Mieten lässt sich lernen
Der jugendliche „Wohnsinn“

Die Idee der Leipziger Städtischen Wohnbaugesellschaft ist ganz schön schräg: In speziellen Unterrichtsstunden bringt sie Jugendlichen bei, wie man richtig mietet. Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund.
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BerlinMieter sein kann man jetzt lernen – zumindest in Leipzig. Dafür sorgt jetzt die städtische Wohn- und Bau-GmbH (LWB). Zusammen mit Dozenten eines Vereins für eine neue Bildungskultur, Eduventis, organisiert sie Workshops für Jugendliche in Schulen. Das Ziel: Den 16-Jährigen erklären, wie schuldenfreies Wohnen funktioniert.

„Der totale Wohnsinn“ hat die Wohnungsbaugesellschaft ihr Projekt getauft – wie es der Name vermuten lässt, soll die Sache locker daherkommen, die Jugendlichen ansprechen. Und so treten die „Lehrer“, Azubis der LWB oder Mitarbeiter des Vereins sind also betont lässig. Ein Video zeigt sie, wie sie in T-Short, Basecap und Sneakers den Schülern alles rund ums richtige Haushalten erklären.

„Speziell beim Bezug der ersten eigenen Wohnung werden oft die Anforderungen unterschätzt, die aus der selbständigen Haushaltsführung erwachsen“, sagt Jens Eßbach, Leiter des LWB-Sozialmanagements. So würden Jugendlich oft nicht an alle Kosten denken, die ihnen aus einer eigenen Wohnung erwachsen.

„Essen, Kleidung, Genussmittel, Strom, Kosten für Telefon und Internet“, schreibt ein Azubi-Lehrer in einer Unterrichtstunde an die Tafel. Für all dies muss das monatliche Budget reichen – nicht zu vergessen die Miete selbst. Zahlenkolonnen füllen die Tafel – es wird gerechnet. Der Azubi erklärt, dass es im schlimmsten Fall auch zur Zwangsräumung kommen kann.

Auch ihre Rechte und Pflichten als Mieter sollten Jugendliche genau kennen, glaubt die LWB. Begriffstafeln sollen helfen, die wichtigsten Fragen zu identifizieren, etwa, dass der Vermieter bei Haustieren vorher gefragt werden muss oder dass es ab einer bestimmten Uhrzeit aus Rücksicht auf die Nachbarn leise zugehen sollte.

Auf den ersten Blick kommt die Initiative der Wohnbaugesellschaft ein wenig schräg daher – richtiges Mietverhalten soll erst gelernt werden müssen? Auf den zweiten Blick steckt etwas durchaus ernstes dahinter. Laut Auskunftei Creditreform stellt „unangemessene Haushaltsführung“ nach wie vor der Hauptgrund für finanzielle Probleme in jungen Jahren dar. Auch, wenn sie sich im kleinen Bereich befinde: Im Zehnjahresvergleich sei die Zahl der überschuldeten Jugendlichen um 68 Prozent gestiegen.

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„Ein Haushalt ist keine Bagatelle“

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