur Fitch hat fast alle großen US-Baukonzerne zu Wochenbeginn heruntergestuft und mit einem negativen Ausblick versehen.

Sinnbild der Krise ist die Firma Beazer Homes, deren Börsenkurs innerhalb von acht Monaten von 48,60 Dollar auf unter zehn Dollar in die Tiefe gerauscht ist. Das Un-ternehmen wird nicht nur von der scharfen Krise am Bau getroffen, sondern darüber hinaus von der Börsenaufsicht SEC wegen unlauterer Bilanzierungspraktiken untersucht. Während des Booms der vergangenen Jahre hatte Beazer nicht nur Häuser gebaut, sondern zudem Hypotheken vergeben, viele davon im riskanten Subprime-Bereich. Das Unternehmen, das im Vorjahr bei 5,4 Mrd. Dollar Umsatz noch 389 Mill. Dollar Nettogewinn auswies, sah sich Anfang August sogar Pleite-Spekulationen ausgesetzt, wies diese aber als "unbegründet" und "verleumderisch" zurück.

Auch im Bereich der Finanzierer gehen die Hiobsbotschaften weiter: Der staatlich unterstützte Hypothekenriese Freddie Mac gab gestern für das zweite Quartal 2007 einen Gewinneinbruch um 45 Prozent bekannt und räumte dabei "anhaltende Störungen" im Kreditgeschäft ein. Auf Hypotheken, die in 2006 und 2007 vergeben wurden, schrieb der US-Konzern Verluste in Höhe von 320 Mill. Dollar ab. Unter dem Strich blieben für Freddie Mac noch 764 Mill. Dollar Nettogewinn oder 1,02 Dollar pro Aktie hängen. Analysten hatten mit einem deutlich besseren Nettoergebnis gerechnet.

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