Mieten dürften jedoch noch einmal leicht zurückgehen - Die Entwicklung der Hafencity liegt im Plan
Hanseatische Bürovermieter sehen Licht am Ende des Tunnels

„Abgesehen vom sehr guten Objekt verstehen wir den Ankauf auch als Bekenntnis zum Standort Hamburg.“ Aus mehr als einem Grund also fiel die Wahl von Nicole Retzlaff, Immobilienakquisiteurin beim Bankhaus Wölbern, auf ein Objekt in der Hansestadt.

DÜSSELDORF. Für den ersten geschlossenen Deutschland- Fonds der Privatbank erwarb sie vor kurzem das Gebäude der Alten Post im Universitätsviertel Rothenbaum. Insgesamt 77 Mill. Euro werden in den weinberankten Backsteinbau Baujahr 1907 investiert. Damit schwimmen die Hanseaten nun gegen den Strom, der die meisten anderen institutionellen Investoren ins Ausland lenkt. „Wir wollen unser Portfolio geographisch diversifizieren“, erklärt Retzlaff die Strategie. Ein Investment in Hamburg habe sich angeboten, denn der Markt sei „erfreulicherweise wieder stabil.“

Michael Fritz, Board Mitglied bei Jones Lang LaSalle (JLL) und Leiter der Vermietungsabteilungen Deutschland, bestätigt: „Es ist wieder viel los im Markt.“ Für das erste Quartal 2004 rechnet JLL in der Hansestadt mit einem Vermietungsvolumen zwischen 70 000 und 80 000 Quadratmetern (qm) Bürofläche. Ein „ganz gutes Ergebnis“, wie er findet. Doch ist der Experte Realist genug, um zu wissen, dass auch an der Elbe die Nachfrage nach Büroflächen allein davon abhängen wird, ob sich die Wirtschaft nachhaltig belebt. Der Leerstand jedenfalls dürfte zum Ende des ersten Quartals und auch im Gesamtjahr 2004 noch einmal leicht auf mehr als 90 0000 qm steigen. Der Grund: Bereits bis Ende März wurden 47 000 qm Bürofläche neu fertig gestellt, in den kommenden neun Monaten dürften weitere 26 000 qm hinzukommen. So bleiben vorerst die Büromieten unter Druck: „Sie werden allerdings nicht mehr so stark sinken wie im Vorjahr“, glaubt Marcus Zorn, Leiter der Hamburger Niederlassung von Atis Real Müller. Ein Minus von immerhin neun Prozent meldete das internationale Maklerhaus für 2003. Zum Jahresbeginn lag die Spitzenmiete bei 20 Euro/qm monatlich.

„Licht am Ende des Tunnels“ sehen die meisten Marktbeobachter vor allem deshalb, weil inzwischen wieder „deutlich konkreter verhandelt wird“, wie Raymond Buchholz, bei JLL in Hamburg zuständig für das Vermietungsgeschäft, beobachtet. Immerhin könnten die Neuanfragen bis Ende März auf bis zu 150 000 Quadratmeter gestiegen sein: „Mieter erkennen, dass ein großes Angebot auch eine gute Verhandlungsbasis liefert.“

Auf Hamburgs Jahrhundertprojekt, das 155 Hektar große Areal der Hafencity, die sich südlich der Speicherstadt bis zur Elbe hin ausdehnt und wo in 20 bis 25 Jahren 12 000 Menschen leben und bis zu 40 000 Menschen arbeiten sollen, wirkt sich die derzeitige Nachfrageflaute nur mittelbar aus. „Die aktuelle Marktsituation macht es vielleicht nicht leichter, begeisterungsfähige Investoren zu finden“, sagt Jürgen Bruns-Berentelg, seit gut einem Jahr Geschäftsführer der Hafencity Hamburg GmbH. Dennoch, so sein Credo, sei „jegliche Skepsis unberechtigt“. Das Gelände, ist er überzeugt, habe eine „wichtige wirtschaftliche Mobilisierungsfunktion“, nicht nur für Hamburg, sondern für die gesamte Region. Für das Überseequartier, den wichtigsten Baustein der Entwicklung mit allein rund 240 000 qm Bruttogrundfläche und einem Mix aus Arbeiten, Handel, Wohnen, Kultur und Freizeit, wird der Investorenwettbewerb bis Mitte des Jahres entschieden sein. Eine von vier Investorengruppen der Endrunde wird dann das gesamte Areal aus einer Hand entwickeln. Sei die Wahl erst getroffen, werde zügig gebaut, ist Bruns-Berentelg überzeugt: „2010 wird die Überseestadt Realität sein.“

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