Mieten, kaufen und finanzieren
Noch keine Überhitzung am Immobilienmarkt

Kredite sind so günstig wie nie - das lockt viele Investoren an den Immobilienmarkt. Die Preise für Wohnungen und Häuser steigen vielerorts. Entsteht eine Blase? Nur unter ganz bestimmten Bedingungen, sagen Experten.

Schuldner leben in goldenen Zeiten. Nur etwas mehr als 1,5 Prozent kosten Standard-Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung bei üblichen Beleihungen von 80 Prozent derzeit. Preisbrecher offerieren fünfjährige Darlehen sogar schon für 0,8 Prozent. Im langjährigen Vergleich wirken solche Konditionen fast wie ein Witz. Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 lagen die Sätze noch bei 5,5 Prozent. Ältere Semester haben noch Zinsen im zweistelligem Bereich erlebt.

Da in Abhängigkeit von niedrigen Zinsen die Kaufpreise in vielen Regionen steil angestiegen sind, geht allerdings die Sorge um, ob gerade in Deutschland eine Immobilienblase entsteht. Der jüngste Anstieg der Immobilienpreise in Deutschland muss aber nicht zwingend auf eine Blase hindeuten. Dies belegt eine Studie von Sebastian Dullien, Heike Joebges (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin) und Alejandro Márquez-Velázquez (Freie Universität Berlin) für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis: Einzig im Zusammenspiel mit unzureichender Finanzmarktregulierung könnten schnell sinkende Zinsen zu Übertreibungen bei den Hauspreisen führen.

Für ihre Studie untersuchten die drei Ökonomen Zeitreihen von 16 OECD-Ländern für den Zeitraum seit 1985 und überprüften, welche Faktoren einen Einfluss auf Blasenbildung an den jeweiligen Häusermärkten hatten. Das Ergebnis: Selbst eine Zinspolitik der Notenbanken, die von den üblichen geldpolitischen Regeln abweicht, fördert nicht die Bildung von Immobilienpreisblasen.

Einzig im Zusammenspiel mit unzureichender Finanzmarktregulierung könnten schnell sinkende Zinsen zu Übertreibungen bei den Hauspreisen führen. Gleichzeitig deuten die Daten aber darauf hin, dass im Fall eines großen und schnell wachsenden Finanzsektors niedrige Zinsen die Gefahr von Blasen erhöhen.

Die Bundesbank, die laut ihrem Stabilitätsbericht erklärt es seien „keine Anzeichen für gesamtwirtschaftlich krisenhafte Entwicklungen auf dem Wohnimmobilienmarkt zu erkennen“, forderten zuletzt schärfere Instrumente, um eine Immobilienblase in Deutschland zu verhindern. Die Bundesbank möchte etwa Geschäftsbanken vorschreiben können, wie viel Kredit sie im Verhältnis zum Wert einer Immobilie maximal gewähren dürfen.

Außerdem fordern die Bundesbanker Obergrenzen - etwa für die Länge des Schuldendienstes, für das Verhältnis der Zinsbelastung zum Einkommen und schließlich für die Gesamtverschuldung eines Kreditnehmers im Verhältnis zu seinem Einkommen. „Der Prüfprozess für diese Instrumente ist im Gange“, erklärt eine Sprecherin des Finanzministeriums. Konkrete Gesetzesvorschläge könnten bis Ende März 2016 vorliegen.

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