Mieten
Private Wohnungskonzerne als Heilsbringer?

Börsennotierte Großvermieter sind doch nicht die Miettreiber, für die sie gehalten werden, zeigt die Studie eines Wirtschaftsforschungsinstituts. Der Deutsche Mieterbund hat Zweifel an dem Ergebnis.

DüsseldorfErst verkauften Bund, Länder und Gemeinden ihre Wohnungen an als Heuschrecken verschriene Finanzinvestoren. Dann jammerten Politiker gemeinsam mit von Mietsteigerungen betroffenen Bürgern über die angeblich hohen Mieten, die die neuen Eigentümer verlangten. Und das hat Thomas Hegel, Chef des drittgrößten börsennotierten Wohnungsvermieters in Deutschland, LEG Immobilien, genervt.

Also brachte er Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) auf die Idee, zu untersuchen, welche Hausbesitzer wie teuer vermieten. Das Ergebnis der Wirtschaftsforscher: „Staatlich heißt nicht immer günstiger.“

Voigtländer untersuchte in Kooperation mit der LEG in zehn Städten in Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland, auf das die LEG fokussiert ist, 300.000 Mietangebote in drei Jahren. Das Ergebnis: In Bielefeld, Bonn und Essen bieten LEG, Vonovia (früher Deutsche Annington) und Viva West ihre Wohnungen billiger an als öffentliche Wohnungsgesellschaften. In Dortmund verlangen die Konzerne genauso viel wie die kommunalen Vermieter: im Schnitt 5,22 Euro Monatsmiete pro Quadratmeter. In Essen und Dortmund haben die privaten Großanbieter Marktanteile zwischen 26 und 30 Prozent. Bei der Auswertung der Angebote wurden Preiseffekte aufgrund unterschiedlich guter Lagen und Wohnungsqualitäten herausgerechnet.

Nach der IW-Studie sind die kleinen privaten Vermieter eindeutig die teuersten. Daraus schließt Voigtländer: „Es zeigt sich, dass Größe relevant ist. Alle Großen erzielen Vorteile.“ Der Größenvorteil erlaube es ihnen überproportional häufig Mieten unterhalb der Durchschnittsmieten anzubieten. Diese Vermieter-Gruppe hat folglich auch den größten Erhöhungsspielraum in den Städten, in denen die Mietpreisbremse gilt. Das sind zum Jahresende mehr als 250 Kommunen.

„Die Mietpreisbremse wird eher die kleinen Vermieter treffen“, erwartet Voigtländer. Auf jeden Fall seien Genossenschaften die günstigsten Wohnungsanbieter. Gegenüber den kleinen privaten Hausbesitzern biete sie ihre Wohnungen um 16 Prozent billiger an, die großen privaten haben Mietpreisvorteile von 6,5 Prozent und die öffentlichen Unternehmen von 5,5 Prozent. Die Angebote der öffentlichen Vermieter unterscheiden sich nach Voigtländers Einschätzung kaum von denen der großen privaten Wohnungsunternehmen „und sind preislich nicht konkurrenzfähig mit Genossenschaften“.

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